Reisefeuilleton

Reportagen, Bildergalerien und Hintergrundinformationen zu interessanten Reisezielen


Skopje

nationalistischer kitsch

Eine monumentale Reiterstatue dominiert die Stadtmitte von Skopje. Die Fassaden der aus den 60er Jahren stammenden Innenstadthäuser wurden mit klassizistischen Elementen überklebt oder in diesem Stil neu errichtet.
Eine monumentale Reiterstatue dominiert die Stadtmitte von Skopje. Die Fassaden der aus den 60er Jahren stammenden Innenstadthäuser wurden mit klassizistischen Elementen überklebt oder in diesem Stil neu errichtet.

Eine starke orthodox-nationalistische Identität wollte die Vorgängerregierung Mazdoniens ihrer Bevölkerung verschreiben. Unter dem Deckmantel der Konjunkturbelebung beauftragte die Regierung freundschaftlich verbundene Unternehmen mit dem Umbau des Stadtzentrums. Ein Rundgang durch Skopjes Bizarristan.

Figuren aus der Antike und früheren mazedonischen Geschichte zeigen am anderen Ufer der Innenstadt den nationalen Großmut. Auch die Fassade dieses Gebäudes aus den sozialistischen 70er Jahren wurde mit billigen Baumaterialien "verziert".
Figuren aus der Antike und früheren mazedonischen Geschichte zeigen am anderen Ufer der Innenstadt den nationalen Großmut. Auch die Fassade dieses Gebäudes aus den sozialistischen 70er Jahren wurde mit billigen Baumaterialien "verziert".

Solch überdimensionierte pietätlose Architektur, die man bisher nur aus ostasiatischen Autokratien oder futuristischen Wüstenoasen kennt, findet man nun auch mitten auf dem Balkan, in drittklassiger Bauqualität. Denn die Gipskartonfassaden aus leicht entzündlichen Materialien bedürfen nachweislich der brandschutztechnischen Überarbeitung. Neue Brücken mit imperialistisch anmutenden Laternen verbinden die beiden Ufer des Vardar-Flusses, der das postsozialistische und orthodoxe Zentrum von der mittelalterlichen, osmanisch geprägten Altstadt trennt.

Der Neubau dieses Gebäude wurde aus Geldmangel gestoppt und steht nun schon seit Jahren unter Gerüst.
Der Neubau dieses Gebäude wurde aus Geldmangel gestoppt und steht nun schon seit Jahren unter Gerüst.

Nur knapp 65% der Bevölkerung Mazedoniens sind slawo-mazedonischer Herkunft, knapp ein Drittel ist ethnisch betrachtet albanisch. Aber Skopje besteht auf seine christliche Kultur, die mit dem überdimensionierten „Mileniumski Krst“, dem Kreuz der Jahrtausendwende, auf seinem Hausberg Vodno verdeutlicht werden soll, ein weiteres Symbol einer orthodoxenmuslimischen Segregation. Für eine ethnisch-albanische Kultur hingegen ist sehr wenig Platz. 

Die Sicht von der Steinbrücke zum osmanischen Teil der Stadt wurde bewusst durch Heldenfiguren unterbrochen.
Die Sicht von der Steinbrücke zum osmanischen Teil der Stadt wurde bewusst durch Heldenfiguren unterbrochen.

Und als wäre das pseudo-monumentale refurbishment nicht genug, fielen auch 12 Parks und 35% der Bäume Skopjes – viele davon bis zu 70 Jahre alt – der Renovierung zum Opfer und bescherten der Stadt zugleich eine erhöhte Luftverschmutzung. All das führte dazu, dass sich ein Teil der Bevölkerung nicht beeindrucken ließ und dem Bauwahn ihr eigenes Denkmal setzte: in einer Revolte beschmissen aufgebrachte Bewohnerinnen und StudentInnen die frisch gestrichenen Bauwerke. „Skopje 2014“ fiel den Farbbomben zum Opfer. Schließlich endete der stadtplanerische Spuk mit der Abwahl der Rechtsregierung. Das seit 2017 amtierende Linksbündnis muss nun mit diesem Erbe leben und versuchen das Beste daraus zu machen. Geld für einen Rückbau und gar Abriss ist aber nicht vorhanden. Ganz im Gegenteil: das Land wird noch für Jahrzehnte die Schulden zurückzahlen müssen.

