Reisefeuilleton

Reportagen, Bildergalerien und Hintergrundinformationen zu interessanten Reisezielen


Brüssel

Durch das andere Molenbeek

Streetart ist eine wichtige zeitgenössische Kunstform
Streetart ist eine wichtige zeitgenössische Kunstform

Seit den Anschlägen  in Paris und Brüssel in den Jahren 2015/16 kennt die Welt das Stadtviertel Molenbeek in Brüssel als Brutstätte für Terroristen und als Symbol für Kriminalität. Aber es gibt auch ein anderes Molenbeek, das sich uns bei einem Spaziergang öffnete.

Malte Woydt
Malte Woydt

 

Willkommen in Molenbeek. Mein Name ist Malte Woydt. Ich bin gebürtiger Hamburger, Historiker und Politologe und lebe seit über zwanzig Jahren hier in Brüssel. Ich mache mit euch nun eine alternative Stadtführung. Alternativ heißt, dass ich versuche, nicht nur die touristische Oberfläche der Stadt zu zeigen, sondern mehr zu erklären, was dahintersteckt. Das heißt, wir machen immer eine Mischung aus schöneren, weniger schönen Ecken, um besser zu verstehen, wie alles zusammenhängt." 

 

Malte Woydt hat viel Detailwissen zur Geschichte Belgiens, Brüssel und eben auch zu Molenbeek. Heute Stadtteil der belgischen Hauptstadt mit rund 100.000 Einwohnern, war Molenbeek zu Beginn der Industrialisierung nicht nur eine der ersten Industriestädte, sondern auch eine der bedeutendsten. "Klein-Manchester" wurde es genannt. Lebensmittelindustrie, verarbeitende Industrie, Zulieferindustrie. Gute Schienenanbindung und der nahe Kanal zum Kohlerevier um Charleroi, südlich von Brüssel, machten es möglich. Aber Molenbeeks industrielle Hochzeit währte nicht sehr lange. 

 

1840 begann hier Europas Industrialisierung

"Weil die Straßen da alle viel zu eng sind und die Grundstücke alle viel zu klein sind, ist das für heutige Produktionsbetriebe völlig ungeeignet ist, sodass das Zentrum von Alt-Molenbeek praktisch vollkommen deindustrialisiert ist. Da ist überhaupt kein Produktionsbetrieb mehr."   

Aber es gibt noch die die Ruinen ehemaliger  Industrieanlagen, wie etwa das zerfallenden Backstein-Gebäude einer alten Gießerei.  

 

1840 war Molenbeek eine puffende Industriestadt, als man in Deutschland noch gar nicht wusste, wie eine Dampfmaschine aussieht – 1840!"  Um diese Geschichte zu wahren, um den Bewohnern und Bewohnerinnen ein bisschen etwas wie Stolz auf ihr Viertel zu geben, hat ein gemeinnütziger Verein, der ansonsten soziale Einrichtungen wie Nachhilfezirkel betreibt, hier in der alten Gießerei ein kleines Industriemuseum eingerichtet.   

 

Familienbetriebe dominieren
Die Genter Chaussee ist heute die Haupteinkaufsstraße in Alt-Molenbeek. Hier fallen nur alle diejenigen auf, die augenscheinlich keine nordafrikanischen Wurzeln haben. Nein, man läuft nicht durch ein "Ghetto". Aber durch ein stark durch die marokkanische Gemeinschaft geprägtes Stadtbild: Alte Läden im Stil der Dorfläden, den die ersten Migranten aus Marokko in den 60er-Jahren importierten. Schicke Boutiquen, wie sie ihre Kinder oder Enkel heute betreiben. Die Frauen fast alle das Haar bedeckt. Männer sind hier weniger. Die sind hauptsächlich in den Teestuben zwei Straßen weiter.  

der Genter Chaussee - die Einkaufsstraße Molenbeeks
der Genter Chaussee - die Einkaufsstraße Molenbeeks

