Reisefeuilleton

Reportagen, Bildergalerien und Hintergrundinformationen zu interessanten Reisezielen.


Montafon

maisäss: Wo die Vergangenheit spürbar ist

Die Maisäßlandschaft ist eine besondere Form der Almwirtschaft im Alpenraum. Die damit verbundene Lebenskultur prägen die Menschen und das gesamte Landschaftsbild des Montafons bis heute.

Maisäß Makwitsch im Montafon um 1905, Foto: Wikipedia
Maisäß Makwitsch im Montafon um 1905, Foto: Wikipedia

Die Maisäß oder im ostschweizerischen auch Maiensässe genannt, stellen eine kulturlandschaftliche Besonderheit dar. Ihre Entstehung geht auf die jahrhundertealte Geschichte der Dreistufenwirtschaft in der Landwirtschaft zurück, einer Form der Transhumanz. Die Eigenständigkeit besteht darin, dass meist die gesamte Hofwirtschaft auf den Maiensäss zog, während in anderen Alpenregionen nur die Alm-/Sennbelegschaft die Saison in den Hochlagen verbrachte. Die Dreistufenwirtschaft fasste bis ins 20. Jahrhundert eine umfassende Nutzung der gesamten Vegetation des Lebensraumes im hochalpinen Gebiet ins Auge.

 

Im Frühjahr (meist im Mai) zieht die Familie mit dem Vieh vom Heimathof im Tal für etwa vier Wochen auf die Mittelstufe, das Maisäß. Geht auf dem Maisäß das Futter zu Ende, begibt sich das Vieh unter Obhut der Hirten über den Sommer auf die Alpe. Mit Anbrechen des Herbstes erfolgt diese halbnomadische Wanderung in umgekehrter Reihenfolge wieder zurück auf das Maisäß und schließlich talwärts zum Heimathof, wo der Winter verbracht wird. „Dadurch, dass wir dem Futter in die Höhe nachziehen, können wir im Tal früher und öfter heuen. Das entlastet den Betrieb im Winter sehr“, beschreibt Oswald Ganahl aus dem Montafon einen der wenigen Vorteile der Dreistufenlandwirtschaft in der heutigen Zeit.

 

 Im Montafon liegen die Maisäß meist auf einer Seehöhe zwischen 1.200 und 1.600 m. Sie waren durch ihre bewaldete Hanglage für den Ackerbau unbrauchbar und wurden gerodet. Diese "Rodungsinseln" konnten dann für die Viehwirtschaft als Mittelstufe zwischen dem Heimhof im Tal und der Alpe oberhalb der Baumgrenze genutzt werden. Die dabei entstandene Dreistufenlandwirtschaft prägte über Jahrhunderte die Kulturlandschaft und das Leben der bäuerlichen Bevölkerung. Und bis heute das Leben von Oswald Ganahl aus St. Bartholomäberg. Er betreibt in Bartholomäberg im Montafon mit seiner Familie eine Dreistufenlandwirtschaft nach altem Vorbild. „Wir wollen die Tradition weiterführen. Obwohl es sehr viel mehr Aufwand ist, war uns das wichtig“, erzählt er mit Stolz.  „Dadurch, dass wir dem Futter in die Höhe nachziehen, können wir im Tal früher und öfter heuen. Das entlastet den Betrieb im Winter sehr“.

 

Das Leben auf dem Maisäß war früher sehr beschwerlich. Es wurde gemäht, gemolken, gesennt, gemistet, gedüngt und gefüttert ohne maschinelle Unterstützung. Die kleinen Gebäude boten kaum genug Platz für alle Bewohner. Komfort gab es keinen. Und doch waren die Wochen am Maisäß vor allem bei den jungen Menschen sehr beliebt. Zeitzeugen berichten von einer Auszeit vom alltäglichen Leben. Die Arbeit war weniger hart wie am Hof daheim, es blieb mehr Zeit für andere Beschäftigungen. Gesellige Abende mit Nachbarn, Hirten und Jägern sorgten für heitere Ablenkung von der Abgeschiedenheit…

 

Noch heute empfinden viele Montafonerinnen und Montafoner eine starke starke emotionale Bindung zu ihren Maisäßen. Wer das große Glück hat, ein eigenes Maisäß zu besitzen, der hegt und pflegt es wie einen wahren Schatz. „Jedes Mal, wenn ich wieder oben auf dem Maisäß bin, erinnere ich mich an die alten Zeiten und vergesse den Stress unten im Tal“, beschreibt Oswald Ganahl die Wirkung des Maisäß auf ihn.

