Reisefeuilleton

Reportagen, Bildergalerien und Hintergrundinformationen zu interessanten Reisezielen.


Reisen nach Ende der Pandemie

wann werden wir wieder reisen können?

Reisen, wie wir es bis zum heurigen Februar kannten, wird wohl für längere Zeit nicht mehr möglich sein. Solange es keinen Impfstoff gegen Covid-19 gibt, werden wir nur unter vielen Auflagen unterwegs sein können. Ein Versuch eines Ausblicks auf das Reisen unter Corona-Schutz-Bedingungen mit einer Priese Hoffnung am Ende...

Venedig - wie auch viele andere liebgewonnenen Orte außerhalb Österreichs - werden wir eine Zeit lang nicht besuchen können
Venedig - wie auch viele andere liebgewonnenen Orte außerhalb Österreichs - werden wir eine Zeit lang nicht besuchen können

Social Distancing, Mund- und Nasenschutz tragen, Einschränkungen im Öffentlichen Verkehr und bei Restaurantbesuchen, BesucherInnenlimits bei Kultureinrichtungen und -veranstaltungen und vieles andere mehr wird in nächster Zeit nicht nur unseren Alltag, sondern auch unser Unterwegssein prägen. Auch die Planungssicherheit wird darunter leiden. Besuchte Länder oder Regionen könnten kurzfristig Einreiseverbote verhängen oder eine Rückreise aus einem anderen Land kann daheim überraschend mit einer Zwangsverlängerung des Urlaubs in Form einer mehrwöchigen Quarantäne enden.

 

Ein Unsicherheitsfaktor ist auch unsere eigene Gesundheit. Wir wissen nicht wann wir selbst oder unsere Mitreisenden die Krankheit bekommen. Wer an Corona erkrankt ist, kann keine Reise antreten, auch nicht die Heimreise am Urlaubsende.

 

Mit der Ansteckungsgefahr im Nacken wird vieles auf Reisen unattraktiv. Das fängt schon beim Frühstücksbuffet in der Unterkunft an. Auch ist Aprés-Ski und in die Hotelsauna gehen mit Social Distancing nicht wirklich vereinbar. Die Menschenmassen, etwa in Venedig, Barcelona oder Hallstatt, wird es so eine zeitlang nicht mehr geben. An den beliebtesten Sehenswürdigkeiten könnte es Quoten geben, um Menschenansammlungen zu verhindern.

 

Kulturfestivals mit Menschenmassen, Musikevents oder große Sportveranstaltungen wird es in den nächsten Jahren ebenso nicht mehr geben. Wie werden die Schutzhütten auf den Bergen und Jugendherbergen in den Städten mit ihren Mehrbettzimmern, Schlaflagern und Gemeinschaftsräumen nach Corona aussehen? Werden sie unter den verschärften Bedingungen überhaupt aufsperren können?

 

Der deutsche Virologe Christian Drosten sieht aber Licht am Ende des Tunnels. Er meint in einem ZIB 2 – Interview am 24. April, dass es nächstes Jahr um diese Zeit bereits einen oder mehrere Impfstoffe am Markt geben werde. Und dann könnte relativ rasch wieder der Alltag daheim, so wie wir ihn bis Februar 2020 kannten, zurückkehren.

 

Reisen wird bald möglich sein, aber mit großen Einschränkungen

Wie sich der Reisesektor – so wie wir ihn bis vor wenige Wochen kannten – über die Durststrecke hinüberretten wird, steht aber in den Sternen. Sollte es einen Impfstoff bereits nächstes Jahr geben, wird es weitere Monate dauern bis alle Reisebeschränkungen aufgehoben werden.

UrlauberInnen werden wahrscheinlich nicht zur ersten Zielgruppe zählen, die eine Impfung bekommen.

 

Das deutsche Kompetenzzentrum für Tourismus des Bundes hat verschiedene Szenarien aufgestellt, wie sich der Tourismus in Deutschland entwickeln wird. Ganz gut lassen sich die Szenarien auch auf die Situation in Österreich ausweiten.

Zunächst wird im heurigen Sommer langsam der Binnentourismus anlaufen, im Herbst könnten dann die ersten Nachbarländer bereist werden bzw. die Schengen-Mitgliedsländer. Danach folgen die restlichen EU-Länder. Solange es keinen Impfstoff gibt, wird der Reisealltag unter strengen Social-Distance-Auflagen mit massiven Beschränkungen in allen öffentlichen Bereichen ablaufen.