 Wie ein kleines Dorf

Die Stimmung in Alt-Molenbeek ist wie  in einem multikulturelles Dorf. Menschen aus Marokko, aus Afrika, Türkei, Rumänien leben hier mit den gebürtigen BelgierInnen zusammen. Man kennt sich. Natürlich ist Molenbeek auch nicht nur reine Idylle, erzählt uns Malte. Es gibt enorm viel Kleinkriminalität. Armut, zu enge Wohnungen, für zu viele Familienmitglieder. Familiäre Gewalt, heruntergekommene Straßenzüge. Die Arbeitslosigkeit liegt bei mindestens 30 Prozent. Bildungs- und Berufschancen sind deutlich geringer als in den betuchteren Stadtteilen Brüssels. Aber Molenbeek lässt sich nicht mit den anonymen, seelenlosen Wohnsilos der französischen Banlieues vergleichen. 

eine Nebenstraße in Alt-Molenbeek; Kleinhändler domieren den Straßenzug
eine Nebenstraße in Alt-Molenbeek; Kleinhändler domieren den Straßenzug
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Czernowitz

Die Stadt ist wie ein altes Buch

Die Stadt hat viele Namen: auf Deutsch Czernowitz, auch Tschernowitz, ukrainisch Чернівці Tscherniwzi; russisch Черновцы Tschernowzy, rumänisch Cernăuți, polnisch Czerniowce, jiddisch טשערנאָװיץ Tschernowitz, hebräisch צֶ׳רנוֹבִיץ Tschernowitz)
Die Stadt hat viele Namen: auf Deutsch Czernowitz, auch Tschernowitz, ukrainisch Чернівці Tscherniwzi; russisch Черновцы Tschernowzy, rumänisch Cernăuți, polnisch Czerniowce, jiddisch טשערנאָװיץ Tschernowitz, hebräisch צֶ׳רנוֹבִיץ Tschernowitz)

"Jeder Ort steht für etwas. Venedig ist Wasser, Glas und Filmstars. Parma ist Schinken. Und Czernowitz ist ein Buch. Es hat viele Stimmen und wird in vielen Sprachen verfasst", schreibt der Schriftsteller Igor Pomerantsev. Wir besuchten die ehemalige Literaturhauptstadt des Habsburger Reiches.

 

 

Die Reise nach Czernowitz hatte mehr 24 Stunden gedauert.  Mit dem Zug nach Krakau, Lemberg und dann noch das letzte Stück mit dem Bus quer durch die Bukowina.   Kurz vor Mitternacht: Ankunft in der Herrengasse in Czernowitz. Unbedingt wollen einige von uns die Beine in einem ersten Spaziergang vertreten und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Da ist man (gefühlt) um die Welt gereist, und findet hier die Häuser rechts und links mit ihren geschwungenen Erkern, klassizistischen Fensterfronten, zierlichen Jugendstilbalkonen so vertraut, als wäre man in der eigenen Kindheit- vielleicht eher noch der Kindheit der Großeltern - gelandet. Wir spazieren im warmen Licht der Straßenlaternen durch die Fußgängerzone hinunter. Vor hundert Jahren hätten wir hinter den Hausfassaden Deutsch wispern gehört. 

 

Durch diese Straßen ging der junge Paul Celan zur Schule. Zwei Straßen weiter wuchs Rose Ausländer auf. Und man sieht ihn geradezu vor sich, den kleinen Erwin - später Aharon - Appelfeld an der Hand seiner Mutter: Ja, oft seien sie hier spazieren gegangen, hatte der 1932 hier geborene Schriftsteller erzählt, der mit der Mutter Deutsch, den Großeltern Jiddisch und in der Schule Rumänisch sprach. Flaniert seien sie, und irgendwann hätten sie sich in einem der Cafes niedergelassen und Käsekuchen gegessen.

In der Bukowina/Buchenland

Czernowitz, seit 1775 der "östlichste Vorposten" der K.u.k.-Monarchie, war bis zu ihrem Ende im Ersten Weltkrieg die Hauptstadt des österreichischen Kronlandes Bukowina, eine Stadt, in der Vielsprachigkeit ebenso blühte wie die jüdische Kultur und in der Deutsch Amtssprache war.

