Reisefeuilleton

Reportagen, Bildergalerien und Hintergrundinformationen zu interessanten Reisezielen


Streifzüge durch die Beskiden

Steinerne Zeugen der lemken

Wer durch die südpolnischen Beskiden wandern, stößt auch auf Zeugen von Krieg und Vertreibung in den letzten hundert Jahren.

Die alten Friedhöfe der Lemken sind heute noch sichtbare Zeugen der in diesem Landstrich fast erloschenen griechisch-katholischen Kultur.
Die alten Friedhöfe der Lemken sind heute noch sichtbare Zeugen der in diesem Landstrich fast erloschenen griechisch-katholischen Kultur.

Die Niederen Beskiden im südostpolnischen Karpatenvorland haben im Laufe seiner Geschichte viele Herrscher erlebt: polnische Könige, Habsburger Kaiser, deutsche Besatzer, sowjetische Diktatoren. Was durch die Jahrhunderte Bestand hatte, war der starke Glaube seiner BewohnerInnen, die heute Lemken genannt werden.

 

Zeugen der gewaltsam beendeten Kultur der Lemken gibt es in diesem Landstrich zur Genüge. Des öfteren stießen wir auf steinerne Kreuze am Feldweg, auf verlassene Friedhöfer oder auf jahrhundertealte Holzkirchen. Hier lebte bis Ende der 1940er Jahre die Volksgruppe der Lemken, die man am ehesten den UkrainerInnen zurechnen kann. Die polnischen Kommunisten sahen in «ukrainischen Nationalisten» nach 1945 ein grosses Problem, und sie «lösten» es so, wie man in diesem Teil Europas viele «Gefahren» beseitigt hat: Sie schickten Soldaten und vertrieben Zehntausende in die menschenleer gewordenen einstigen deutschen Ostgebiete jenseits des Karpatenbogens. Heute erinnern Wegkreuze daran, dass der Weg früher eine Dorfstraße war.

Die kleine Kirche von Bieliczna wurde in den 1980er Jahren wieder renoviert und erinnert an die Dorfgemeinschaft der 200 lemkischen BewohnerInnen, die 1947 vertrieben wurden.
Die kleine Kirche von Bieliczna wurde in den 1980er Jahren wieder renoviert und erinnert an die Dorfgemeinschaft der 200 lemkischen BewohnerInnen, die 1947 vertrieben wurden.

Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lebten im heutigen Karpatenvorland etwa 100.000 Lemken Bergbauern, Waldarbeiter, Hirten, Zimmerleute und Steinmetze, Doch sie waren immer eine ethnische Minderheit - und wurden daher von den Behörden als Problem, manchmal auch als Gefahr angesehen. Als die Rote Armee 1944 die Gebiete befreite, einigten sich Polen und die Ukrainische SSR auf einen "Bevölkerungsaustausch", angeblich freiwillig, aber es wurde auch Druck ausgeübt. Rund 450.000 Ukrainer, unter ihnen 70.000 Lemken, verließen ihre polnische Heimat in Richtung Ukraine, umgekehrt wurden knapp 800.000

Polen aus der Ukraine nach Polen "repatriiert". Die Umsiedlungen, die auf "ethnische Säuberungen" hinausliefen, stießen auf Widerstand.

In der Ukraine und den von Russinen, Lemken und Bojken, bewohnten Gebieten Polens kämpften Partisanen der Ukrainischen Aufständischen Armee, UPA, gegen die Kommunisten, für eine unabhängige Ukraine. In ihrem Kampf hatte sich die UPA zeitweise mit Hitlerdeutschland verbündet, was ihren Anhängern den Ruf von Kollaborateuren und Mördern eintrug. Wie so oft ist die Geschichte allerdings komplizierter. "Die Trennlinie zwischen Partisanen, die Helden sind, und solchen, die zu Verrätern und Banditen werden, ist dünn, es ist unmöglich, eine klare Unterscheidung zu treffen", schreibt

Pawel Smolenski. In seinen Reportagen räumt er auf mit den in Polen nach wie vor weitverbreiteten Stereotypen der Ukrainer als grausame Banditen und Mörder.