In einem vierten Schritt (wahrscheinlich nicht vor Frühjahr 2021)  könnten touristische Reisen in europäische Länder außerhalb der EU mit Auflagen freigegeben werden.  Erst ab Ende 2021 oder Frühjahr 2022 werden Reisen in andere Kontinente möglich sein, wahrscheinlich nur dann, wenn die Reisenden geimpft sind.

 

Was bedeutet die neue Situation für planetREISEN?

Wir sind ein kleiner Reiseverein mit geringen Fixkosten und haben keine langfristigen Verpflichtungen bzw. Verbindlichkeiten. Nach Beginn des Lockdown haben wir sofort unser Reiseprogramm ausgesetzt. Alle geplanten Auslandsreisen im heurigen Jahr haben wir abgesagt bzw. verschoben. Wir haben die Hotels und lokalen Leistungen meist ohne Probleme stornieren können und dadurch entstand uns und unseren Mitreisenden kein Verlust. Sobald Reisen für unsere Mitreisenden und uns unter den neuen Bedingungen erträglich und auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis tragfähig sind, werden wir zunächst die verschobenen Reisen durchführen. Wir gehen davon aus, dass die ersten Reisen nach Deutschland und Tschechien bereits im Herbst 2020 stattfinden können, Reisen nach Italien und in weitere EU-Länder erst ab Frühjahr 2021.

 

GEHzeiten und gemütliche Bergwanderungen bald möglich

Sobald die Bewegungsfreiheit in Österreich wiederhergestellt ist, schreiben wir erste eintägige GEHzeiten, Wanderungen und in Folge mehrtägige Reisen in Österreich aus. In der ersten Zeit werden wir nur Reisen ins Programm nehmen, wo wir viel draußen in der Natur sind oder in wenig frequentierten Städten. Wir werden zunächst in Oberösterreich beginnen und ausprobieren, wie sich mit den zu erwartenden Auflagen sinnvolle Touren machen lassen und werden sie dann Schritt für Schritt auf die anderen Bundesländer ausweiten. Unsere Terminplanung werden wir auch an die zukünftige Unsicherheit anpassen. So werden wir zunächst nur Termine längstens zwei Monate im Voraus auf unserer Homepage bzw. im Reiseletter bekanntgeben. Wir werden auch mit der Unsicherheit leben müssen, dass plötzliche Einschränkungen oder Besuchssperren den Reiseablauf kurzfristig verändern können.

 

Wir werden weiterhin unterwegs sein können, aber wahrscheinlich anders

Eines ist aber fix: So wie wir die Reisefreiheit bis vor kurzem noch kannten, wird sie nun eine zeitlang nicht mehr sein. Bleiben wird uns aber weiterhin die Sehnsucht, neue Orte, Landstriche, Kleinode und Kulturen zu entdecken und aufzubrechen ins Unbekannte. Die große Frage wird aber sein, WIE das Reisen in Zukunft stattfinden wird und WOHIN wir reisen werden. Vor allem besteht nach wie vor Hoffnung, dass sich danach eine andere, ökologischere, rücksichtsvollere und vielleicht auch langsamere Art des Reisens durchsetzen wird.

 

Wir werden dranbleiben!

 

Marco Vanek


Auf Besuch im ORF-Funkhaus

DAS radiohaus mit ablaufdatum

Wir besuchten das legendäre ORF-Funkhaus, das in Kürze nicht mehr die Heimstätte für den Sender Österreich 1 sein wird.

Es war einst das modernste Radiohaus Europas, das zwischen 1935 und 1938 nach Plänen der Architekten Hermann Aichinger und Heinrich Schmid erbaut wurde. Der Star-Architekt des Ständestaats, Clemens Holzmeister, übernahm die Planung und verpasste dem funktionalistischen Straßentrakt eine für das austrofaschistische Regime repräsentative, monumentale Front. Die Inbetriebnahme erfolgte 1938 durch die NS-Reichsrundfunkgesellschaft. Heute ist das Funkhaus der Sitz der ORF-Radios Ö1, des Radiosymphonieorchesters Wien sowie des ORF-Landesstudios Wien.