Möglich ist das immer noch: durch die alte Herrengasse flanieren, ihrem erstaunlichen Gefälle folgen bis hinunter auf den zentralen Ringplatz, von dem aus die Straßen in viele Richtungen abgehen, eine schöner als die andere.

 

Aber erst am nächsten Morgen nimmt man das Brüchige an der bewegend schönen Kulisse wahr. Häuserfassaden bröckeln, Fensterrahmen sind verzogen - zwischendurch stehen wieder perfekt renovierte Häuser. Und doch rührt die Stadt in dieser Gebrochenheit an. Es ist das unzerstörte, zauberhafte und zerbrechliche Gesicht einer längst versunkenen Zeit.

Auf dem Weg in die Universität läuft man immer wieder an alten Frauen vorbei, die am Straßenrand stehen: in Kittelschürzen und geblümten Kopftüchern, Eimer voller Zwetschken, Trauben, Eier und Äpfel vor sich; die kleinen harten Pfirsiche, die man für fünf Riftas, - ein paar Cent - kauft, sind unbeschreiblich gut. Mit Deutsch- und Englischkenntnissen ist nichts auszurichten, und langsam versteht man, dass dies schon fast 100 Jahre lang nicht mehr Czernowitz ist: seit 1991 ukrainisch, davor 46 Jahre sowjetisch, zwischen den Weltkriegen rumänisch.

Peter Rychlo ist Literaturprofessor an der Universität Czernowitz
Peter Rychlo ist Literaturprofessor an der Universität Czernowitz

Eigentlich ist Czernowitz-Cernivzi also sehr, sehr weit weg. Umso unglaublicher ist, dass heuer schon im neunten Jahr mit dem Lyrikfestival "Meridiane" eine Tradition der mehrsprachigen Lyrik wieder belebt wurde, die fast zu weit entfernt scheint, als dass man sie noch herholen könnte. 

Es war in den 1970er Jahren der damalige Germanistik-Student Peter Rychlo, dem als Erstem in Cernivzi das Ausmaß dieses "Schatzes" aufging, als er mit der 90-jährigen Stefanie Nussbaum die letzte Dichterin der Stadt aufsuchte, die noch deutsche Gedichte schrieb, - und in ihrer Bibliothek die reiche deutschsprachige Literatur aus Czernowitz fand.

 

"Ich war erschüttert von der literarischen Tradition meiner Stadt, von der niemand hier eine Ahnung hatte", sagt der 68-jährige Rychlo, der heute Professor ist und sie alle als Erster ins Ukrainische übersetzt hat: Paul Celan, Rose Ausländer, Selma Meerbaum-Eisinger und andere.

Peter Rychlo machte sich daran, den Schatz zu heben. Auf dem Boden der äußerst liberalen Kultur, die sich im 19. Jahrhundert in Czernowitz entwickelt hatte, war eine reiche vielsprachige, vor allem deutsche Literatur gediehen. Niemand hat das vielleicht so schön ausgedrückt wie Karl Emil Franzos, als er Ende des 19. Jahrhunderts eine Ankunft in seiner "lieben, jungen, unfertigen Stadt am Pruth" beschrieb: "Wer da einfährt, dem ist seltsam zu Mute, er ist plötzlich wieder im Westen, wo Bildung, Gesittung und weißes Tischzeug zu finden sind. Und will er wissen, wer dies Wunder vollbracht, so lausche er der Sprache der Bewohner, es ist die deutsche. Der deutsche Geist, dieser gütigste und mächtigste Zauberer unter der Sonne, er - und er allein - hat dies blühende Stücklein Europa hingestellt, mitten in die halbasiatische Kulturwüste."

 

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Streifzüge durch die Beskiden

Steinerne Zeugen der lemken

Wer durch die südpolnischen Beskiden wandern, stößt auch auf Zeugen von Krieg und Vertreibung in den letzten hundert Jahren.