 

Mehr Informationen über die Hintergründe zum Projekt Skopje 2014 von einer zivilgesellschaftlichen Initiative “Плоштад Слобода” (Pložtad Sloboda, dt. Platz der Freiheit) Mehr unter diesem Link.

Text und Fotos: Marco Vanek

Der Text basierte auch auf Informationen der Webseite: www.humboldt-balkan-kosmos.net

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Algarve

Gewandert ans ende der welt

Das Kap St. Vicente wurde einst von den Mauren und den anderen Bewohnern der iberischen Halbinsel als das Ende der ihnen bekannten Welt bezeichnet. Wir wanderten durch alte Kulturlandschaften und durch so manches Kleinod der Natur.

 

Mehr als eine Woche verbrachten wir im äußersten südwestlichsten Zipfel Kontinentaleuropas und blickten von den Klippen über den Ozean gegen Nordamerika und Afrika. Zu sehen gabs zwar nur die unendliche Weite des Meeres, dafür spielte es sich an der Küste bzw. im Hinterland ab: Orangen- und Zitronendüfte in der Luft, ein Meer von Blütenfarben entlang unserer Wanderroute, verbrannte Eukalyptuswälder, tosender Ozean, steilabfallende und mystische Felsformationen, Traumstrände, freundliche Menschen, kulinarische Höhepunkte und vieles mehr. Eine tolle Woche mit unzähligen Eindrücken. Die Algarve spielt uns ihre Schönheit in vielfältigster Weise vor.

Orangen- und Zitronenduft lag  im Hinterland von Silves stundenlang in der Luft. Noch sind die Überreste des großen Waldbrandes vom Sommer 2018 zu sehen, wo dutzende Quadratkilometer Eukalyptuswald niederbrannte und zahlreiche Häuser und sogar auch einzelne Dörfer zerstörte. Doch die Natur erholt sich sichtbar...

… überall blüht es, Bienen und Hummeln sammeln Nektar. Das Alltagsleben der kleinen Bauern und Bäurinnen  geht seinen gewohnten, aber nicht hektischen Gang, Orangen, Zitronen, Oliven, aber auch Kork werden geerntet...

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Langsam reisen

Mit gutem gewissen nach Griechenland

Ein bisschen Hektik und viel Gelassenheit - so entschleunigt kann Reisen sein. Ein Ausblick auf unsere Reise mit Zug & Schiff nach Korfu.

Reisen mit dem Linienschiff bringt die Seele zur Ruhe und hinterlässt einen kleinen ökologischen Fußabdruck.
Reisen mit dem Linienschiff bringt die Seele zur Ruhe und hinterlässt einen kleinen ökologischen Fußabdruck.

Am 30. April spätabends machen wir uns auf den -  nur scheinbar - beschwerlichen Landweg von Österreich nach Griechenland.  Die eintönige Dröhnen der Schiffsturbinen wird sich bald in ein Wohlgefühl der Ruhe auflösen.

 

Die nördlichste Insel Griechenlands ist von Österreich aus gut auch ohne Flugzeug erreichbar. Von Linz geht es zunächst um kurz vor 23 Uhr mit dem Zug nach Venedig, wo wir um 8.24 Uhr ankommen werden. Da unser Linienschiff erst um 12 Uhr abfahren wird, haben wir genug Zeit um in den neu errichteten Hafen für Linien-Fährschiffe nach Fusina zu kommen. Leider wurden die Vergnügungs-Kreuzfahrtschiffe noch nicht aus der Innenstadt verbannt, jedoch die Transport- und Fährschiffe.

 

Vom Bahnhof Mestre sind es etwa 8 Kilometer bis zum Fährterminal, untertags fahren stündlich Vaporetti von der Innenstadt Venedigs nach Fusina oder Linienbusse über Mestre. Ein neu errichtete Haltestelle stoppt fast vor dem Abfertigungsgebäude der Fährschiffe. 

Während das Schiff noch beladen wird, können wir es uns bequem machen in den - im Gegensatz zu den Zugabteilen - doch geräumigeren Kabinen. Schön wird es sein am Deck zu stehen und knapp eine Stunde lang zuzuschauen, wie sich das Schiff durch die Lagune hinaus ins offene Meer bewegt. 

