Reisefeuilleton

Reportagen, Bildergalerien und Hintergrundinformationen zu interessanten Reisezielen.


KulTOUR: Der Hände Werk

Alles mit der hand

Wir besuchten die aktuelle Ausstellung auf der Schallaburg bei Melk

Alles rund um das Werk der Hände dreht sich die aktuelle Ausstellung auf der Schallaburg. Die Kuratorin Katrin Ecker führte uns durch die gut aufbereitete Ausstellung, die einen umfassenden Blick auf die Welt des Handwerkes gibt.

„Zum einen wollen wir die Hand als etwas zeigen, was uns erst zum Menschen macht, was unser Menschsein ganz grundsätzlich ermöglicht und bestimmt. Zum anderen beschäftigt sich die Ausstellung mit der Geschichte des Handwerks; der Leitgedanke war, kostbare Objekte und altes Wissen wieder an die Oberfläche zu bringen und zugleich die Gegenwart hereinzuholen. Wir zeigen in der Ausstellung, dass Handwerk schon immer hochmodern und zukunftsbildend war. Unsere moderne Gesellschaft wäre ohne Handwerk nicht denkbar“, so die Kulturanthropologin Katrin Ecker, die die Schau gemeinsam mit Brigitte Felderer gestaltete.

 

Hände spielen in unserer Kulturgeschichte eine bedeutende Rolle!  Sie sind einfach faszinierend und sogleich Werkzeug unseres Alltags: was hat es mit einer Seidenstrickerei Marie Antoinettes auf sich? Warum ist der Blaudruck, eine jahrhundertalte Technik der Stoffveredelung, wieder modern? 

Wunderwerkzeug Hand.

Ein Tor aus Schmiedeeisen auf der Weltausstellung in Antwerpen 1898, die weltberühmten Sisi-Sterne als Meisterwerk österreichischer Juwelierkunst, ein aus dem Material Holz gefertigter Trolley bei einer Meisterprüfung oder eine 6 cm große spielbare Miniaturgeige aus Gold. Von Herbergs- und Tischzeichen, Zünften über Wanderjahre bis zu Let´s Walz. „Der Hände Werk“ beleuchtet die  gesellschaftliche Bedeutung des Zunftwesens bis zur Frage, welche Rolle unsere Hände in einem digitalen Zeitalter einnehmen. Gezeigt werden aber auch zeitgenössische Gebrauchsgüter, die aus Abfällen upgecycelt  oder eine Lampe bzw. ein Stuhl, die aus IKEA-Teilen neu gestaltet wurden. Bemerkenswert war die langwierige Handarbeit einer Wollabdeckung für Autoreifen. Wer noch nicht genug hatte, der konnte diverse Handwerksanleitungen von den jeweiligen Räumen mit nach Hause nehmen.

 

Die Ausstellung gibt einen guten Einblick in die Wunderkammer der Hände.  Die Sehnsucht analog, selbst tätig zu werden ist in unserer digitalen Welt groß. Hände sind einfach faszinierend und sogleich Werkzeug unseres Alltags. Wir haben uns vom Tun inspirieren lassen.

Die Ausstellung läuft noch bis 3. November. Näheres auf der Homepage der Schallaburg.


Wildnisgebiet Dürrenstein

der duft der wildnis

Die vielen liegenden Baumstämme sind von Moosen und Flechten bedeckt, aus diesen wiederum treiben kleine Buchen und Fichten aus und dazwischen wachsen Stauden und Farne. Wir haben auch den letzten Urwaldrest im  Alpenbogen besucht und etwas vom Duft der Wildnis gespürt.

Zu riechen gab es hier, wo alles auf allem wächst, einiges. Die vielen liegenden Baumstämme sind von Moosen und Flechten bedeckt, aus diesen wiederum treiben kleine Buchen und Fichten aus und dazwischen wachsen Stauden und Farne. Altersschwache, in sich zusammengestürzte Baumgestalten vermodern am feuchten Waldboden.

