Die Vielfalt der Karpaten

ein Königreich der Biodiversität mitten in Europa

Die Karpaten lassen sich nicht auf einen Nenner bringen. So vielfältig wie der Alpenraum ist, ist auch die Landschaft des Karpatenbogens. Von Bratislava (für manche beginnen die Karpaten aber schon beim Hundsheimerberg am Fuße von Hainburg) zieht sich der Gebirgszug über sechs weitere Länder bis hinunter an die serbische Grenze. Alle Anrainerstaaten der Karpaten haben drei auffällige Gemeinsamkeiten: sie gehörten vor 1918 zur multinationalen Monarchie Österreich-Ungarn, sie kamen allesamt nach 1945 in den Einflußbereich der siegreichen Sowjetunion und seit Jahrhunderten lebten hier bis zum Holocaust sehr viele Juden. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit haben sich die Karpaten sowohl landschaftlich als auch kulturell eine Ursprünglichkeit bewahrt, die es sonst in Europa kaum mehr gibt.

 

Diese Landschaft sind eine Bastion der letzten großen Wildnisgebiete Europas, von den großen Beutegreifern mit etwa zwei Drittel der europäischen Populationen von Wolf, Bär und Luchs, und riesige Flächen an naturnahen, alten Wäldern.

 

Sie nehmen ein Fläche von 209.256 km² ein – die 5-fache Fläche der Schweiz und größer als die Alpen – und sind Lebensraum für etwa 18 Millionen Menschen.

Das Gebiet hat etwa die doppelte Menge an Niederschlag wie die umgebenden Regionen. Diese Regenfälle versorgen die Flüsse der Region und somit auch die Donau und die Vistula, welche wiederum das Schwarze und das Baltische Meer speisen. Mehr als 80 % der rumänischen Wasserversorgung (ohne Donau) und 40 % der Ukraine kommt aus den Karpaten.

 

Die Karpaten sind die größte Region in Europa mit lebensfähigen Populationen von Europas größten Säugetieren. Braunbären, Luchse und Wölfe leben in der gesamten Region, genauso wie gefährdete Vogelarten wie der Kaiseradler, der Habichtskauz oder der Wachtelkönig. In einem Kontinent, wo 40% der Säugetiere vom Aussterben bedroht sind, stellen die Karpaten ein Refugium da, von wo aus sich die Tiere wieder ausbreiten können.

 

In Europa sind etwa 56 % der Waldfläche verloren und nur rund 2% intakte Urwälder bzw. naturnahe Wälder sind unter Schutz gestellt. Gleichzeitig sind in den Karpaten noch die größten naturnahen Buchwaldflächen und Buchen-, Tannen-, Fichten-Wälder und auch die größten Urwaldflächen zu finden. Gemeinsam mit extensiv bewirtschafteten Wiesen und Grünlandflächen bietet die Region ein Mosaik an Biodiversitäts-Hotspots, das in Europa unübertrefflich ist.

 

Über ein Drittel aller Gefäßpflanzen Europas kommen in den Karpaten vor – das heißt, dass hier 3.988 Pflanzenarten wachsen, wobei 481 davon endemisch sind und nur hier vorkommen. Die Berge formen eine natürliche Brücke zwischen den nördlichen Wäldern Europas und jenen im Süden und Westen. Dadurch ermöglichen sie eine Ausbreitung der Tiere und Pflanzen quer durch Europa. (aus: https://www.wwf.at/de/karpaten/)