 

Die Bedeutung der Maisäßlandschaften hat sich mit dem Strukturwandel nach dem Zweiten Weltkrieg verändert. Die landwirtschaftliche Nutzung ging bedingt durch Produktionsdruck und Rationalisierungen stark zurück und machte das Maisäß als Mittelstufe in der Bewirtschaftung überflüssig. Heute steht die freizeitwirtschaftliche und touristische Nutzung im Vordergrund. Gute Erschließung durch Güterwege und Seilbahnen ermöglicht komfortable Standards, die damals dem Talboden vorbehalten waren. Heute werden die alte Hütten vor allem von Einheimischen und Gästen zu Erholungszwecken gemietet...

 

Mehr dazu:

Interessanter Artikel auf Wikipedia
Näheres zur Maisäß im Montafon

 

 

 

 

Maisäß in St. Bartholomäberg im Montafon / Foto: Andreas Haller, Montafon Tourismus GmbH

Einfach reisen

es geht wieder los!

Schritt für Schritt in die neue Normalität. Am besten einfach losgehen

Auch wenn das Meer zur Zeit noch nicht erreichbar ist, können wir wieder durch heimische Landschaften gehen...
Auch wenn das Meer zur Zeit noch nicht erreichbar ist, können wir wieder durch heimische Landschaften gehen...

Glückliche HeimkehrerInnen vom Berg oder von einer längeren GEHtour wissen es längst: Im Grunde ist es hoffnungslos, den Zauber eines Fußmarsches in längere Worte zu fassen: Man endet sehr schnell in allgemeinen Floskeln, in alpinem Fachgesimpel wie "schöne Aussicht, netter Weg, urige Hütte, kalter Wind..." oder Ähnliches. Damit kommen wir nicht wirklich in die Nähe dessen, was wir erlebt haben. Nein, denen wir das erzählen, sollen besser das nächste Mal mitgehen, dann wissen sie, von was wir sprechen.

 

 

Vor nicht allzu langer Zeit sind die Menschen noch mit einfachen Leinenrucksäcken gewandert, mit einem Apfel, einem Speckbrot und einer Tafel Schokolade am Rücken, vielleicht noch im Flanellhemd, mit Hut und Stock. Fertig. Vielleicht haben sie noch im Heu geschlafen, sich im Bach gewaschen und sind lange in der Wiese gelegen. Kurz gesagt: sie waren frei gewesen. Darum geht es auch heute. Vielleicht mit mehr Komfort. Aber übertreiben sollen wir es nicht. Gerade, wenn wir längere Etappen unterwegs sind, ist neben allem anderen das einfache Gehen auch eine schöne Rückbesinnung auf das Wenige und Wesentliche. Nach ein paar Tagen Unterwegs sein haben wir  auch jedes Stück unser Ausrüstung liebgewonnen, aber auch einiges abgeworfen, was unnötiger Ballast war. Und am Ende wird uns der heimische Kleiderschrank genauso überdimensioniert vorkommen, wie die Speisekarte eines Restaurants und die vollen Supermarktregale. Weit gehen lässt einen bestimmt gesundschrumpfen. Weniger Ansprüche, weniger Sorgen, weniger Körpergewicht... 