 

 Es riecht nach Pilz, nach Nadeln, holzig und harzig, nach frischem Humus, irgendwie grün. Groß, klein, dünn, dick, alt und jung, abgebrochen, vermodernd – eine unglaubliche Mischung an Holzgebilden, die sich da zeigt: Zerfranste Baumstammriesen bilden bizarre Formen, tief zerfurchte Rinden, die durch die vielen großen Baumschwämme aussehen wie verbeult, während Buchen, Fichten und Tannen meterhoch in den Himmel ragen und mit ihren Blättern und Nadeln dafür sorgen, dass es im Wald doch recht dunkel bleibt. Baumriesen werden hier bis zu 63 Meter hoch, erzählt uns Reinhard Peckny und rund sechs- bis siebenhundert Jahre alt. Totholz liegt und steht herum, es speichert Wasser und ist für die unterschiedlichsten Organismen lebenswichtig. So beherbergt ein toter Baum wesentlich mehr Lebewesen als ein lebender, 95 Prozent aller Fichten des Urwaldes wachsen daraus. Stirbt ein Baum – das Absterben dauert oft mehrere Jahre – gibt er Kohlenstoff an die jungen Bäume, die auf ihm wachsen, weiter. Kadaververjüngung nennt Peckny diesen Vorgang. Nachdem er abgestorben ist, steht der Baum meist bis zu hundert Jahre weiter da. Und an die tausend Jahre dauert es, bis er ganz verschwunden ist....

Ein Streit zwischen drei Klöster war ausschlaggebend, wieso ein Teil des Waldgebiets am Fuße des Dürrensteins nie abgeholzt wurde. Nach dem der späterer Besitzer Albert Rothschild dieses Waldstück ebenfalls im Urzustand beließ, bleib der Rothwald die letzte größere Waldfläche in Österreich, die als Urwald bezeichnet werden kann. Immerhin vier Quadratkilometer groß ist sie und heute Kernstück des Wildnisgebietes, das zur Zeit noch 35 Quadratkilometer umfasst. Im Oktober 2019 haben wir wieder Gelegenheit bekommen ein Stück hinein in den Urwald zu gehen.

 

Nur etwa 500 Menschen im Jahr ist es erlaubt, niederösterreichische Urwaldluft zu schnuppern. Denn dieses Gebiet steht unter der höchsten Schutzstufe und darf nur von einer limitierten Anzahl von Menschen betreten werden. Alle paar Jahre bekommen wir die Genehmigung dafür in Begleitung eines Rangers des Gebiet zu betreten.

 

Bereits 1875 stellte Albert Rothschild den, nach ihm benannten, Wald im Wildnisgebiet Dürrenstein unter Schutz vor jeglichem menschlichen Eingriff. Schon damals erkannte Rothschild, wie wichtig es ist, die Natur von Eingriff und Zerstörung zu schützen. Bäume, Sträucher und Pflanzen wachsen hier seit nahezu 12.000 Jahren in ihrer natürlichen ursprünglichen Form und das komplette Ökosystem regelt sich ohne Eingriff des Menschen von selbst. Es wird kein bestimmter Zustand konserviert, sondern die natürlichen Prozesse dürfen und sollen weitestgehend ohne Einfluss des Menschen ablaufen. Seit 2017 gehören 50 Prozent des gesamten Wildnisgebietes Dürrenstein zum UNESCO Weltnaturerbe.

Zunächst streiften wir durch ein benachbarten Waldstück, das seit der Eiszeit nur ein Mal – das war vor etwa 300 Jahren – bewirtschaftet wurde. Unser Begleiter Reinhard Peckny sprach von der „ersten Generation nach dem Urwald“. Schon in diesem „Fast-Urwald“ bekamen wir eine erste Vorstellung, was Urwald eigentlich ist und welche Dynamiken sich abspielen. 

 

Info zum Wildnisgebiet Dürrenstein

Blick auf einen Teil des Wildnisgebietes Dürrenstein
Blick auf einen Teil des Wildnisgebietes Dürrenstein

Fläche und Lebensräume:

Derzeit insgesamt 35 km2, davon 4 km2 Urwald, 25 km2 naturnahe Wälder, 6 km2 Almen, alpine Rasen, Gewässer, Fels. 2/3 der Fläche wurden von den Österreichischen Bundesforsten und 1/3 von der Forstverwaltung Langau eingebracht. Das Schutzgebiet erstreckt sich zwischen 600 und 1878 m Seehöhe. Der Dürrenstein in den Ybbstaler Alpen ist die höchste Erhebung.

 

Prozessschutz und Nicht-Eingriff:

88% der Fläche sind Naturzone ohne menschlichen Eingriff. Hier wird die natürliche Prozessdynamik zugelassen, der Mensch ist nur Beobachter und Gast. Unser Motto: „Wildnis bewahren und sekundäre Wildnis wieder entstehen lassen“.

