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Entlang der Parenzana-Bahn: am Pfad der Freundschaft

Einst fuhr dort die Eisenbahn für Weinbauern. Heute zieht der Duft nach Akazienbäumen übers Land. Wir wanderten im Frühjahr 2019 entlang der revitalisierten Parenzana-Zugstrecke. In Erinnerung blieben uns die prachtvollen Ausblicke und die Küche Istriens.

Die Fremden machten sich einst lustig über sie. Im hügeligen Hinterland kletterte sie steile Passagen so schleichend empor, dass die Menschen mit schnellerem Gang sie sogar überholen konnten. Die Rede ist von der Parenzana, der kleinen Schmalspurbahn ab Anfang des 20. Jahrhunderts Triest mit der Hafenstadt Porec verband. Für die armen LandbewohnerInnen war die Eisenbahn jedoch ein Stück Hoffnung. Hoffnung auf bessere Zeiten. Olivenöl, Gemüse, Trüffel und Wein transportierten die Bauern von 1902 bis 1935 mit der Bahn regelmäßig nach Triest. Von dort aus ging die reiche Ernte an den kaiserlichen Hof nach Wien.

 

In der Ferne glaubt man noch das Dröhnen zu hören. Die Olivenhaine, Weinberge und mittelalterlichen Dörfer stehen heute noch unberührt da, während wir auf der alten Bahntrasse wanderten. Nach einem mehr als 70-jährigen Dornröschenschlaf wurde die stillgelegte Bahntrasse ab 2008 revitalisiert. Sie führt nun als Rad- und Wanderstrecke durch eine der schönsten Landschaften Istriens. Die Sonne kitzelt. Entlang der alten Trasse duftet es nach honigsüßen Akazienblüten, mediterranen Kräutern und Meer. Einziger Wehrmutstropfen: die beißenden Gelsen, die nach einer längeren Regenperiode gerade flügge geworden sind.

 

Wegen der wohltuenden Luft gab man der Strecke den Namen "Pfad der Gesundheit". Und es ist auch - quasi der Nachname - der "Pfad der Freundschaft". Denn: Der Weg entstand aus einer gemeinsamen Entscheidung der slowenischen, italienischen und kroatischen Gemeinden, durch die die Parenzana verlief, gefördert mit EU-Geldern.

 

Die über elf Brücken und sechs Viadukte und durch acht Tunnels fahrende Bahn hatte einst eine Höchstgeschwindigkeit von 31km/h. Bei "rasenden" 25km/h im Durchschnitt war es üblich, dass jüngere Fahrgäste auf- und absprangen, um so der Fahrkartenkontrolle zu entkommen. Auch kam es vor, dass Passagiere während der Fahrt ausstiegen, um sich mit Früchten von den gleisnahen Obstbäumen zu versorgen.

Bei den steilsten Stellen mussten die Fahrgäste beim Anschieben helfen. Nach dem Ende der Habsburgermonarchie wurde die Bahn von Italien übernommen, aber schon 1935 eingestellt. Der Großteil der Gleise wurde nach Sizilien verfrachtet und ein Teil der Schienen sollte per Schiff nach Afrika gebracht werden. Die Schmalspurbahn war unrentabel geworden und das faschistische Mussolini-Regime wollte in Abessinien eine Kolonialbahn errichten. Das Transportschiff aber versank im Mittelmeer und so sind heute nur mehr knapp zwei Meter Schienen im "Parenzana"-Museum in Izola zu bestaunen.

 

Ursprünglich war die Bahn neben dem Personen- und Militärtransport vor allem dazu verwendet worden, Industrieprodukte z.B. aus Piran zu transportieren. Aber auch Istrischer Marmor und andere Steine wurden befördert. Denn diese wurden für die boomende Bauindustrie der k.u.k. Monarchie benötigt. So sind auch heute noch die hellen istrischen Steine der Neuen Hofburg, vieler Ringstraßenpalais, aber auch des Budapester Rathauses etc. zu erkennen. Landwirtschaftliche Produkte wie Stockfische und vor allem Salz aus den Salinen der istrischen Küste waren ebenfalls bevorzugte Frachten.

 

Etwas anstrengender, aber mit imposanten Weitblicken ins fast menschenleere Hinterland ist der kroatische Teil des Weges.  Die Tour führt abenteuerlich über historische Viadukte, durch einstige Bahn-Tunnels hindurch, vorbei an den Überresten alter Bahnhöfe. Wir übernachteten im  Burgenstädtchen Motovun und kamen vorbei beim Künstlerdorf Groznjan (Foto). 

 

Der teuerste Pilz der Welt gedeiht in den kroatischen Eichenwäldern, einige Zentimeter unter der Erde und können die Trüffel nur von ausgebildeten Mischlingshunden erschnüffelt werden. 

 

Text und Fotos: Marco Vanek