Lemken - gemalt von Kazimierz Sichulski im Jahr 1924 - ausgestellt im Nationalmuseum Krakau
Lemken - gemalt von Kazimierz Sichulski im Jahr 1924 - ausgestellt im Nationalmuseum Krakau

Im April 1947 starteten die polnischen Kommunisten eine "Strafaktion" gegen alle noch in Südostpolen verbliebenen Angehörigen der ukrainischen Volksgruppen. Zum Anlass nahmen sie die Ermordung eines hochrangigen polnischen Militärs durch die UPA. In Wahrheit war dies bloß ein willkommener Vorwand, die Aussiedlung der "ukrainischen Nationalisten" war längst eine beschlossene Sache. In der sogenannten "Aktion Weichsel" wurden alle Lemken zwangsweise in Gebiete im Norden und Westen Polens umgesiedelt, aus denen zuvor die Deutschen vertrieben worden waren. Ganze Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht, ganze Regionen beinahe entvölkert, erst nach 1956 durften Lemken vereinzelt in ihre Dörfer zurückkehren, doch oft fanden sie nur noch Wildnis vor. Oder sie wurden von den neuen Siedlern als unwillkommene Eindringlinge betrachtet, wenn sie die eigenen Häuser, Friedhöfe

und Kirchen zurückforderten. Viele Dörfer sind heute verschwunden, auf unseren Wanderungen durch die entlegenen Täler

stießen wir zwischen bewaldeten Hügeln auf ihre Spuren: verwilderte Obstbäume, Reste von Friedhöfen, einzelne Hauskreuze. Und wenn wir genauer hinschauten, konnten wir manchmal Umrisse von Fundamenten entdecken.

Übersetzung der Gedenktafel: "Hier stand das Dorf Ropki. 1941 wurde ein Zigeuner, 1942 zwei Juden ermordet, 1947 wurden 60 lemkische Familien vertrieben. Wir vergessen nie!"
Übersetzung der Gedenktafel: "Hier stand das Dorf Ropki. 1941 wurde ein Zigeuner, 1942 zwei Juden ermordet, 1947 wurden 60 lemkische Familien vertrieben. Wir vergessen nie!"
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Die Vielfalt der Karpaten

ein Königreich der Biodiversität mitten in Europa

Die Karpaten lassen sich nicht auf einen Nenner bringen. So vielfältig wie der Alpenraum ist, ist auch die Landschaft des Karpatenbogens. Von Bratislava (für manche beginnen die Karpaten aber schon beim Hundsheimerberg am Fuße von Hainburg) zieht sich der Gebirgszug über sechs weitere Länder bis hinunter an die serbische Grenze. Alle Anrainerstaaten der Karpaten haben drei auffällige Gemeinsamkeiten: sie gehörten vor 1918 zur multinationalen Monarchie Österreich-Ungarn, sie kamen allesamt nach 1945 in den Einflußbereich der siegreichen Sowjetunion und seit Jahrhunderten lebten hier bis zum Holocaust sehr viele Juden. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit haben sich die Karpaten sowohl landschaftlich als auch kulturell eine Ursprünglichkeit bewahrt, die es sonst in Europa kaum mehr gibt.

 

Diese Landschaft sind eine Bastion der letzten großen Wildnisgebiete Europas, von den großen Beutegreifern mit etwa zwei Drittel der europäischen Populationen von Wolf, Bär und Luchs, und riesige Flächen an naturnahen, alten Wäldern.

 

Sie nehmen ein Fläche von 209.256 km² ein – die 5-fache Fläche der Schweiz und größer als die Alpen – und sind Lebensraum für etwa 18 Millionen Menschen.

Das Gebiet hat etwa die doppelte Menge an Niederschlag wie die umgebenden Regionen. Diese Regenfälle versorgen die Flüsse der Region und somit auch die Donau und die Vistula, welche wiederum das Schwarze und das Baltische Meer speisen. Mehr als 80 % der rumänischen Wasserversorgung (ohne Donau) und 40 % der Ukraine kommt aus den Karpaten.

 

Die Karpaten sind die größte Region in Europa mit lebensfähigen Populationen von Europas größten Säugetieren. Braunbären, Luchse und Wölfe leben in der gesamten Region, genauso wie gefährdete Vogelarten wie der Kaiseradler, der Habichtskauz oder der Wachtelkönig. In einem Kontinent, wo 40% der Säugetiere vom Aussterben bedroht sind, stellen die Karpaten ein Refugium da, von wo aus sich die Tiere wieder ausbreiten können.

 

In Europa sind etwa 56 % der Waldfläche verloren und nur rund 2% intakte Urwälder bzw. naturnahe Wälder sind unter Schutz gestellt. Gleichzeitig sind in den Karpaten noch die größten naturnahen Buchwaldflächen und Buchen-, Tannen-, Fichten-Wälder und auch die größten Urwaldflächen zu finden. Gemeinsam mit extensiv bewirtschafteten Wiesen und Grünlandflächen bietet die Region ein Mosaik an Biodiversitäts-Hotspots, das in Europa unübertrefflich ist.