 

Urwald Rothwald:

Das 4 Quadratmeter große Herz des Wildnisgebietes Dürrenstein ist eine Primärwildnis und der letzte große Urwaldrest des Alpenbogens (montaner Bergmischwald mit ca. ⅓ Rotbuche, ⅓ Tanne und ⅓ Fichte). Durch Pollenanalysen aus Bodenproben wurde der Urwaldcharakter wissenschaftlich bestätigt. Der Zutritt ist reglementiert und auch die Forschung unterliegt strengen Auflagen. Highlights: • Große Mengen an Totholz. Im Rothwald ca. 300 Vorratsfestmeter Totholz – dem stehen 1100 bis 1200 Vorratsfestmeter Lebendholz gegenüber, d.h. das Verhältnis ist etwa 1:4. • Im Urwald erreichen die Bäume ihr natürliches Maximalalter: Fichten & Tannen bis 600 Jahre, Buchen bis 450 Jahre. Es gibt einzelne „Greise“ unter den langlebigen Eiben und Tannen, die um die 1000 Jahre alt sind.

Hohe Artenvielfalt vor allem bei Organismengruppen, die mit Totholz verknüpft sind (Pilze, Moose, Flechten, xylobionte Käfer…), z.B. ca. 800 Pilzarten, 280 Moosarten. •Außerdem 70 Vogelarten (davon fünf Specht- und vier Raufußhuhnarten), 45 Säugetierarten, durchziehende Luchse, brütende Steinadler, wiederangesiedelte Habichtskäuze. Früher gab es Braunbären im Gebiet, zuletzt 2010. (Quelle: Eckdaten des Wildnisgebietes, Stand 2017.)

 

Fotos und Text: Marco Vanek

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Lesachtal

Auf Besuch in der Slow-Region

War es die große Abgeschiedenheit oder die Mentalität der Menschen, die hier ein weites Stück Landschaft relativ naturbelassen ließ. Hier geht es spürbar langsamer zu als weiter draußen in der Stadt.

Ende Oktober 2018 wütete ein Sturm im Lesachtal. Die Aufarbeitung der Schäden am Wald dauert während unseres Besuchs noch an.
Ende Oktober 2018 wütete ein Sturm im Lesachtal. Die Aufarbeitung der Schäden am Wald dauert während unseres Besuchs noch an.

Wir besuchten die letzten Tage das obere Lesachtal, ein paar Kilometer von Osttirol, aber auch von der italienischen Grenze entfernt. Wir trafen dabei interessante Menschen, die uns Einblicke gaben in ihren Alltag und ihre Visionen.

 

 

Der Wanderhotelbetrieber und Chef des örtlichen Tourismusverbandes Nikolaus Lanner, erzählte uns wie der Slow-Food-Gedanke Einzug in die örtliche Wirtschaft fand. So initiierte der Wanderniki, wie er sich nennt, den Brot- und Morenenweg, auf den verschiedene lokale Produkte erwandert werden können. Mehr.

 

Näheres zum Brot- und Morendenweg.

 

 

 

 

 

 

Vorbildhaft auch das Leben der Familie Stabentheiner, die hoch oben am Hang einen Biobauernhof mit ein paar Gastzimmern betriebt und zeigt wie die drei am Hof lebenden Generationen gemeinsam Land-, Forst und Gastwirtschaft unter einem Hut gebracht werden kann. Mehr

 

 

 

 

Wir trafen auch Othmar Oberluggauer, dem Obmann des örtlichen Bienenzuchtvereins, der einen Bienenlehrpfad aufgebaut hat und uns in die besonderen Geheimnisse der Imkerei im Lesachtal einführte.

Nähere Infos zum Bienenlehrpfad

Foto: Hepilodge
Foto: Hepilodge

 

 

 

Aufgefallen ist uns, dass verhältnismäßig viele junge Menschen im Tal geblieben sind, weil sie hier Erwerbseinkommen gefunden haben. Etwa Helene Windbichler und Josef Klingesberger von der Hepilodge. Sie vermieten nicht nur in ihrem Haus liebevoll renovierte und eingerichtete Appartements, sondern tüfteln auch an Projekten, die den sanften Tourismus im Tal voranbringen sollen.

Mehr Infos über das Basecamp für alle OutdoorfreundInnen: 

Allen Menschen, die wir getroffen haben, eint die Gelassenheit, mit der sie die Jahreszeiten in das Tal ziehen lassen und das Vertrauen darauf, dass Engagement und Innovationsgeist auch neue Wege eröffnen. Allen ist auch bewusst, wie fragil hier oben das Gleichgewicht der Natur ist.