 

Weit gehen ist aber auch ein Abenteuer, egal ob wir so manchen Gipfel mitnehmen oder ob der Weg schwierig war. Selbst nur gemächlich in den Voralpen oder im Flachland zu gehen, kann bald zum Gefühl von wilder Freiheit führen. Das liegt daran, dass wir unser Leben für ein paar Tage im wahrsten Sinne des Wortes outsourcen. Beim Gehen bewegen wir uns in einer ganz anderen Welt, in der andere Regeln gelten. Selbst Machertypen lernen Demut und Stille wieder neu kennen, Gestresste beruhigen sich, weil sie Zeit haben beim Gehen ihre Gedanken zu Ende zu denken. Und weil es beim Gehen nur wenige Notwendigkeiten gibt, die wirklich zählen...

 

Also, gemma los!


Reisen nach Ende der Pandemie

wann werden wir wieder reisen können?

Reisen, wie wir es bis zum heurigen Februar kannten, wird wohl für längere Zeit nicht mehr möglich sein. Solange es keinen Impfstoff gegen Covid-19 gibt, werden wir nur unter vielen Auflagen unterwegs sein können. Ein Versuch eines Ausblicks auf das Reisen unter Corona-Schutz-Bedingungen mit einer Priese Hoffnung am Ende...

Venedig - wie auch viele andere liebgewonnenen Orte außerhalb Österreichs - werden wir eine Zeit lang nicht besuchen können
Venedig - wie auch viele andere liebgewonnenen Orte außerhalb Österreichs - werden wir eine Zeit lang nicht besuchen können

Social Distancing, Mund- und Nasenschutz tragen, Einschränkungen im Öffentlichen Verkehr und bei Restaurantbesuchen, BesucherInnenlimits bei Kultureinrichtungen und -veranstaltungen und vieles andere mehr wird in nächster Zeit nicht nur unseren Alltag, sondern auch unser Unterwegssein prägen. Auch die Planungssicherheit wird darunter leiden. Besuchte Länder oder Regionen könnten kurzfristig Einreiseverbote verhängen oder eine Rückreise aus einem anderen Land kann daheim überraschend mit einer Zwangsverlängerung des Urlaubs in Form einer mehrwöchigen Quarantäne enden.

 

Ein Unsicherheitsfaktor ist auch unsere eigene Gesundheit. Wir wissen nicht wann wir selbst oder unsere Mitreisenden die Krankheit bekommen. Wer an Corona erkrankt ist, kann keine Reise antreten, auch nicht die Heimreise am Urlaubsende.

 

Mit der Ansteckungsgefahr im Nacken wird vieles auf Reisen unattraktiv. Das fängt schon beim Frühstücksbuffet in der Unterkunft an. Auch ist Aprés-Ski und in die Hotelsauna gehen mit Social Distancing nicht wirklich vereinbar. Die Menschenmassen, etwa in Venedig, Barcelona oder Hallstatt, wird es so eine zeitlang nicht mehr geben. An den beliebtesten Sehenswürdigkeiten könnte es Quoten geben, um Menschenansammlungen zu verhindern.

 

Kulturfestivals mit Menschenmassen, Musikevents oder große Sportveranstaltungen wird es in den nächsten Jahren ebenso nicht mehr geben. Wie werden die Schutzhütten auf den Bergen und Jugendherbergen in den Städten mit ihren Mehrbettzimmern, Schlaflagern und Gemeinschaftsräumen nach Corona aussehen? Werden sie unter den verschärften Bedingungen überhaupt aufsperren können?

 

Der deutsche Virologe Christian Drosten sieht aber Licht am Ende des Tunnels. Er meint in einem ZIB 2 – Interview am 24. April, dass es nächstes Jahr um diese Zeit bereits einen oder mehrere Impfstoffe am Markt geben werde. Und dann könnte relativ rasch wieder der Alltag daheim, so wie wir ihn bis Februar 2020 kannten, zurückkehren.

 

Reisen wird bald möglich sein, aber mit großen Einschränkungen

Wie sich der Reisesektor – so wie wir ihn bis vor wenige Wochen kannten – über die Durststrecke hinüberretten wird, steht aber in den Sternen. Sollte es einen Impfstoff bereits nächstes Jahr geben, wird es weitere Monate dauern bis alle Reisebeschränkungen aufgehoben werden.