Der Große Sendesaal

„Die Musik-Studios: Das östlichste Einzelprojekt enthält allein den großen Aufnahmesaal für Symphoniekonzerte, Opern, und Operettenaufführungen, sowie seine Nebenräume. Der Saal ist akustisch für rund 100 Mitwirkende dimensioniert und kann gelegentlich auch bis zu 400 Zuhörer aufnehmen. Die Schallisolierung ist bei dieser Gruppe durch gesonderte Fundierung der Räume und durch 2 Korridore erreicht. Die akustische Innenausstattung der Räume ist aufgrund der für den Rundfunk modifizierten Watson’schen Kurven für die günstigste Nachhalldauer von Konzertsälen ermittelt. Die zur Erzielung der erwünschten Nachhallzeiten notwendigen Dämpfungseinheiten werden im großen Saal nahezu ausschließlich durch das Publikum, beziehungsweise bei leerem Saal durch die gepolsterten Sitzgelegenheiten erreicht.“ (aus  "profil - Österreichische Monatsschrift für bildende Kunst“, Ausgabe "Das neue Funkhaus", August 1935)

Noch heute sind die Sitze des Sendesaales des Wiener Funkhauses ob ihrer Bequemlichkeit legendär. In keinem Konzertsaal sitzt man so gut wie in diesem Saal. Und sei es, dass ganz praktische, akustische Überlegungen zu dieser Form der Sessel und auch zum Abstand der Sesselreihen geführt haben. Vom eigenen Studio werden noch immer Livesendungen aus dem Großen Sendesaal übertragen.

„Da bei gesprochenen Aufführungen durch den Fortfall jedweder Unterstützung durch die Sicht möglichste Silbenverständlichkeit Hauptbedingung ist, ist die Akustik dieser Räume auf kurze Nachhallzeit eingestellt. Der Raum besitzt veränderliche Dämpfungsvorrichtungen. Im Übrigen wird eventuell benötigter Nachhall künstlich durch 3 verschieden große 'Echoräume' erzeugt.“

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KulTOUR: Der Hände Werk

Alles mit der hand

Wir besuchten die aktuelle Ausstellung auf der Schallaburg bei Melk

Alles rund um das Werk der Hände dreht sich die aktuelle Ausstellung auf der Schallaburg. Die Kuratorin Katrin Ecker führte uns durch die gut aufbereitete Ausstellung, die einen umfassenden Blick auf die Welt des Handwerkes gibt.

„Zum einen wollen wir die Hand als etwas zeigen, was uns erst zum Menschen macht, was unser Menschsein ganz grundsätzlich ermöglicht und bestimmt. Zum anderen beschäftigt sich die Ausstellung mit der Geschichte des Handwerks; der Leitgedanke war, kostbare Objekte und altes Wissen wieder an die Oberfläche zu bringen und zugleich die Gegenwart hereinzuholen. Wir zeigen in der Ausstellung, dass Handwerk schon immer hochmodern und zukunftsbildend war. Unsere moderne Gesellschaft wäre ohne Handwerk nicht denkbar“, so die Kulturanthropologin Katrin Ecker, die die Schau gemeinsam mit Brigitte Felderer gestaltete.

 

Hände spielen in unserer Kulturgeschichte eine bedeutende Rolle!  Sie sind einfach faszinierend und sogleich Werkzeug unseres Alltags: was hat es mit einer Seidenstrickerei Marie Antoinettes auf sich? Warum ist der Blaudruck, eine jahrhundertalte Technik der Stoffveredelung, wieder modern? 

Wunderwerkzeug Hand.

Ein Tor aus Schmiedeeisen auf der Weltausstellung in Antwerpen 1898, die weltberühmten Sisi-Sterne als Meisterwerk österreichischer Juwelierkunst, ein aus dem Material Holz gefertigter Trolley bei einer Meisterprüfung oder eine 6 cm große spielbare Miniaturgeige aus Gold. Von Herbergs- und Tischzeichen, Zünften über Wanderjahre bis zu Let´s Walz. „Der Hände Werk“ beleuchtet die  gesellschaftliche Bedeutung des Zunftwesens bis zur Frage, welche Rolle unsere Hände in einem digitalen Zeitalter einnehmen. Gezeigt werden aber auch zeitgenössische Gebrauchsgüter, die aus Abfällen upgecycelt  oder eine Lampe bzw. ein Stuhl, die aus IKEA-Teilen neu gestaltet wurden. Bemerkenswert war die langwierige Handarbeit einer Wollabdeckung für Autoreifen. Wer noch nicht genug hatte, der konnte diverse Handwerksanleitungen von den jeweiligen Räumen mit nach Hause nehmen.