Regionen, wie das Lesachtal sind heute in Zeiten des Massentourismus rar geworden. Umso mehr steigt der Wert dieser Naturbelassenheit, umso mehr die Wichtigkeit, solche Orte zu bewahren und mit Hilfe eines sanften Tourismus zu stärken. Die Slow Food Bewegung, aber auch der Alpenverein versuchen mit ihren Projekten des sanften Tourismus die Natürlichkeit und Einzigartigkeit dieses Lebensraums zu bewahren.

 

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Schottische Highlands

Die Magie einer Landschaft

Schottland hat viel unberührte Natur, geradezu magisch wirkende Landschaften. Wir haben im Sommer 2019 die südlichen und mittleren Highlands besucht.

In den Weiten der Highlands trifft man kaum auf eine Menschenseele. Stattdessen beherrschen eine romantische Bergwelt, lauschige Täler, canyonartige Schluchten, Wälder und verwunschen wirkende Seen die Szenerie. Nur einmal diese Region für ein bis zwei Wochen zu besuchen, scheint aber zu wenig zu sein. So vielfältig sind die verschiedenen Teil dieser weitläufigen Landschaft.

 Auf unserer großen Sommerreise haben wir uns Inverness und die südlichen Ausläufer des großen schottischen Gebirges in der Region Perthshire näher unter die Lupe genommen.

Italiens Kleinstädte

Warum Italiens Kleinstädte ihre Identität verlieren

Das Herz Italiens ist in Gefahr, schrieb kürzlich der italienische Politikwissenschafter Marco Damiani, als er den Strukturwandel in den kleineren Städten unter die Lupe nahm.

In der kleinen Altstadt von Vigoleno in der Emilia-Romagna wohnen gerade noch sieben Menschen
In der kleinen Altstadt von Vigoleno in der Emilia-Romagna wohnen gerade noch sieben Menschen

So wie viele andere Kleinstädte in Mittelitalien ist Spello eine wunderschöne Stadt. So liegt die Altstadt auf einem Hügel, rundherum gepflegte Kulturlandschaft. Doch auch diese Stadt ist, ähnlich wie Rom, Florenz oder Venedig, in ihrer jahrhundertealten Identität gefährdet.

 

Ihre Zerbrechlichkeit macht sie schön, schreibt Damiani, aber ihre Schönheit muss ständig gepflegt und gehegt werden. Doch seit ein paar Jahrzehnten ziehen immer mehr Menschen aus diesen Städten weg. Sie versuchen ihr Glück im Ausland und kommen nur mehr zu den Hochfesten wie Weihnachten, Ostern zurück. Einen zweiten Grund für die Abwanderung sieht Damiani in der zunehmenden Bequemlichkeit seiner BewohnerInnen. Schon in den 60er Jahren haben die ersten ihre alten Häuser im Stadtzentrum verlassen, um am Stadtrand neue Behausungen zu bauen. Die alten Häuser liegen meist am Hügel, sind mit dem Auto meist nicht zu erreichen, es gibt keine Garagen, keine Gärten bei den Häusern, oft auch kein fließendes Wasser. Die alten Steinhäuser liegen weit weg von Einkaufszentren, die in den letzten Jahrzehnten wegen der vielen Vorstadtsiedlungen dorthin gebaut wurden.

 

In den letzten Jahren kam noch ein weiterer Trend dazu, der die Abwanderung beschleunigte. Die Tourismusindustrie sucht laufend neue Verwertungsmöglichkeiten und zerstört dabei jene Schätze, von der sie eigentlich profitieren möchte. Sobald die einheimischen BewohnerInnen aus den alten Steinhäusern ausgezogen sind, kommen die Makler und vermitteln sie an kaufkräftige Kundschaft aus Nordamerika oder Westeuropa. Die Preise schießen in die Höhe, was dazu führt, dass Einheimische nun tatsächlich gute Gründe haben, die Stadtzentren zu verlassen. Der Teufelskreis setzt sich weiter fort: die Geschäfte für den täglichen Bedarf sperren zu, Souvenir- und Kunsthandwerksläden übernehmen die alten Geschäftslokale. Schön langsam fühlen sich die Einheimischen in ihrer eigenen Stadt als Gäste, wenn sie außer Wasserflaschen und etwa den sündteuren Wurstspezialitäten nichts mehr finden, was sie für den Alltag brauchen.