UrlauberInnen werden wahrscheinlich nicht zur ersten Zielgruppe zählen, die eine Impfung bekommen.

 

Das deutsche Kompetenzzentrum für Tourismus des Bundes hat verschiedene Szenarien aufgestellt, wie sich der Tourismus in Deutschland entwickeln wird. Ganz gut lassen sich die Szenarien auch auf die Situation in Österreich ausweiten.

Zunächst wird im heurigen Sommer langsam der Binnentourismus anlaufen, im Herbst könnten dann die ersten Nachbarländer bereist werden bzw. die Schengen-Mitgliedsländer. Danach folgen die restlichen EU-Länder. Solange es keinen Impfstoff gibt, wird der Reisealltag unter strengen Social-Distance-Auflagen mit massiven Beschränkungen in allen öffentlichen Bereichen ablaufen.

In einem vierten Schritt (wahrscheinlich nicht vor Frühjahr 2021)  könnten touristische Reisen in europäische Länder außerhalb der EU mit Auflagen freigegeben werden.  Erst ab Ende 2021 oder Frühjahr 2022 werden Reisen in andere Kontinente möglich sein, wahrscheinlich nur dann, wenn die Reisenden geimpft sind.

 

Was bedeutet die neue Situation für planetREISEN?

Wir sind ein kleiner Reiseverein mit geringen Fixkosten und haben keine langfristigen Verpflichtungen bzw. Verbindlichkeiten. Nach Beginn des Lockdown haben wir sofort unser Reiseprogramm ausgesetzt. Alle geplanten Auslandsreisen im heurigen Jahr haben wir abgesagt bzw. verschoben. Wir haben die Hotels und lokalen Leistungen meist ohne Probleme stornieren können und dadurch entstand uns und unseren Mitreisenden kein Verlust. Sobald Reisen für unsere Mitreisenden und uns unter den neuen Bedingungen erträglich und auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis tragfähig sind, werden wir zunächst die verschobenen Reisen durchführen. Wir gehen davon aus, dass die ersten Reisen nach Deutschland und Tschechien bereits im Herbst 2020 stattfinden können, Reisen nach Italien und in weitere EU-Länder erst ab Frühjahr 2021.

 

GEHzeiten und gemütliche Bergwanderungen bald möglich

Sobald die Bewegungsfreiheit in Österreich wiederhergestellt ist, schreiben wir erste eintägige GEHzeiten, Wanderungen und in Folge mehrtägige Reisen in Österreich aus. In der ersten Zeit werden wir nur Reisen ins Programm nehmen, wo wir viel draußen in der Natur sind oder in wenig frequentierten Städten. Wir werden zunächst in Oberösterreich beginnen und ausprobieren, wie sich mit den zu erwartenden Auflagen sinnvolle Touren machen lassen und werden sie dann Schritt für Schritt auf die anderen Bundesländer ausweiten. Unsere Terminplanung werden wir auch an die zukünftige Unsicherheit anpassen. So werden wir zunächst nur Termine längstens zwei Monate im Voraus auf unserer Homepage bzw. im Reiseletter bekanntgeben. Wir werden auch mit der Unsicherheit leben müssen, dass plötzliche Einschränkungen oder Besuchssperren den Reiseablauf kurzfristig verändern können.

 

Wir werden weiterhin unterwegs sein können, aber wahrscheinlich anders

Eines ist aber fix: So wie wir die Reisefreiheit bis vor kurzem noch kannten, wird sie nun eine zeitlang nicht mehr sein. Bleiben wird uns aber weiterhin die Sehnsucht, neue Orte, Landstriche, Kleinode und Kulturen zu entdecken und aufzubrechen ins Unbekannte. Die große Frage wird aber sein, WIE das Reisen in Zukunft stattfinden wird und WOHIN wir reisen werden. Vor allem besteht nach wie vor Hoffnung, dass sich danach eine andere, ökologischere, rücksichtsvollere und vielleicht auch langsamere Art des Reisens durchsetzen wird.

