Bayrischer Wald / Altschönau

Ein Urwald für unsere Kinder und Kindeskinder

Das Umdenken im Nationalpark Bayrischer Wald hat längst begonnen, stellt Sabine Traxler fest. Sie war Ende Mai mit unterwegs auf unserer kleinen Reise durch das grenzüberschreitende und größte zusammenhängenden Waldgebiet Mitteleuropas.

Natur Natur sein zu lassen ist das Motto des Nationalparks Bayrischer Wald. Dort können Bäume ganz von sich aus gedeihen und auch absterben... / Fotos: Marco Vanek, Sabine Traxler
Natur Natur sein zu lassen ist das Motto des Nationalparks Bayrischer Wald. Dort können Bäume ganz von sich aus gedeihen und auch absterben... / Fotos: Marco Vanek, Sabine Traxler

Ende Mai führten  Marco Vanek und die Ökologin Renate Leitinger  in den Nationalpark Bayrischer Wald. Wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt erstreckt sich der Park gemeinsam mit dem Areal von Tschechien über 100 Kilometer und bietet als das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas Lebensraum für seltene Flora und Fauna.

 

Der Entstehung des ersten Nationalparks des Landes im Jahr 1970 und auch dessen Erweiterung gingen heftige Kämpfe und Konflikte voran. Dass der Wald, der für viele Menschen in der Region für Jahrhunderte immer schon Lebensgrundlage war, von nun an der Natur überlassen sein sollte, unangetastet ­unvorstellbar für einen Großteil der Bevölkerung. So schilderte es uns Hans Meier in seiner Führung im Hans-Eisenmann-Haus, dem Informationszentrum. Er war früher selbst Nationalparkgegner - heute präsentiert der 70-Jährige voller Stolz, wie sich die Natur in den letzten 53 Jahren entwickelte und welche Naturschätze hier entstanden sind.

 

Auf die Frage von Meier „Was ist Natur?“ kann man eigentlich nur antworten: „Dort wo keine Menschen sind!“ Die Wanderungen durch die Randgebiete des Parks, in die Innenbereiche darf man nur an ausgewiesenen Zeiten des Jahres, zeigen, wie Natur sein sollte. Ist man an die aufgeräumten Fichtenwälder des Mühlviertels gewohnt, wo kein Ast den Boden bedeckt, ist man zunächst etwas irritiert. Es braucht aber nicht lange, bis das Umdenken einsetzt und man versteht, wie Wald eigentlich sein sollte: unaufgeräumt, voller Totholz, Pilze, Bäume in allen Stadien ihrer Entwicklung - von der Blüte über Käferbefall bis zu deren Verfall, unterschiedlichste Sträucher im Unterboden, Beeren. Wer hätte gedacht, wie hoch und dick eine Fichte werden kann, wenn man sie nicht vorher schon zur Holzverarbeitung sägt?

Für viele Tiere ist der Nationalpark einer der letzten möglichen Lebensräume: Auerhähne, Kreuzottern, Wolfsrudel, Luchse, Wildkatzen, Biber als Landschaftsgestalter - um nur einige zu nennen. All diese Tiere können hier noch sein.

 

Meine Erkenntnis dieser Reise: Die Wildnis zeigt uns Menschen seine Widersprüchlichkeit auf. Einerseits sind wir überall, beherrschen alles und versiegeln alles. Anderseits sehnen wir uns nach der Schönheit und der Erholung in der Natur und brauchen sie wie die Luft zum Atmen.