 

Die Ausstellung gibt einen guten Einblick in die Wunderkammer der Hände.  Die Sehnsucht analog, selbst tätig zu werden ist in unserer digitalen Welt groß. Hände sind einfach faszinierend und sogleich Werkzeug unseres Alltags. Wir haben uns vom Tun inspirieren lassen.

Die Ausstellung läuft noch bis 3. November. Näheres auf der Homepage der Schallaburg.


Wildnisgebiet Dürrenstein

der duft der wildnis

Die vielen liegenden Baumstämme sind von Moosen und Flechten bedeckt, aus diesen wiederum treiben kleine Buchen und Fichten aus und dazwischen wachsen Stauden und Farne. Wir haben auch den letzten Urwaldrest im  Alpenbogen besucht und etwas vom Duft der Wildnis gespürt.

Zu riechen gab es hier, wo alles auf allem wächst, einiges. Die vielen liegenden Baumstämme sind von Moosen und Flechten bedeckt, aus diesen wiederum treiben kleine Buchen und Fichten aus und dazwischen wachsen Stauden und Farne. Altersschwache, in sich zusammengestürzte Baumgestalten vermodern am feuchten Waldboden.

 

 Es riecht nach Pilz, nach Nadeln, holzig und harzig, nach frischem Humus, irgendwie grün. Groß, klein, dünn, dick, alt und jung, abgebrochen, vermodernd – eine unglaubliche Mischung an Holzgebilden, die sich da zeigt: Zerfranste Baumstammriesen bilden bizarre Formen, tief zerfurchte Rinden, die durch die vielen großen Baumschwämme aussehen wie verbeult, während Buchen, Fichten und Tannen meterhoch in den Himmel ragen und mit ihren Blättern und Nadeln dafür sorgen, dass es im Wald doch recht dunkel bleibt. Baumriesen werden hier bis zu 63 Meter hoch, erzählt uns Reinhard Peckny und rund sechs- bis siebenhundert Jahre alt. Totholz liegt und steht herum, es speichert Wasser und ist für die unterschiedlichsten Organismen lebenswichtig. So beherbergt ein toter Baum wesentlich mehr Lebewesen als ein lebender, 95 Prozent aller Fichten des Urwaldes wachsen daraus. Stirbt ein Baum – das Absterben dauert oft mehrere Jahre – gibt er Kohlenstoff an die jungen Bäume, die auf ihm wachsen, weiter. Kadaververjüngung nennt Peckny diesen Vorgang. Nachdem er abgestorben ist, steht der Baum meist bis zu hundert Jahre weiter da. Und an die tausend Jahre dauert es, bis er ganz verschwunden ist....

Ein Streit zwischen drei Klöster war ausschlaggebend, wieso ein Teil des Waldgebiets am Fuße des Dürrensteins nie abgeholzt wurde. Nach dem der späterer Besitzer Albert Rothschild dieses Waldstück ebenfalls im Urzustand beließ, bleib der Rothwald die letzte größere Waldfläche in Österreich, die als Urwald bezeichnet werden kann. Immerhin vier Quadratkilometer groß ist sie und heute Kernstück des Wildnisgebietes, das zur Zeit noch 35 Quadratkilometer umfasst. Im Oktober 2019 haben wir wieder Gelegenheit bekommen ein Stück hinein in den Urwald zu gehen.

 

Nur etwa 500 Menschen im Jahr ist es erlaubt, niederösterreichische Urwaldluft zu schnuppern. Denn dieses Gebiet steht unter der höchsten Schutzstufe und darf nur von einer limitierten Anzahl von Menschen betreten werden. Alle paar Jahre bekommen wir die Genehmigung dafür in Begleitung eines Rangers des Gebiet zu betreten.