 

Wir werden dranbleiben!

 

Marco Vanek


Auf Besuch im ORF-Funkhaus

DAS radiohaus mit ablaufdatum

Wir besuchten das legendäre ORF-Funkhaus, das in Kürze nicht mehr die Heimstätte für den Sender Österreich 1 sein wird.

Es war einst das modernste Radiohaus Europas, das zwischen 1935 und 1938 nach Plänen der Architekten Hermann Aichinger und Heinrich Schmid erbaut wurde. Der Star-Architekt des Ständestaats, Clemens Holzmeister, übernahm die Planung und verpasste dem funktionalistischen Straßentrakt eine für das austrofaschistische Regime repräsentative, monumentale Front. Die Inbetriebnahme erfolgte 1938 durch die NS-Reichsrundfunkgesellschaft. Heute ist das Funkhaus der Sitz der ORF-Radios Ö1, des Radiosymphonieorchesters Wien sowie des ORF-Landesstudios Wien.

Der Große Sendesaal

„Die Musik-Studios: Das östlichste Einzelprojekt enthält allein den großen Aufnahmesaal für Symphoniekonzerte, Opern, und Operettenaufführungen, sowie seine Nebenräume. Der Saal ist akustisch für rund 100 Mitwirkende dimensioniert und kann gelegentlich auch bis zu 400 Zuhörer aufnehmen. Die Schallisolierung ist bei dieser Gruppe durch gesonderte Fundierung der Räume und durch 2 Korridore erreicht. Die akustische Innenausstattung der Räume ist aufgrund der für den Rundfunk modifizierten Watson’schen Kurven für die günstigste Nachhalldauer von Konzertsälen ermittelt. Die zur Erzielung der erwünschten Nachhallzeiten notwendigen Dämpfungseinheiten werden im großen Saal nahezu ausschließlich durch das Publikum, beziehungsweise bei leerem Saal durch die gepolsterten Sitzgelegenheiten erreicht.“ (aus  "profil - Österreichische Monatsschrift für bildende Kunst“, Ausgabe "Das neue Funkhaus", August 1935)

Noch heute sind die Sitze des Sendesaales des Wiener Funkhauses ob ihrer Bequemlichkeit legendär. In keinem Konzertsaal sitzt man so gut wie in diesem Saal. Und sei es, dass ganz praktische, akustische Überlegungen zu dieser Form der Sessel und auch zum Abstand der Sesselreihen geführt haben. Vom eigenen Studio werden noch immer Livesendungen aus dem Großen Sendesaal übertragen.

„Da bei gesprochenen Aufführungen durch den Fortfall jedweder Unterstützung durch die Sicht möglichste Silbenverständlichkeit Hauptbedingung ist, ist die Akustik dieser Räume auf kurze Nachhallzeit eingestellt. Der Raum besitzt veränderliche Dämpfungsvorrichtungen. Im Übrigen wird eventuell benötigter Nachhall künstlich durch 3 verschieden große 'Echoräume' erzeugt.“

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KulTOUR: Der Hände Werk

Alles mit der hand

Wir besuchten die aktuelle Ausstellung auf der Schallaburg bei Melk

Alles rund um das Werk der Hände dreht sich die aktuelle Ausstellung auf der Schallaburg. Die Kuratorin Katrin Ecker führte uns durch die gut aufbereitete Ausstellung, die einen umfassenden Blick auf die Welt des Handwerkes gibt.

„Zum einen wollen wir die Hand als etwas zeigen, was uns erst zum Menschen macht, was unser Menschsein ganz grundsätzlich ermöglicht und bestimmt. Zum anderen beschäftigt sich die Ausstellung mit der Geschichte des Handwerks; der Leitgedanke war, kostbare Objekte und altes Wissen wieder an die Oberfläche zu bringen und zugleich die Gegenwart hereinzuholen. Wir zeigen in der Ausstellung, dass Handwerk schon immer hochmodern und zukunftsbildend war. Unsere moderne Gesellschaft wäre ohne Handwerk nicht denkbar“, so die Kulturanthropologin Katrin Ecker, die die Schau gemeinsam mit Brigitte Felderer gestaltete.