In vielen dieser Städte gab es schließlich Debatten in den Gemeinderäten, ob nicht auch Schulen, Kindergärten, die Gemeindeverwaltungen und andere öffentliche Einrichtungen aus der Altstadt abgesiedelt werden sollen, weil nun die Wohnquartiere der meisten BewohnerInnen außerhalb des alten Stadtzentrums liegen. 

In der Altstadt von Spello gibt es längst mehr Souvenir- als Lebensmittelläden
In der Altstadt von Spello gibt es längst mehr Souvenir- als Lebensmittelläden

Alle diese Entwicklungen bedeuten für Damiani, dass ein alter, lebendiger, genutzter und abgenutzter Organismus, ein komplexes, künstlerisches Gebilde auf eine rein kommerzielle und akademische Dimension reduziert wird. Davon profitieren aber nicht viele. Die, die dort noch Stellung halten, haben von diesen Entwicklungen am wenigsten davon. Sie bieten höchstens kostenlose Staffage fürs Business.

Diese Entwicklung wird sich solange fortsetzen, bis der Marktlogik ein politischer Veränderungswille gegenübergestellt wird, ist Damiani überzeugt. Wenn es so weitergeht, wird der Reichtum der kleinen Städte nur mehr wenigen zur Verfügung stehen, die sich diesen kulturellen Schatz gönnen. Dann finden in diesen Städten keine realen Begegnungen mehr statt. Statt Lebensorten wird es Geisterstädte geben.

Reiche aus dem Norden renovieren zwar die historische Substanz in den Zentren der italienischen Kleinstädte. Doch diese entwickeln sich aber schön langsam in Geisterstädte ohne Leben

 

Kann ein nachhaltiger, ein sanfter Tourismus diese Zerstörung der jahrhundertealten Kultur stoppen? Für Damiani liegt es an den Stadtverwaltungen, sich aktiv in die Entwicklungen einzuschalten und die Transformation selbst zu gestalten. Die BesucherInnen müssen zur Ressource für die Mehrheit der Autochthonen werden und dürfen nicht zu ihrer Verdrängung führen. Skeptisch ist Damiani, ob die zurzeit herrschende politische Klasse es schafft, diesen zerstörerischen Entwicklungen einen Riegel vorzuschieben.

 

Zu Marco Damiani: geboren 1973, lehrt Politikwissenschaften an der universität Perugia. Er forscht zu Parteien, zum Populismusbegriff und vor allem zu den linken Gruppierungen in Europa. Der Beitrag in voller Länger, erschienen am 23.7.19 in der taz.

 

Zu Spello: die Kleinstadt in Umbrien liegt etwa 30km von Perugia entfernt,  hatte 2017  im ganzen Stadtgebiet etwa 8500 EinwohnerInnen, in den historischen Teilen wohnten gerade noch 500 Menschen. Die Stadt ist Mitglied der Vereinigung I borghi più belli d’Italia (Die schönsten Orte Italiens).

 

Text: Marco Vanek



Unser Reiseschwerpunkt 2018:  Karpaten

Das Reisejahr 2018 steht ganz im Zeichen des großen osteuropäischen Gebirgszuges, der bereits wenige Kilometer hinter Wien beginnt.

Eine Siedlung im ukrainischen Rakhiv, in den Waldkarpaten
Eine Siedlung im ukrainischen Rakhiv, in den Waldkarpaten

Die Karpaten sind ein multinationales Territorium im östlichen Zentrum Europas. Eine terra incognita im Bewußtsein der meisten WesteuropäerInnen. Sie ziehen sich 1500km lang in einem Bogen von Hainburg, über die ganze Slowakei, Südpolen, die Ukraine, Rumänien und Ungarn. Alle fünf Anrainerstaaten der Karpaten haben drei auffällige Gemeinsamkeiten: sie gehörten vor 1918 zur multinationalen Monarchie Österreich-Ungarn, sie kamen allesamt nach 1945 in den Einflußbereich der siegreichen Sowjetunion und seit Jahrhunderten lebten hier bis zum Holocaust sehr viele Juden. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit haben sich die Karpaten sowohl landschaftlich als auch kulturell eine Ursprünglichkeit bewahrt, die es sonst in Europa kaum mehr gibt.