Die alten Friedhöfe der Lemken sind heute noch sichtbare Zeugen der in diesem Landstrich fast erloschenen griechisch-katholischen Kultur.
Die alten Friedhöfe der Lemken sind heute noch sichtbare Zeugen der in diesem Landstrich fast erloschenen griechisch-katholischen Kultur.

Die Niederen Beskiden im südostpolnischen Karpatenvorland haben im Laufe seiner Geschichte viele Herrscher erlebt: polnische Könige, Habsburger Kaiser, deutsche Besatzer, sowjetische Diktatoren. Was durch die Jahrhunderte Bestand hatte, war der starke Glaube seiner BewohnerInnen, die heute Lemken genannt werden.

 

Zeugen der gewaltsam beendeten Kultur der Lemken gibt es in diesem Landstrich zur Genüge. Des öfteren stießen wir auf steinerne Kreuze am Feldweg, auf verlassene Friedhöfer oder auf jahrhundertealte Holzkirchen. Hier lebte bis Ende der 1940er Jahre die Volksgruppe der Lemken, die man am ehesten den UkrainerInnen zurechnen kann. Die polnischen Kommunisten sahen in «ukrainischen Nationalisten» nach 1945 ein grosses Problem, und sie «lösten» es so, wie man in diesem Teil Europas viele «Gefahren» beseitigt hat: Sie schickten Soldaten und vertrieben Zehntausende in die menschenleer gewordenen einstigen deutschen Ostgebiete jenseits des Karpatenbogens. Heute erinnern Wegkreuze daran, dass der Weg früher eine Dorfstraße war.

Die kleine Kirche von Bieliczna wurde in den 1980er Jahren wieder renoviert und erinnert an die Dorfgemeinschaft der 200 lemkischen BewohnerInnen, die 1947 vertrieben wurden.
Die kleine Kirche von Bieliczna wurde in den 1980er Jahren wieder renoviert und erinnert an die Dorfgemeinschaft der 200 lemkischen BewohnerInnen, die 1947 vertrieben wurden.

Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lebten im heutigen Karpatenvorland etwa 100.000 Lemken Bergbauern, Waldarbeiter, Hirten, Zimmerleute und Steinmetze, Doch sie waren immer eine ethnische Minderheit - und wurden daher von den Behörden als Problem, manchmal auch als Gefahr angesehen. Als die Rote Armee 1944 die Gebiete befreite, einigten sich Polen und die Ukrainische SSR auf einen "Bevölkerungsaustausch", angeblich freiwillig, aber es wurde auch Druck ausgeübt. Rund 450.000 Ukrainer, unter ihnen 70.000 Lemken, verließen ihre polnische Heimat in Richtung Ukraine, umgekehrt wurden knapp 800.000

Polen aus der Ukraine nach Polen "repatriiert". Die Umsiedlungen, die auf "ethnische Säuberungen" hinausliefen, stießen auf Widerstand.

In der Ukraine und den von Russinen, Lemken und Bojken, bewohnten Gebieten Polens kämpften Partisanen der Ukrainischen Aufständischen Armee, UPA, gegen die Kommunisten, für eine unabhängige Ukraine. In ihrem Kampf hatte sich die UPA zeitweise mit Hitlerdeutschland verbündet, was ihren Anhängern den Ruf von Kollaborateuren und Mördern eintrug. Wie so oft ist die Geschichte allerdings komplizierter. "Die Trennlinie zwischen Partisanen, die Helden sind, und solchen, die zu Verrätern und Banditen werden, ist dünn, es ist unmöglich, eine klare Unterscheidung zu treffen", schreibt

Pawel Smolenski. In seinen Reportagen räumt er auf mit den in Polen nach wie vor weitverbreiteten Stereotypen der Ukrainer als grausame Banditen und Mörder.