 

Hände spielen in unserer Kulturgeschichte eine bedeutende Rolle!  Sie sind einfach faszinierend und sogleich Werkzeug unseres Alltags: was hat es mit einer Seidenstrickerei Marie Antoinettes auf sich? Warum ist der Blaudruck, eine jahrhundertalte Technik der Stoffveredelung, wieder modern? 

Wunderwerkzeug Hand.

Ein Tor aus Schmiedeeisen auf der Weltausstellung in Antwerpen 1898, die weltberühmten Sisi-Sterne als Meisterwerk österreichischer Juwelierkunst, ein aus dem Material Holz gefertigter Trolley bei einer Meisterprüfung oder eine 6 cm große spielbare Miniaturgeige aus Gold. Von Herbergs- und Tischzeichen, Zünften über Wanderjahre bis zu Let´s Walz. „Der Hände Werk“ beleuchtet die  gesellschaftliche Bedeutung des Zunftwesens bis zur Frage, welche Rolle unsere Hände in einem digitalen Zeitalter einnehmen. Gezeigt werden aber auch zeitgenössische Gebrauchsgüter, die aus Abfällen upgecycelt  oder eine Lampe bzw. ein Stuhl, die aus IKEA-Teilen neu gestaltet wurden. Bemerkenswert war die langwierige Handarbeit einer Wollabdeckung für Autoreifen. Wer noch nicht genug hatte, der konnte diverse Handwerksanleitungen von den jeweiligen Räumen mit nach Hause nehmen.

 

Die Ausstellung gibt einen guten Einblick in die Wunderkammer der Hände.  Die Sehnsucht analog, selbst tätig zu werden ist in unserer digitalen Welt groß. Hände sind einfach faszinierend und sogleich Werkzeug unseres Alltags. Wir haben uns vom Tun inspirieren lassen.

Die Ausstellung läuft noch bis 3. November. Näheres auf der Homepage der Schallaburg.



Unser Reiseschwerpunkt 2018:  Karpaten

Das Reisejahr 2018 steht ganz im Zeichen des großen osteuropäischen Gebirgszuges, der bereits wenige Kilometer hinter Wien beginnt.

Eine Siedlung im ukrainischen Rakhiv, in den Waldkarpaten
Eine Siedlung im ukrainischen Rakhiv, in den Waldkarpaten

Die Karpaten sind ein multinationales Territorium im östlichen Zentrum Europas. Eine terra incognita im Bewußtsein der meisten WesteuropäerInnen. Sie ziehen sich 1500km lang in einem Bogen von Hainburg, über die ganze Slowakei, Südpolen, die Ukraine, Rumänien und Ungarn. Alle fünf Anrainerstaaten der Karpaten haben drei auffällige Gemeinsamkeiten: sie gehörten vor 1918 zur multinationalen Monarchie Österreich-Ungarn, sie kamen allesamt nach 1945 in den Einflußbereich der siegreichen Sowjetunion und seit Jahrhunderten lebten hier bis zum Holocaust sehr viele Juden. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit haben sich die Karpaten sowohl landschaftlich als auch kulturell eine Ursprünglichkeit bewahrt, die es sonst in Europa kaum mehr gibt.

 

Wir begeben uns auf mehrere Reisen in ein ländlich-gebirgiges Europa, das uns endlos fremd erscheint und doch die gemeinsamen kulturellen und historischen Wurzeln spüren läßt...


Luberon - Wandelgänge durch das Herz der Provence

wo die Einsamkeit, die Weite des kargen Landes, aber auch das Mittelalter noch gegenwärtig ist


Bonnieux, Apt oder Saignon waren vor mehr als 900 Jahren wohlhabende Kleinstädte inmitten eines trockenen und kargen Landes. Zeugen dieser Zeit sind heute noch zahlreich erhalten. Wir wandelten durch das auf den zweiten Blick schon sehr abwechslungsreiche Südfrankreich. 