 

Wenn das Wetter entsprechend klar ist, können wir am Abend die weitentfernten Lichter der vorbeiziehenden kroatischen Städte erkennen.

Bei etwas Glück wachen wir schon bei Sonnenaufgang auf, sehen dann Split und Dubrovnik an uns vorbeiziehen und dann die langgezogene Bergkette des albanischen Gebirges. Gegen Mittag sind bereits am Horizont die Umrisse Korfus und des griechischen Festlandes erkennbar. Wir durchqueren die nur fünf Kilometer breite Meerenge zwischen dem südlichen Zipfel Albaniens und der Insel Korfu. Unser letzter Höhepunkt der kleinen Seereise ist die Fahrt entlang der Insel Korfu. Wir sehen einen Teil jener Städte, Berge und Buchten, die wir teilweise in den nächsten Tagen aufsuchen werden.

 

Deutlich reduziert nun das  riesige Schiff seine Geschwindigkeit, wenn es in die Bucht von Igoumenitsa einfährt. Zielsicher steuert der Kapitän den  Kai im Hafen an und lässt sich die letzten Meter von immer hektischer gestikulierenden Matrosen am vorderen Ende des Schiffes zentimetergenau an die richtige Stelle anweisen.  

Kai steht Gate - am Schiffshafen geht es gelassener zu als am Flughafen...

 

Nach Stunden relativer Ruhe und Gelassenheit ist es nun wieder etwas lebhafter und auch lauter  geworden am Schiff. Dutzende LKW und Busse verlassen nun den riesigen Schiffsbauch, ganz am Rand schlängeln sich die wenigen FußgeherInnen vorbei. Grenzkontrolle gibt es normalerweise keine, innerhalb weniger Minuten sind wir draußen vor den Toren des Hafens.

 

Nun wechseln wir die Hafenseite und gehen zum lokalen Kai, von wo aus die kleineren Schiffe zu den Inseln, vor allem nach Korfu fahren.

Auf dieser lokalen Fähre ist erstmals griechisches Flair zu spüren. Das bei BierkennerInnen beliebte Red Corfu Beer wird auf der Fähre ausgeschenkt. Nach 90 Minuten erreichen wir nun die Hauptstadt der Insel Kerkyla oder Corfu City.  

 

Korfu ist eine Wanderinsel

Durch die grünste Insel Griechenlands führt eine der schönsten Wanderwege Europas, der Corfu Trail. Auf unserer Reise nehmen wir uns aber

Teilabschnitte heraus. In sieben Tagen werden wir die schönsten Teile der Insel bewandern, gehen entlang der Küste, kommen vorbei an einsamen Bergdörfern, flanieren durch jahrhundertealte Olivenhaine und genießen dazwischen immer wieder die Weitblicke aufs Meer. Schöner und mit gutem ökologischen Gewissen kann  Urlaub nicht sein.

Reiseletter vom 28. Dezember 2018

Wie klingt die stille...

...oder vom Glück ihr zu begegnen

Anfang der 90er Jahre war Günter Stoof monatelang allein auf einer Forschungsstation in der Antarktis. Als Techniker kümmerte er sich dort um die Messgeräte. Und weil ihn das russische Versorgungsschiff nicht abholte, musste er insgesamt zwölf Monate dort ausharren...

 

Stoof machte weiter, als sei nichts geschehen, lief in diesem Jahr um die zehntausend Kilometer durch die Antarktis, um die Messgeräte abzulesen.

Meistens herrschte Sturm, erzählte er kürzlich in der ZEIT. Doch manchmal legte sich der Sturm, und für wenige Minuten sei die Welt ganz still geworden. Kein

Wind. Kein Geräusch. Keine Bewegung. Absolut still. „Wenn ich mich an diese Stille erinnere, dann sehe ich vor mir die Nacht. Die Welt stand still. Alles war erstarrt. Und wenn ich einen Schritt tat, knirscht unter den Füßen der Schnee. Weit und breit war kein Leben, keine Bewegung. In diesem Moment dachte ich an nichts. Mich überkam ein Gefühl der Zufriedenheit. Es herrschte ein absoluter, vollkommener Frieden…"

 

Wenn nun die stille Zeit vorbei ist, wird es auch wieder ruhiger, hatte einst Karl Valentin süffisant bemerkt. Dieser Ruhe, die vielleicht irgendwann zur Stille wird, können wir besonders gut in den nächsten Wochen selbst entgegengehen, wenn um uns herum alles noch ruht. Sei es tief drinnen im verschneiten Wald oder hoch oben auf den Bergen, etwa „Am Stoa“, am Rande Oberösterreichs. Dort herrschen bereits beste Bedingungen vor, die Klänge der Stille einzufangen.