Lemken - gemalt von Kazimierz Sichulski im Jahr 1924 - ausgestellt im Nationalmuseum Krakau
Lemken - gemalt von Kazimierz Sichulski im Jahr 1924 - ausgestellt im Nationalmuseum Krakau

Im April 1947 starteten die polnischen Kommunisten eine "Strafaktion" gegen alle noch in Südostpolen verbliebenen Angehörigen der ukrainischen Volksgruppen. Zum Anlass nahmen sie die Ermordung eines hochrangigen polnischen Militärs durch die UPA. In Wahrheit war dies bloß ein willkommener Vorwand, die Aussiedlung der "ukrainischen Nationalisten" war längst eine beschlossene Sache. In der sogenannten "Aktion Weichsel" wurden alle Lemken zwangsweise in Gebiete im Norden und Westen Polens umgesiedelt, aus denen zuvor die Deutschen vertrieben worden waren. Ganze Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht, ganze Regionen beinahe entvölkert, erst nach 1956 durften Lemken vereinzelt in ihre Dörfer zurückkehren, doch oft fanden sie nur noch Wildnis vor. Oder sie wurden von den neuen Siedlern als unwillkommene Eindringlinge betrachtet, wenn sie die eigenen Häuser, Friedhöfe

und Kirchen zurückforderten. Viele Dörfer sind heute verschwunden, auf unseren Wanderungen durch die entlegenen Täler

stießen wir zwischen bewaldeten Hügeln auf ihre Spuren: verwilderte Obstbäume, Reste von Friedhöfen, einzelne Hauskreuze. Und wenn wir genauer hinschauten, konnten wir manchmal Umrisse von Fundamenten entdecken.

Übersetzung der Gedenktafel: "Hier stand das Dorf Ropki. 1941 wurde ein Zigeuner, 1942 zwei Juden ermordet, 1947 wurden 60 lemkische Familien vertrieben. Wir vergessen nie!"
Übersetzung der Gedenktafel: "Hier stand das Dorf Ropki. 1941 wurde ein Zigeuner, 1942 zwei Juden ermordet, 1947 wurden 60 lemkische Familien vertrieben. Wir vergessen nie!"
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Trier

Marx über Marx

Zum 200. Geburtstag des deutschen Philosophen besuchten wir seine Geburtsstadt Trier und stießen auf geringes Marx-Interesse seiner heutigen BewohnerInnen. Nichtdestotrotz gibt es dort drei sehenswerte Ausstellungen zu besuchen.

Trier wird dieser Tage Kopf stehen, haben wir geglaubt. Zwar sieht man Karl Marx überall in der Stadt, die TouristInnen interessieren sich nicht allzusehr um sein Leben und Werk, sondern das der Römer, die vor 2000 Jahren Trier als wichtigen Stützpunkt erbauten. Selbst die örtlichen Grünen wunderten sich, warum wir uns um den scheinbar größten Sohn der Stadt interessierten. Sie selbst haben kaum Interesse an seiner Person.

 

Und um es gleich vorweg zu sagen: Die Landesausstellung, die auf 1.600 Quadratmetern an zwei Standorten Leben, Werk und Zeit von Karl Marx zeigt, ist wunderbar. Doch wie präsentiert man einen Denker, wenn es so gut wie keine Objekte gibt und der Nachlass nur aus Schriften besteht, die im Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam, wo sich der größte Teil der Handschriften von Marx und Engels befindet, und in Moskau aufbewahrt werden? Was die Objekte anbelangt, so gibt es in der ebenfalls am Samstag eröffneten neu konzipierten Dauerausstellung im Geburtshaus von Karl Marx in der Trierer Brückenstraße Marx’ Taschenuhr und Lesesessel zu sehen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat ihn 2014 von Marx’ Ururenkelinnen gekauft. In diesem Sessel ist er angeblich am 14. März 1883 gestorben.