 


Rhodopen: Ein Geisterdorf erwacht

 In Bulgarien verlassen immer mehr Menschen die Dörfer und ziehen in die Städte oder ins Ausland. Auf unserer Reise durch die Rhodopen besuchten wir das Dorf Kosovo, in das wieder Leben kommt.

 


Wandern durch die bulgarischen Rhodopen

Wild und unberührt ist die Heimat des Orpheus, bewaldete Höhenzüge mit einer einmaligen Vielfalt an Flora und Fauna. Mit Ausnahme mancher Wintersportorte, wie Pamporovo oder Tschepelare, sind die Rhodopen touristisch noch kaum erschlossen unsere Reise dorthin war wie ein kleines Abenteuer.

 


Maramuresch - durch ein Land am Rande Europas

Zu Ostern 2017 bereisten wir die nordwestliche Region Rumäniens. Mit dem Zug fuhren wir über Debrecen nach Satu Mare und waren dann im Land unterwegs mit dem Bus. Wir machten Halt in der Verwaltungshauptstadt der Region  in Baia Mare, besuchten das Geburtshaus des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel in Sighet und und verbrachten fünf Nächte in Viseu de Sus - dem früheren Oberwischau - am Fuße der Waldkarpaten.

Wir wanderten durch sanfthügelige, kleinstrukturierte und deshalb sehr artenreiche Landschaften. Sahen viele Bauernhöfe, die heute noch traditionell bewirtschaftet werden, so wie bei uns in Mitteleuropa vor mehr als fünfzig Jahren. Doch der "Fortschritt" wird auch in dieser Region nicht Halt machen. Die Vorboten der Moderne sind bereits im Anmarsch: Landraub, illegaler Holzeinschlag auch unter tatkräftiger Beteiligung österreichischer Firmen, überall im Land grassiert das Müllproblem... Die jungen Menschen dieser Region reagieren auf ihre Art und kehren der Region in Scharen ihren Rücken.

Doch es gibt Hoffnung auf eine Kehrtwende. Menschen wie der Ranger des Naturparks Maramuresch - Anton Brenner - setzen sich in ihrer täglichen Arbeit ein für eine (über)lebenswerte Zukunft dieser Region an der Außengrenze des EU-Europas und zeigen, dass mit zivilgesellschaftlichen Engagement ein gutes Leben möglich ist.


Mit der Waldbahn durch das Wassertal in der Maramuresch

Seit Jahrhunderten prägt Holz das Leben in der nördlichen Maramuresch an der heutigen ukrainischen Grenze.  Ab 1770 wurden oberösterreichische Holzfäller und Handwerker an den Rand der Waldkarpaten angesiedelt, um den Holzreichtum für die österreichische Krone nutzbar zu machen. Noch heute fährt die Schmalspurbahn von Oberwischau /Viseu de Sus die 40 Kilometer ins Wassertal um Holzfäller und Baumstämme zu transportieren. Mehr über diese Region mit oberösterreichischem Einfluss in einer Bildreportage.


Auf winterlicher Spurensuche entlang der Maltsch im ehemaligen Niemandsland

Kein Ort an der oberösterreichisch-südböhmischen Grenze spiegelt mehr die wechsel- und leidvolle Geschichte beider Länder wider als der ehemalige Markt Zettwing/Cetviny an der Maltsch. Mehr

 


Durch die letzte Wildnis Österreichs

Im Sommer  besuchten wir das letzte Wildnisgebiet in Österreich, das im Südwesten Niederösterreichs liegt. Eine Bildreportage über den langen Atem der Natur.

Die Vielfalt moderner Architekturen in Rom

Wir besuchten Rom und staunten über die Vielfalt moderner Baukunst- und -kultur abseits der touristischen Pfade.  Infos zu den besichtigten Bauten.