 

Einen ruhigen Start ins Neue Jahr und viel Inspirationen beim Durchstöbern unseres Reiseprogrammes wünscht im Namen des Teams

Marco Vanek 


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Etwa monatlich erscheint der Reiseletter mit Reiseinspirationen, aktuellen Hinweisen und Hintergrundinformationen
planetReiseletter vom 29.12.2018.pdf
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Guidecca

Durch Venedigs stillste insel

Calle Ferrando auf Guidecca - das touristische Leben spielt sich wo anders ab...
Calle Ferrando auf Guidecca - das touristische Leben spielt sich wo anders ab...

Insel der Verbannten, Garten-Insel der Aristokraten, Insel der Arbeiter und Bauern.... Die Isola della Guidecca hat  viele Namen. Hier liegen auch die Suburbs der Stadt, viele der reicheren VenezianerInnen haben früher diese Insel gemieden. Ihren melancholischen Charme der vergangenen Zeit hat sie aber bis heute bewahrt, trotz Spekulationsversuchen.

 

Der Rummel am Markusplatz ist außer Hörweite, das Gewurrle abertausender BesucherInnen in Umrissen aber erkennbar. Nur einige hundert Luftmeter

sind es über den Canale della Guidecca bis zum Markusdom. Doch diese Entfernung ist weit genug, um im Schatten des Touristenstroms zu bleiben. Hier auf der

kleinen Insel gibt es noch das Venedig, wie es sich vor 30, 40 Jahren in der gesamten Stadt anfühlte: ein Stadtteil mit vielen kleinen Läden, die die BewohnerInnen mit alltäglichen Gütern versorgen, sozialer Wohnbau, der die Mieten in bezahlbaren Höhen belässt, oder kleine vom Eigentümer selbst

betriebene Trattorien, die sich nach Rechnungslegung nicht als Touristenfalle entpuppen.

 

Guidecca hat eine leicht elektrisierende Anziehung, ist ein Kleinod mit einem wilden Mix aus verschiedenen Epochen und Stilen. Seien es alte herrschaftliche Villen, oder gesichtslose Zweckbauten am Campo Junghans, die von manchen auch Bausünde genannt werden. Viel ist passiert in den letzten fünfzig Jahren, schreibt Tom Schulz in der NZZ, der 2018 für drei Monate Stipendiat am Deutschen Studienzentrum in Venedig war. „Der Niedergang der ansässigen Industrie und des Handwerks, eine teilweise skrupellose Stadtplanung und manches andere, das in jedem Mafiaroman vorkommen könnte. Wie löst man ein Problem? Man zündet das Streitobjekt an und kann sich danach nicht mehr erinnern, wie es dazu kam. So geschehen mit dem Teatro La Fenice im Jahre 1996. Wenig später mit der ehemaligen Molino Stucky, der nach einem gescheiterten spekulativen Immobilienprojekt zum großen Teil zerstört wurde, wahrscheinlich

ebenfalls durch Brandstiftung. Um danach, befreit von denkmalpflegerischen Auflagen, zu einem Fünfsternehotel ausgebaut zu werden.“

 

Die Molino Stucky war früher die größte Mühle Venedigs und beherbert heute das Hilton. Von der Terrasse gibt es einen wunderbaren Blick über das Häusermeer der kleinen Insel.
Die Molino Stucky war früher die größte Mühle Venedigs und beherbert heute das Hilton. Von der Terrasse gibt es einen wunderbaren Blick über das Häusermeer der kleinen Insel.

 

Die Guidecca ist heute, schreibt Tom Schulz, „ein Behauptungszustand zwischen Spekulationsobjekt und dem inneren Zusammenhalt ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. „Diese leben zum Teil in Sozialbauten aus den 1960er und 1970er Jahren. Jeder kennt jeden, die alte Sage vom kleinen Platz lebt mit Bänken unter Bäumen, wo sich Nachbarn begegnen, von ihren Sorgen sprechen, vielleicht auch von Liebe. Wo man dem Älteren und Gebrechlicheren die Einkaufstasche in die Wohnung hinaufträgt…“.