So leitet man es aus einem Brief von Friedrich Engels ab: „Gestern Nachmittag, 2.45 Uhr, kaum zwei Minuten allein gelassen, fanden wir ihn sanft entschlafen im Sessel.“Was die Schriften anbelangt, zeigt die temporäre große Landesausstellung die einzig verbliebene Manuskriptseite vom „Kommunistischen Manifest“, jener 1847/48 eilig verfassten Programmschrift für den Bund der Kommunisten, die auch die Handschrift Jenny von Westphalens trägt, sowie Marx’ persönliches Exemplar von „Das Kapital“, das nach nahezu 20 Jahren Forschungsarbeit 1867 als erste umfassende ökonomisch-gesellschaftliche Analyse erschien. Es trägt handschriftliche Anmerkungen, gleich nach Erscheinen hatte Marx schon wieder Korrekturen anzubringen. Die Originale beider Schriften, die zum Unesco-Weltdokumentenerbe gehören, sind verschollen.

 

Was die Schriften anbelangt, zeigt die temporäre große Landesausstellung die einzig verbliebene Manuskriptseite vom „Kommunistischen Manifest“, jener 1847/48 eilig verfassten Programmschrift für den Bund der Kommunisten, die auch die Handschrift Jenny von Westphalens trägt, sowie Marx’ persönliches Exemplar von „Das Kapital“, das nach nahezu 20 Jahren Forschungsarbeit 1867 als erste umfassende ökonomisch-gesellschaftliche Analyse erschien. Es trägt handschriftliche Anmerkungen, gleich nach Erscheinen hatte Marx schon wieder Korrekturen anzubringen. Die Originale beider Schriften, die zum Unesco-Weltdokumentenerbe gehören, sind verschollen.

Das „Kommunistische Manifest“ und „Das Kapital“ bilden das geistige Herzstück der Landesausstellung. Eine Reliquienschau ist sie nicht, sie schafft etwas ganz anderes, nämlich Karl Marx als Philosophen, Journalisten, Politökonomen und Revolutionär im Zusammenhang der politischen und sozioökonomischen Verhältnisse seiner Zeit jedem verständlich zu machen und ihn von allerlei Mythen und Ballast zu befreien. Es ist das erklärte Ziel der AusstellungsmacherInnen: Marx aus den Dogmatisierungen und Verfälschungen des Marxismus-Leninismus herauszulösen und ein differenziertes Marx-Bild zu zeigen. Dafür wird Marx historisiert, also aus seiner Zeit heraus erklärt, was ja in der Regel bedeutet, Aktualisierungen zu verhindern und zu entpolitisieren. Doch dieses Urteil würde hier zu kurz greifen. Denn das Ausstellungsmaterial ist so klug ausgewählt und gut kontextualisiert, dass jeder selbst Aktualisierungen vornehmen kann, aber eben ohne sich einem pädagogischen oder moralischen Zeigefinger ausgesetzt zu sehen.

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Die Vielfalt der Karpaten

ein Königreich der Biodiversität mitten in Europa

Die Karpaten lassen sich nicht auf einen Nenner bringen. So vielfältig wie der Alpenraum ist, ist auch die Landschaft des Karpatenbogens. Von Bratislava (für manche beginnen die Karpaten aber schon beim Hundsheimerberg am Fuße von Hainburg) zieht sich der Gebirgszug über sechs weitere Länder bis hinunter an die serbische Grenze. Alle Anrainerstaaten der Karpaten haben drei auffällige Gemeinsamkeiten: sie gehörten vor 1918 zur multinationalen Monarchie Österreich-Ungarn, sie kamen allesamt nach 1945 in den Einflußbereich der siegreichen Sowjetunion und seit Jahrhunderten lebten hier bis zum Holocaust sehr viele Juden. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit haben sich die Karpaten sowohl landschaftlich als auch kulturell eine Ursprünglichkeit bewahrt, die es sonst in Europa kaum mehr gibt.

 

Diese Landschaft sind eine Bastion der letzten großen Wildnisgebiete Europas, von den großen Beutegreifern mit etwa zwei Drittel der europäischen Populationen von Wolf, Bär und Luchs, und riesige Flächen an naturnahen, alten Wäldern.