 

Bereits 1875 stellte Albert Rothschild den, nach ihm benannten, Wald im Wildnisgebiet Dürrenstein unter Schutz vor jeglichem menschlichen Eingriff. Schon damals erkannte Rothschild, wie wichtig es ist, die Natur von Eingriff und Zerstörung zu schützen. Bäume, Sträucher und Pflanzen wachsen hier seit nahezu 12.000 Jahren in ihrer natürlichen ursprünglichen Form und das komplette Ökosystem regelt sich ohne Eingriff des Menschen von selbst. Es wird kein bestimmter Zustand konserviert, sondern die natürlichen Prozesse dürfen und sollen weitestgehend ohne Einfluss des Menschen ablaufen. Seit 2017 gehören 50 Prozent des gesamten Wildnisgebietes Dürrenstein zum UNESCO Weltnaturerbe.

Zunächst streiften wir durch ein benachbarten Waldstück, das seit der Eiszeit nur ein Mal – das war vor etwa 300 Jahren – bewirtschaftet wurde. Unser Begleiter Reinhard Peckny sprach von der „ersten Generation nach dem Urwald“. Schon in diesem „Fast-Urwald“ bekamen wir eine erste Vorstellung, was Urwald eigentlich ist und welche Dynamiken sich abspielen. 

 

Info zum Wildnisgebiet Dürrenstein

Blick auf einen Teil des Wildnisgebietes Dürrenstein
Blick auf einen Teil des Wildnisgebietes Dürrenstein

Fläche und Lebensräume:

Derzeit insgesamt 35 km2, davon 4 km2 Urwald, 25 km2 naturnahe Wälder, 6 km2 Almen, alpine Rasen, Gewässer, Fels. 2/3 der Fläche wurden von den Österreichischen Bundesforsten und 1/3 von der Forstverwaltung Langau eingebracht. Das Schutzgebiet erstreckt sich zwischen 600 und 1878 m Seehöhe. Der Dürrenstein in den Ybbstaler Alpen ist die höchste Erhebung.

 

Prozessschutz und Nicht-Eingriff:

88% der Fläche sind Naturzone ohne menschlichen Eingriff. Hier wird die natürliche Prozessdynamik zugelassen, der Mensch ist nur Beobachter und Gast. Unser Motto: „Wildnis bewahren und sekundäre Wildnis wieder entstehen lassen“.

 

Urwald Rothwald:

Das 4 Quadratmeter große Herz des Wildnisgebietes Dürrenstein ist eine Primärwildnis und der letzte große Urwaldrest des Alpenbogens (montaner Bergmischwald mit ca. ⅓ Rotbuche, ⅓ Tanne und ⅓ Fichte). Durch Pollenanalysen aus Bodenproben wurde der Urwaldcharakter wissenschaftlich bestätigt. Der Zutritt ist reglementiert und auch die Forschung unterliegt strengen Auflagen. Highlights: • Große Mengen an Totholz. Im Rothwald ca. 300 Vorratsfestmeter Totholz – dem stehen 1100 bis 1200 Vorratsfestmeter Lebendholz gegenüber, d.h. das Verhältnis ist etwa 1:4. • Im Urwald erreichen die Bäume ihr natürliches Maximalalter: Fichten & Tannen bis 600 Jahre, Buchen bis 450 Jahre. Es gibt einzelne „Greise“ unter den langlebigen Eiben und Tannen, die um die 1000 Jahre alt sind.

Hohe Artenvielfalt vor allem bei Organismengruppen, die mit Totholz verknüpft sind (Pilze, Moose, Flechten, xylobionte Käfer…), z.B. ca. 800 Pilzarten, 280 Moosarten. •Außerdem 70 Vogelarten (davon fünf Specht- und vier Raufußhuhnarten), 45 Säugetierarten, durchziehende Luchse, brütende Steinadler, wiederangesiedelte Habichtskäuze. Früher gab es Braunbären im Gebiet, zuletzt 2010. (Quelle: Eckdaten des Wildnisgebietes, Stand 2017.)

 

Fotos und Text: Marco Vanek

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Lesachtal

Auf Besuch in der Slow-Region

War es die große Abgeschiedenheit oder die Mentalität der Menschen, die hier ein weites Stück Landschaft relativ naturbelassen ließ. Hier geht es spürbar langsamer zu als weiter draußen in der Stadt.

Ende Oktober 2018 wütete ein Sturm im Lesachtal. Die Aufarbeitung der Schäden am Wald dauert während unseres Besuchs noch an.
Ende Oktober 2018 wütete ein Sturm im Lesachtal. Die Aufarbeitung der Schäden am Wald dauert während unseres Besuchs noch an.