 

Doch auch auf der Guidecca werden neue Eigentumswohnungen an mehreren Orten gebaut. Auch hier beginnen sich die BewohnerInnen zu wehren gegen den spekulativen Leerstand, protestieren gegen die Airbnbsierung der Stadt, die aus Wohnraum noch mehr Touristenunterkünfte macht. Vor einigen Jahren besetzten AktivistInnen leerstehende Häuser und belebten ihr Quartier mit kleinen urbanen Gärten. 

Die Guidecca ist nicht das Postkarten-Venedig, von dem täglich x-tausende Fotos gemacht werden, resümiert Schulz. „Sie ist Konflikt- und Resonanzraum. Hier werden Lösungen gesucht, die das Leben einer Gesellschaft wieder mehr als menschliche Gemeinschaft begreifen. Werden sie gefunden, wird es entscheidend sein für die Zukunft der kleinen Insel.“

Herta Gurtner: "Die Guidecca überrascht durch ihre Vielfältigkeit." Foto: privat
Herta Gurtner: "Die Guidecca überrascht durch ihre Vielfältigkeit." Foto: privat

 

Wir besuchten Venedig im Oktober 2018 und nahmen dabei seine Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts unter die Lupe. Herta Gurtner stellte die Reise zusammen und führte uns durch unbekannte Ecken der Lagunenstadt.

Über die Guidecca meinte sie: "La Giudecca, die frühere ArbeiterInneninsel Venedigs überrascht durch ihre Vielfältigkeit. Wo früher Brauereien, Mühlen und kleine Fabriken vorherrschten, wurden diese in den letzten Jahren zu  Nobelhotels, Wohnungen und Ateliers umgebaut. Durch Neubauten in den 1990er und 2000er Jahren, die teilweise als Sozialwohnungen gewidmet sind, können sich hier einheimische Familien das Leben in Venedig leisten. Kindergärten, Spielplätze und Schulen finden sich auf der Giudecca ebenso wie ein Frauengefängnis und das Luigi Nono Archivo. 

 

Natürlich ist auch auf der Giudecca die Gefahr der Gentrifizierung und Vermietung durch Airbnbsierung gegeben. Die BewohnerInnen wehren sich dagegen ebenso wie gegen die großen Kreuzfahrtschiffe. Es liegt aber an der Stadtpolitik hier Maßnahmen zu treffen und Maßstäbe für ein gutes Leben der VenezianerInnen zu setzen. Leider bisher ohne viel Ambition.

 

Text und Fotos: Marco Vanek

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Unser Reiseschwerpunkt 2018:  Karpaten

Das Reisejahr 2018 steht ganz im Zeichen des großen osteuropäischen Gebirgszuges, der bereits wenige Kilometer hinter Wien beginnt.

Eine Siedlung im ukrainischen Rakhiv, in den Waldkarpaten
Eine Siedlung im ukrainischen Rakhiv, in den Waldkarpaten

Die Karpaten sind ein multinationales Territorium im östlichen Zentrum Europas. Eine terra incognita im Bewußtsein der meisten WesteuropäerInnen. Sie ziehen sich 1500km lang in einem Bogen von Hainburg, über die ganze Slowakei, Südpolen, die Ukraine, Rumänien und Ungarn. Alle fünf Anrainerstaaten der Karpaten haben drei auffällige Gemeinsamkeiten: sie gehörten vor 1918 zur multinationalen Monarchie Österreich-Ungarn, sie kamen allesamt nach 1945 in den Einflußbereich der siegreichen Sowjetunion und seit Jahrhunderten lebten hier bis zum Holocaust sehr viele Juden. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit haben sich die Karpaten sowohl landschaftlich als auch kulturell eine Ursprünglichkeit bewahrt, die es sonst in Europa kaum mehr gibt.

 

Wir begeben uns auf mehrere Reisen in ein ländlich-gebirgiges Europa, das uns endlos fremd erscheint und doch die gemeinsamen kulturellen und historischen Wurzeln spüren läßt...