 

Sie nehmen ein Fläche von 209.256 km² ein – die 5-fache Fläche der Schweiz und größer als die Alpen – und sind Lebensraum für etwa 18 Millionen Menschen.

Das Gebiet hat etwa die doppelte Menge an Niederschlag wie die umgebenden Regionen. Diese Regenfälle versorgen die Flüsse der Region und somit auch die Donau und die Vistula, welche wiederum das Schwarze und das Baltische Meer speisen. Mehr als 80 % der rumänischen Wasserversorgung (ohne Donau) und 40 % der Ukraine kommt aus den Karpaten.

 

Die Karpaten sind die größte Region in Europa mit lebensfähigen Populationen von Europas größten Säugetieren. Braunbären, Luchse und Wölfe leben in der gesamten Region, genauso wie gefährdete Vogelarten wie der Kaiseradler, der Habichtskauz oder der Wachtelkönig. In einem Kontinent, wo 40% der Säugetiere vom Aussterben bedroht sind, stellen die Karpaten ein Refugium da, von wo aus sich die Tiere wieder ausbreiten können.

 

In Europa sind etwa 56 % der Waldfläche verloren und nur rund 2% intakte Urwälder bzw. naturnahe Wälder sind unter Schutz gestellt. Gleichzeitig sind in den Karpaten noch die größten naturnahen Buchwaldflächen und Buchen-, Tannen-, Fichten-Wälder und auch die größten Urwaldflächen zu finden. Gemeinsam mit extensiv bewirtschafteten Wiesen und Grünlandflächen bietet die Region ein Mosaik an Biodiversitäts-Hotspots, das in Europa unübertrefflich ist.

 

Über ein Drittel aller Gefäßpflanzen Europas kommen in den Karpaten vor – das heißt, dass hier 3.988 Pflanzenarten wachsen, wobei 481 davon endemisch sind und nur hier vorkommen. Die Berge formen eine natürliche Brücke zwischen den nördlichen Wäldern Europas und jenen im Süden und Westen. Dadurch ermöglichen sie eine Ausbreitung der Tiere und Pflanzen quer durch Europa. (aus: https://www.wwf.at/de/karpaten/)


Unser Reiseschwerpunkt 2018:  Karpaten

Das Reisejahr 2018 steht ganz im Zeichen des großen osteuropäischen Gebirgszuges, der bereits wenige Kilometer hinter Wien beginnt.

Eine Siedlung im ukrainischen Rakhiv, in den Waldkarpaten
Eine Siedlung im ukrainischen Rakhiv, in den Waldkarpaten

Die Karpaten sind ein multinationales Territorium im östlichen Zentrum Europas. Eine terra incognita im Bewußtsein der meisten WesteuropäerInnen. Sie ziehen sich 1500km lang in einem Bogen von Hainburg, über die ganze Slowakei, Südpolen, die Ukraine, Rumänien und Ungarn. Alle fünf Anrainerstaaten der Karpaten haben drei auffällige Gemeinsamkeiten: sie gehörten vor 1918 zur multinationalen Monarchie Österreich-Ungarn, sie kamen allesamt nach 1945 in den Einflußbereich der siegreichen Sowjetunion und seit Jahrhunderten lebten hier bis zum Holocaust sehr viele Juden. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit haben sich die Karpaten sowohl landschaftlich als auch kulturell eine Ursprünglichkeit bewahrt, die es sonst in Europa kaum mehr gibt.

 

Wir begeben uns auf mehrere Reisen in ein ländlich-gebirgiges Europa, das uns endlos fremd erscheint und doch die gemeinsamen kulturellen und historischen Wurzeln spüren läßt...


Luberon - Wandelgänge durch das Herz der Provence

wo die Einsamkeit, die Weite des kargen Landes, aber auch das Mittelalter noch gegenwärtig ist


Bonnieux, Apt oder Saignon waren vor mehr als 900 Jahren wohlhabende Kleinstädte inmitten eines trockenen und kargen Landes. Zeugen dieser Zeit sind heute noch zahlreich erhalten. Wir wandelten durch das auf den zweiten Blick schon sehr abwechslungsreiche Südfrankreich. 