 

Über ein Drittel aller Gefäßpflanzen Europas kommen in den Karpaten vor – das heißt, dass hier 3.988 Pflanzenarten wachsen, wobei 481 davon endemisch sind und nur hier vorkommen. Die Berge formen eine natürliche Brücke zwischen den nördlichen Wäldern Europas und jenen im Süden und Westen. Dadurch ermöglichen sie eine Ausbreitung der Tiere und Pflanzen quer durch Europa. (aus: https://www.wwf.at/de/karpaten/)

Tagliamento - der König der Alpenflüsse ist in Gefahr!

Vom Ecomuseo delle Acque in Gemona ist es nicht weit bis zum Flussufer hinunter. Das breite Flussbett stellt sich dort dar wie ein Moränenamphitheater. Grobe Schotterfelder und sandreiche Kiesflächen werden von verzweigten Wasserläufen von kreideweißer Farbe durchzogen. Im Mai werden wir dort entlang des Uferstreifens wandern und diese einzigartige Landschaft genießen.

 

Der Tagiamento zählt zur größten und bedeutendsten Flusslandschaft der Alpen und ist das einzig verbliebene Referenzökosystem, an dem sich die flussdynamischen Prozesse beobachten lassen. Fast ausschließlich auf seinen 172 Kilometer Länge fließt der Fluss wild und ungebändigt dahin und verlagert immer wieder sein Bett. Erst kurz vor der Mündung in die Adria - bei Bibione und Lignano - wird er in eine kanalartige Rinne gezwängt.

 

Der Tagliamento ist für die biologische Vielfalt in Europa von elementarer Bedeutung. Seine Auen und Kiesbänke bieten natürliche Lebenswäume für vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere.

Doch die Flusslandschaft ist Gefahr zerstört zu werden. Es sind nicht nur die unzähligen Motorräder und motorradähnlichen Gefährten, die das Flussufer als natürliche Motorcross-Strecke mißbrauchen, sondern ein geplantes Hochwasserprojekt bei Spilimbergo. Dort soll ein riesiges Rückhaltebecken mit einer Fläche von über 8,5 Quadratkilometer gebaut werden. Diese Baumaßnahme würde die Bestrebungen der Umweltpolitik zunichte machen, die in dieser Region ein NATURA 2000 Schutzsystem einrichten möchte...

 

Vom 10. bis 13. Mai 2018 besuchen wir Gemona und den dortigen Abschnitt des Tagliamento. Leider sind alle Plätze ausgebucht. Eine Vormerkung auf der Warteliste ist aber möglich.

Riecht der Süden anders?

Ja, meint die kroatische Journalistin Lidija Klasic in ihrem Buch „Auf nach Istrien“, wie sie sich auf die Suche nach Verborgenem, Skurrilem und Kulinarischen macht. Was ist aber unter dem Süden zu verstehen, fragt sie berechtigterweise. Und: Wo genau beginnt er? Als sie noch in Zagreb lebte, war für sie schon das slowenische Ljubljana eindeutig eine nördliche Stadt. Seit sie in Berlin lebt, staunt sie, wie südlich und geruchsintensiv München auf sie wirkt. „In Graz bin ich schon ganz selig. Das ist für mich inzwischen eine fast mediterrane Stadt geworden, wo der Wochenmarkt von Düften durchströmt ist und das Licht um die nächste Ecke das Meer vermuten lässt“.

 

In Klasics Augen duftet Istrien ganz besonders, vielleicht noch mehr als Dalmatien, wo im Sommer alles nur noch nach Hitze riecht. „Es sind nicht nur die aromatischen Kräuter, Rosmarin, Rhymian, Salbei, Lorbeer und Lavendel, die die Luft von Istrien so würzig machen…“

 


Unser Reiseschwerpunkt 2018:  Karpaten

Das Reisejahr 2018 steht ganz im Zeichen des großen osteuropäischen Gebirgszuges, der bereits wenige Kilometer hinter Wien beginnt.

Eine Siedlung im ukrainischen Rakhiv, in den Waldkarpaten
Eine Siedlung im ukrainischen Rakhiv, in den Waldkarpaten

Die Karpaten sind ein multinationales Territorium im östlichen Zentrum Europas. Eine terra incognita im Bewußtsein der meisten WesteuropäerInnen. Sie ziehen sich 1500km lang in einem Bogen von Hainburg, über die ganze Slowakei, Südpolen, die Ukraine, Rumänien und Ungarn. Alle fünf Anrainerstaaten der Karpaten haben drei auffällige Gemeinsamkeiten: sie gehörten vor 1918 zur multinationalen Monarchie Österreich-Ungarn, sie kamen allesamt nach 1945 in den Einflußbereich der siegreichen Sowjetunion und seit Jahrhunderten lebten hier bis zum Holocaust sehr viele Juden. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit haben sich die Karpaten sowohl landschaftlich als auch kulturell eine Ursprünglichkeit bewahrt, die es sonst in Europa kaum mehr gibt.