 

Wir begeben uns auf mehrere Reisen in ein ländlich-gebirgiges Europa, das uns endlos fremd erscheint und doch die gemeinsamen kulturellen und historischen Wurzeln spüren läßt...


Luberon - Wandelgänge durch das Herz der Provence

wo die Einsamkeit, die Weite des kargen Landes, aber auch das Mittelalter noch gegenwärtig ist


Bonnieux, Apt oder Saignon waren vor mehr als 900 Jahren wohlhabende Kleinstädte inmitten eines trockenen und kargen Landes. Zeugen dieser Zeit sind heute noch zahlreich erhalten. Wir wandelten durch das auf den zweiten Blick schon sehr abwechslungsreiche Südfrankreich. 

 


Rhodopen: Ein Geisterdorf erwacht

 In Bulgarien verlassen immer mehr Menschen die Dörfer und ziehen in die Städte oder ins Ausland. Auf unserer Reise durch die Rhodopen besuchten wir das Dorf Kosovo, in das wieder Leben kommt.

 


Wandern durch die bulgarischen Rhodopen

Wild und unberührt ist die Heimat des Orpheus, bewaldete Höhenzüge mit einer einmaligen Vielfalt an Flora und Fauna. Mit Ausnahme mancher Wintersportorte, wie Pamporovo oder Tschepelare, sind die Rhodopen touristisch noch kaum erschlossen unsere Reise dorthin war wie ein kleines Abenteuer.

 


Maramuresch - durch ein Land am Rande Europas

Zu Ostern 2017 bereisten wir die nordwestliche Region Rumäniens. Mit dem Zug fuhren wir über Debrecen nach Satu Mare und waren dann im Land unterwegs mit dem Bus. Wir machten Halt in der Verwaltungshauptstadt der Region  in Baia Mare, besuchten das Geburtshaus des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel in Sighet und und verbrachten fünf Nächte in Viseu de Sus - dem früheren Oberwischau - am Fuße der Waldkarpaten.

Wir wanderten durch sanfthügelige, kleinstrukturierte und deshalb sehr artenreiche Landschaften. Sahen viele Bauernhöfe, die heute noch traditionell bewirtschaftet werden, so wie bei uns in Mitteleuropa vor mehr als fünfzig Jahren. Doch der "Fortschritt" wird auch in dieser Region nicht Halt machen. Die Vorboten der Moderne sind bereits im Anmarsch: Landraub, illegaler Holzeinschlag auch unter tatkräftiger Beteiligung österreichischer Firmen, überall im Land grassiert das Müllproblem... Die jungen Menschen dieser Region reagieren auf ihre Art und kehren der Region in Scharen ihren Rücken.

Doch es gibt Hoffnung auf eine Kehrtwende. Menschen wie der Ranger des Naturparks Maramuresch - Anton Brenner - setzen sich in ihrer täglichen Arbeit ein für eine (über)lebenswerte Zukunft dieser Region an der Außengrenze des EU-Europas und zeigen, dass mit zivilgesellschaftlichen Engagement ein gutes Leben möglich ist.


Mit der Waldbahn durch das Wassertal in der Maramuresch

Seit Jahrhunderten prägt Holz das Leben in der nördlichen Maramuresch an der heutigen ukrainischen Grenze.  Ab 1770 wurden oberösterreichische Holzfäller und Handwerker an den Rand der Waldkarpaten angesiedelt, um den Holzreichtum für die österreichische Krone nutzbar zu machen. Noch heute fährt die Schmalspurbahn von Oberwischau /Viseu de Sus die 40 Kilometer ins Wassertal um Holzfäller und Baumstämme zu transportieren. Mehr über diese Region mit oberösterreichischem Einfluss in einer Bildreportage.


Auf winterlicher Spurensuche entlang der Maltsch im ehemaligen Niemandsland

Kein Ort an der oberösterreichisch-südböhmischen Grenze spiegelt mehr die wechsel- und leidvolle Geschichte beider Länder wider als der ehemalige Markt Zettwing/Cetviny an der Maltsch. Mehr

 


Durch die letzte Wildnis Österreichs

Im Sommer  besuchten wir das letzte Wildnisgebiet in Österreich, das im Südwesten Niederösterreichs liegt. Eine Bildreportage über den langen Atem der Natur.

Die Vielfalt moderner Architekturen in Rom

Wir besuchten Rom und staunten über die Vielfalt moderner Baukunst- und -kultur abseits der touristischen Pfade.  Infos zu den besichtigten Bauten.