Wir besuchten die letzten Tage das obere Lesachtal, ein paar Kilometer von Osttirol, aber auch von der italienischen Grenze entfernt. Wir trafen dabei interessante Menschen, die uns Einblicke gaben in ihren Alltag und ihre Visionen.

 

 

Der Wanderhotelbetrieber und Chef des örtlichen Tourismusverbandes Nikolaus Lanner, erzählte uns wie der Slow-Food-Gedanke Einzug in die örtliche Wirtschaft fand. So initiierte der Wanderniki, wie er sich nennt, den Brot- und Morenenweg, auf den verschiedene lokale Produkte erwandert werden können. Mehr.

 

Näheres zum Brot- und Morendenweg.

 

 

 

 

 

 

Vorbildhaft auch das Leben der Familie Stabentheiner, die hoch oben am Hang einen Biobauernhof mit ein paar Gastzimmern betriebt und zeigt wie die drei am Hof lebenden Generationen gemeinsam Land-, Forst und Gastwirtschaft unter einem Hut gebracht werden kann. Mehr

 

 

 

 

Wir trafen auch Othmar Oberluggauer, dem Obmann des örtlichen Bienenzuchtvereins, der einen Bienenlehrpfad aufgebaut hat und uns in die besonderen Geheimnisse der Imkerei im Lesachtal einführte.

Nähere Infos zum Bienenlehrpfad

Foto: Hepilodge
Foto: Hepilodge

 

 

 

Aufgefallen ist uns, dass verhältnismäßig viele junge Menschen im Tal geblieben sind, weil sie hier Erwerbseinkommen gefunden haben. Etwa Helene Windbichler und Josef Klingesberger von der Hepilodge. Sie vermieten nicht nur in ihrem Haus liebevoll renovierte und eingerichtete Appartements, sondern tüfteln auch an Projekten, die den sanften Tourismus im Tal voranbringen sollen.

Mehr Infos über das Basecamp für alle OutdoorfreundInnen: 

Allen Menschen, die wir getroffen haben, eint die Gelassenheit, mit der sie die Jahreszeiten in das Tal ziehen lassen und das Vertrauen darauf, dass Engagement und Innovationsgeist auch neue Wege eröffnen. Allen ist auch bewusst, wie fragil hier oben das Gleichgewicht der Natur ist.

Regionen, wie das Lesachtal sind heute in Zeiten des Massentourismus rar geworden. Umso mehr steigt der Wert dieser Naturbelassenheit, umso mehr die Wichtigkeit, solche Orte zu bewahren und mit Hilfe eines sanften Tourismus zu stärken. Die Slow Food Bewegung, aber auch der Alpenverein versuchen mit ihren Projekten des sanften Tourismus die Natürlichkeit und Einzigartigkeit dieses Lebensraums zu bewahren.

 

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Unser Reiseschwerpunkt 2018:  Karpaten

Das Reisejahr 2018 steht ganz im Zeichen des großen osteuropäischen Gebirgszuges, der bereits wenige Kilometer hinter Wien beginnt.

Eine Siedlung im ukrainischen Rakhiv, in den Waldkarpaten
Eine Siedlung im ukrainischen Rakhiv, in den Waldkarpaten

Die Karpaten sind ein multinationales Territorium im östlichen Zentrum Europas. Eine terra incognita im Bewußtsein der meisten WesteuropäerInnen. Sie ziehen sich 1500km lang in einem Bogen von Hainburg, über die ganze Slowakei, Südpolen, die Ukraine, Rumänien und Ungarn. Alle fünf Anrainerstaaten der Karpaten haben drei auffällige Gemeinsamkeiten: sie gehörten vor 1918 zur multinationalen Monarchie Österreich-Ungarn, sie kamen allesamt nach 1945 in den Einflußbereich der siegreichen Sowjetunion und seit Jahrhunderten lebten hier bis zum Holocaust sehr viele Juden. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit haben sich die Karpaten sowohl landschaftlich als auch kulturell eine Ursprünglichkeit bewahrt, die es sonst in Europa kaum mehr gibt.

 

Wir begeben uns auf mehrere Reisen in ein ländlich-gebirgiges Europa, das uns endlos fremd erscheint und doch die gemeinsamen kulturellen und historischen Wurzeln spüren läßt...