 

Wir begeben uns auf mehrere Reisen in ein ländlich-gebirgiges Europa, das uns endlos fremd erscheint und doch die gemeinsamen kulturellen und historischen Wurzeln spüren läßt...


Luberon - Wandelgänge durch das Herz der Provence

wo die Einsamkeit, die Weite des kargen Landes, aber auch das Mittelalter noch gegenwärtig ist


Bonnieux, Apt oder Saignon waren vor mehr als 900 Jahren wohlhabende Kleinstädte inmitten eines trockenen und kargen Landes. Zeugen dieser Zeit sind heute noch zahlreich erhalten. Wir wandelten durch das auf den zweiten Blick schon sehr abwechslungsreiche Südfrankreich. 

 


Rhodopen: Ein Geisterdorf erwacht

 In Bulgarien verlassen immer mehr Menschen die Dörfer und ziehen in die Städte oder ins Ausland. Auf unserer Reise durch die Rhodopen besuchten wir das Dorf Kosovo, in das wieder Leben kommt.

 


Wandern durch die bulgarischen Rhodopen

Wild und unberührt ist die Heimat des Orpheus, bewaldete Höhenzüge mit einer einmaligen Vielfalt an Flora und Fauna. Mit Ausnahme mancher Wintersportorte, wie Pamporovo oder Tschepelare, sind die Rhodopen touristisch noch kaum erschlossen unsere Reise dorthin war wie ein kleines Abenteuer.

 


Maramuresch - durch ein Land am Rande Europas

Zu Ostern 2017 bereisten wir die nordwestliche Region Rumäniens. Mit dem Zug fuhren wir über Debrecen nach Satu Mare und waren dann im Land unterwegs mit dem Bus. Wir machten Halt in der Verwaltungshauptstadt der Region  in Baia Mare, besuchten das Geburtshaus des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel in Sighet und und verbrachten fünf Nächte in Viseu de Sus - dem früheren Oberwischau - am Fuße der Waldkarpaten.

Wir wanderten durch sanfthügelige, kleinstrukturierte und deshalb sehr artenreiche Landschaften. Sahen viele Bauernhöfe, die heute noch traditionell bewirtschaftet werden, so wie bei uns in Mitteleuropa vor mehr als fünfzig Jahren. Doch der "Fortschritt" wird auch in dieser Region nicht Halt machen. Die Vorboten der Moderne sind bereits im Anmarsch: Landraub, illegaler Holzeinschlag auch unter tatkräftiger Beteiligung österreichischer Firmen, überall im Land grassiert das Müllproblem... Die jungen Menschen dieser Region reagieren auf ihre Art und kehren der Region in Scharen ihren Rücken.

Doch es gibt Hoffnung auf eine Kehrtwende. Menschen wie der Ranger des Naturparks Maramuresch - Anton Brenner - setzen sich in ihrer täglichen Arbeit ein für eine (über)lebenswerte Zukunft dieser Region an der Außengrenze des EU-Europas und zeigen, dass mit zivilgesellschaftlichen Engagement ein gutes Leben möglich ist.


Mit der Waldbahn durch das Wassertal in der Maramuresch

Seit Jahrhunderten prägt Holz das Leben in der nördlichen Maramuresch an der heutigen ukrainischen Grenze.  Ab 1770 wurden oberösterreichische Holzfäller und Handwerker an den Rand der Waldkarpaten angesiedelt, um den Holzreichtum für die österreichische Krone nutzbar zu machen. Noch heute fährt die Schmalspurbahn von Oberwischau /Viseu de Sus die 40 Kilometer ins Wassertal um Holzfäller und Baumstämme zu transportieren. Mehr über diese Region mit oberösterreichischem Einfluss in einer Bildreportage.


Auf winterlicher Spurensuche entlang der Maltsch im ehemaligen Niemandsland

Kein Ort an der oberösterreichisch-südböhmischen Grenze spiegelt mehr die wechsel- und leidvolle Geschichte beider Länder wider als der ehemalige Markt Zettwing/Cetviny an der Maltsch. Mehr

 


Durch die letzte Wildnis Österreichs

Im Sommer  besuchten wir das letzte Wildnisgebiet in Österreich, das im Südwesten Niederösterreichs liegt. Eine Bildreportage über den langen Atem der Natur.

Die Vielfalt moderner Architekturen in Rom

Wir besuchten Rom und staunten über die Vielfalt moderner Baukunst- und -kultur abseits der touristischen Pfade.  Infos zu den besichtigten Bauten.