Luberon - Wandelgänge durch das Herz der Provence

wo die Einsamkeit, die Weite des kargen Landes, aber auch das Mittelalter noch gegenwärtig ist


Bonnieux, Apt oder Saignon waren vor mehr als 900 Jahren wohlhabende Kleinstädte inmitten eines trockenen und kargen Landes. Zeugen dieser Zeit sind heute noch zahlreich erhalten. Wir wandelten durch das auf den zweiten Blick schon sehr abwechslungsreiche Südfrankreich. 

 


Rhodopen: Ein Geisterdorf erwacht

 In Bulgarien verlassen immer mehr Menschen die Dörfer und ziehen in die Städte oder ins Ausland. Auf unserer Reise durch die Rhodopen besuchten wir das Dorf Kosovo, in das wieder Leben kommt.

 


Wandern durch die bulgarischen Rhodopen

Wild und unberührt ist die Heimat des Orpheus, bewaldete Höhenzüge mit einer einmaligen Vielfalt an Flora und Fauna. Mit Ausnahme mancher Wintersportorte, wie Pamporovo oder Tschepelare, sind die Rhodopen touristisch noch kaum erschlossen unsere Reise dorthin war wie ein kleines Abenteuer.

 


Maramuresch - durch ein Land am Rande Europas

Zu Ostern 2017 bereisten wir die nordwestliche Region Rumäniens. Mit dem Zug fuhren wir über Debrecen nach Satu Mare und waren dann im Land unterwegs mit dem Bus. Wir machten Halt in der Verwaltungshauptstadt der Region  in Baia Mare, besuchten das Geburtshaus des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel in Sighet und und verbrachten fünf Nächte in Viseu de Sus - dem früheren Oberwischau - am Fuße der Waldkarpaten.

Wir wanderten durch sanfthügelige, kleinstrukturierte und deshalb sehr artenreiche Landschaften. Sahen viele Bauernhöfe, die heute noch traditionell bewirtschaftet werden, so wie bei uns in Mitteleuropa vor mehr als fünfzig Jahren. Doch der "Fortschritt" wird auch in dieser Region nicht Halt machen. Die Vorboten der Moderne sind bereits im Anmarsch: Landraub, illegaler Holzeinschlag auch unter tatkräftiger Beteiligung österreichischer Firmen, überall im Land grassiert das Müllproblem... Die jungen Menschen dieser Region reagieren auf ihre Art und kehren der Region in Scharen ihren Rücken.

Doch es gibt Hoffnung auf eine Kehrtwende. Menschen wie der Ranger des Naturparks Maramuresch - Anton Brenner - setzen sich in ihrer täglichen Arbeit ein für eine (über)lebenswerte Zukunft dieser Region an der Außengrenze des EU-Europas und zeigen, dass mit zivilgesellschaftlichen Engagement ein gutes Leben möglich ist.


Mit der Waldbahn durch das Wassertal in der Maramuresch

Seit Jahrhunderten prägt Holz das Leben in der nördlichen Maramuresch an der heutigen ukrainischen Grenze.  Ab 1770 wurden oberösterreichische Holzfäller und Handwerker an den Rand der Waldkarpaten angesiedelt, um den Holzreichtum für die österreichische Krone nutzbar zu machen. Noch heute fährt die Schmalspurbahn von Oberwischau /Viseu de Sus die 40 Kilometer ins Wassertal um Holzfäller und Baumstämme zu transportieren. Mehr über diese Region mit oberösterreichischem Einfluss in einer Bildreportage.


Auf winterlicher Spurensuche entlang der Maltsch im ehemaligen Niemandsland

Kein Ort an der oberösterreichisch-südböhmischen Grenze spiegelt mehr die wechsel- und leidvolle Geschichte beider Länder wider als der ehemalige Markt Zettwing/Cetviny an der Maltsch. Mehr

 


Durch die letzte Wildnis Österreichs

Im Sommer  besuchten wir das letzte Wildnisgebiet in Österreich, das im Südwesten Niederösterreichs liegt. Eine Bildreportage über den langen Atem der Natur.

Die Vielfalt moderner Architekturen in Rom

Wir besuchten Rom und staunten über die Vielfalt moderner Baukunst- und -kultur abseits der touristischen Pfade.  Infos zu den besichtigten Bauten.