 


Rhodopen: Ein Geisterdorf erwacht

 In Bulgarien verlassen immer mehr Menschen die Dörfer und ziehen in die Städte oder ins Ausland. Auf unserer Reise durch die Rhodopen besuchten wir das Dorf Kosovo, in das wieder Leben kommt.

 


Wandern durch die bulgarischen Rhodopen

Wild und unberührt ist die Heimat des Orpheus, bewaldete Höhenzüge mit einer einmaligen Vielfalt an Flora und Fauna. Mit Ausnahme mancher Wintersportorte, wie Pamporovo oder Tschepelare, sind die Rhodopen touristisch noch kaum erschlossen unsere Reise dorthin war wie ein kleines Abenteuer.

 


Maramuresch - durch ein Land am Rande Europas

Zu Ostern 2017 bereisten wir die nordwestliche Region Rumäniens. Mit dem Zug fuhren wir über Debrecen nach Satu Mare und waren dann im Land unterwegs mit dem Bus. Wir machten Halt in der Verwaltungshauptstadt der Region  in Baia Mare, besuchten das Geburtshaus des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel in Sighet und und verbrachten fünf Nächte in Viseu de Sus - dem früheren Oberwischau - am Fuße der Waldkarpaten.

Wir wanderten durch sanfthügelige, kleinstrukturierte und deshalb sehr artenreiche Landschaften. Sahen viele Bauernhöfe, die heute noch traditionell bewirtschaftet werden, so wie bei uns in Mitteleuropa vor mehr als fünfzig Jahren. Doch der "Fortschritt" wird auch in dieser Region nicht Halt machen. Die Vorboten der Moderne sind bereits im Anmarsch: Landraub, illegaler Holzeinschlag auch unter tatkräftiger Beteiligung österreichischer Firmen, überall im Land grassiert das Müllproblem... Die jungen Menschen dieser Region reagieren auf ihre Art und kehren der Region in Scharen ihren Rücken.

Doch es gibt Hoffnung auf eine Kehrtwende. Menschen wie der Ranger des Naturparks Maramuresch - Anton Brenner - setzen sich in ihrer täglichen Arbeit ein für eine (über)lebenswerte Zukunft dieser Region an der Außengrenze des EU-Europas und zeigen, dass mit zivilgesellschaftlichen Engagement ein gutes Leben möglich ist.


Mit der Waldbahn durch das Wassertal in der Maramuresch

Seit Jahrhunderten prägt Holz das Leben in der nördlichen Maramuresch an der heutigen ukrainischen Grenze.  Ab 1770 wurden oberösterreichische Holzfäller und Handwerker an den Rand der Waldkarpaten angesiedelt, um den Holzreichtum für die österreichische Krone nutzbar zu machen. Noch heute fährt die Schmalspurbahn von Oberwischau /Viseu de Sus die 40 Kilometer ins Wassertal um Holzfäller und Baumstämme zu transportieren. Mehr über diese Region mit oberösterreichischem Einfluss in einer Bildreportage.


Auf winterlicher Spurensuche entlang der Maltsch im ehemaligen Niemandsland

Kein Ort an der oberösterreichisch-südböhmischen Grenze spiegelt mehr die wechsel- und leidvolle Geschichte beider Länder wider als der ehemalige Markt Zettwing/Cetviny an der Maltsch. Mehr

 


Durch die letzte Wildnis Österreichs

Im Sommer  besuchten wir das letzte Wildnisgebiet in Österreich, das im Südwesten Niederösterreichs liegt. Eine Bildreportage über den langen Atem der Natur.

Die Vielfalt moderner Architekturen in Rom

Wir besuchten Rom und staunten über die Vielfalt moderner Baukunst- und -kultur abseits der touristischen Pfade.  Infos zu den besichtigten Bauten.