Luberon - Wandelgänge durch das Herz der Provence

wo die Einsamkeit, die Weite des kargen Landes, aber auch das Mittelalter noch gegenwärtig ist


Bonnieux, Apt oder Saignon waren vor mehr als 900 Jahren wohlhabende Kleinstädte inmitten eines trockenen und kargen Landes. Zeugen dieser Zeit sind heute noch zahlreich erhalten. Wir wandelten durch das auf den zweiten Blick schon sehr abwechslungsreiche Südfrankreich. 

 


Rhodopen: Ein Geisterdorf erwacht

 In Bulgarien verlassen immer mehr Menschen die Dörfer und ziehen in die Städte oder ins Ausland. Auf unserer Reise durch die Rhodopen besuchten wir das Dorf Kosovo, in das wieder Leben kommt.

 


Wandern durch die bulgarischen Rhodopen

Wild und unberührt ist die Heimat des Orpheus, bewaldete Höhenzüge mit einer einmaligen Vielfalt an Flora und Fauna. Mit Ausnahme mancher Wintersportorte, wie Pamporovo oder Tschepelare, sind die Rhodopen touristisch noch kaum erschlossen unsere Reise dorthin war wie ein kleines Abenteuer.

 


Maramuresch - durch ein Land am Rande Europas

Zu Ostern 2017 bereisten wir die nordwestliche Region Rumäniens. Mit dem Zug fuhren wir über Debrecen nach Satu Mare und waren dann im Land unterwegs mit dem Bus. Wir machten Halt in der Verwaltungshauptstadt der Region  in Baia Mare, besuchten das Geburtshaus des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel in Sighet und und verbrachten fünf Nächte in Viseu de Sus - dem früheren Oberwischau - am Fuße der Waldkarpaten.

Wir wanderten durch sanfthügelige, kleinstrukturierte und deshalb sehr artenreiche Landschaften. Sahen viele Bauernhöfe, die heute noch traditionell bewirtschaftet werden, so wie bei uns in Mitteleuropa vor mehr als fünfzig Jahren. Doch der "Fortschritt" wird auch in dieser Region nicht Halt machen. Die Vorboten der Moderne sind bereits im Anmarsch: Landraub, illegaler Holzeinschlag auch unter tatkräftiger Beteiligung österreichischer Firmen, überall im Land grassiert das Müllproblem... Die jungen Menschen dieser Region reagieren auf ihre Art und kehren der Region in Scharen ihren Rücken.

Doch es gibt Hoffnung auf eine Kehrtwende. Menschen wie der Ranger des Naturparks Maramuresch - Anton Brenner - setzen sich in ihrer täglichen Arbeit ein für eine (über)lebenswerte Zukunft dieser Region an der Außengrenze des EU-Europas und zeigen, dass mit zivilgesellschaftlichen Engagement ein gutes Leben möglich ist.


Mit der Waldbahn durch das Wassertal in der Maramuresch

Seit Jahrhunderten prägt Holz das Leben in der nördlichen Maramuresch an der heutigen ukrainischen Grenze.  Ab 1770 wurden oberösterreichische Holzfäller und Handwerker an den Rand der Waldkarpaten angesiedelt, um den Holzreichtum für die österreichische Krone nutzbar zu machen. Noch heute fährt die Schmalspurbahn von Oberwischau /Viseu de Sus die 40 Kilometer ins Wassertal um Holzfäller und Baumstämme zu transportieren. Mehr über diese Region mit oberösterreichischem Einfluss in einer Bildreportage.


Auf winterlicher Spurensuche entlang der Maltsch im ehemaligen Niemandsland

Kein Ort an der oberösterreichisch-südböhmischen Grenze spiegelt mehr die wechsel- und leidvolle Geschichte beider Länder wider als der ehemalige Markt Zettwing/Cetviny an der Maltsch. Mehr

 


Durch die letzte Wildnis Österreichs

Im Sommer  besuchten wir das letzte Wildnisgebiet in Österreich, das im Südwesten Niederösterreichs liegt. Eine Bildreportage über den langen Atem der Natur.

Die Vielfalt moderner Architekturen in Rom

Wir besuchten Rom und staunten über die Vielfalt moderner Baukunst- und -kultur abseits der touristischen Pfade.  Infos zu den besichtigten Bauten.