Šumava / Böhmerwald

Wo die Natur die menschen verbindet

Die flächenmäßig größte Waldwildnis Mitteleuropas grenzt direkt an Oberösterreich. Heuer feiert der Nationalpark Šumava/Böhmerwald sein dreißigjähriges Jubiläum, der zusammen mit dem benachbarten Bayrischen Wald auch das Grüne Dach genannt wird. Wenn bereits möglich, planen wir noch im heurigen Jahr beide Gebiete zu besuchen.

Europas größtes Waldschutzgebiet ist ein Segen für die Menschen und auch Natur beiderseits der Grenzen.
Europas größtes Waldschutzgebiet ist ein Segen für die Menschen und auch Natur beiderseits der Grenzen.

 

Weite Wälder, geheimnisvolle Mooere, stille Eiszeitseen und klare Bergbäche - alles streng geschützt auf bayrischer und tschechischer Seite. Mit 920 Quadratkiolmetern Fläche stellt es das größte Waldschutzgebiet in Mitteleuropa dar. Der 684 Quadratkiolmeter große Nationalpark Šumava ist eingebietet in ein großräumiges Landschaftsschutzgebiet und Bioshärenreservat. Es grenzt direkt an den National- und Naturpark Bayrischer Wald sowie an ein 9000 Hektar großes Natura-2000-Gebiet im Norden Oberösterreich.

 

Arten- und abwechslungsreiche Landschaften
Alten Baumbestände sind noch dort vorhanden, wo früher Bauernhöfe standen, zahlreiche Niedermoore, Magerrasen und Hochstaudenfluren... Große Bereiche werden heute aber wieder mit Rindern und Schafen beweidet. Zu den Kostbarkeiten im Nationalpark zählen die Hochmoore. Sie sind meist mit Latschen bewachsen und mit kleinen Moorseen durchsetzt. Hier finden sich Raritäten wie Zwergbirke oder Sonnentau. Aktuell werden rund 2000 Hektar entwässerter Hoch- und Niedermoore im Rahmen eines EU-Projektes renaturiert. Fischotter und Biber nutzen die zahlreichen Bäche und Seen. In den Moldauauen sind Seeadler und Kranich zurückgekehrt. In den weiten Wäldern lebt seit Jahren schon der Luchs und auch der Wolf hat sich wieder angesiedelt. Auer- und Haselhuhn trifft man dort häufig an, seltener das Birkhuhn. Eine Besonderheit sind die kleine Elchpopulation, die schon mal über die Grenze nach Nieder- und Österreich herüberkommt.

 

Beliebte Naherholungsgebiet

Der Böhmerwald zählt nach dem Riesengebirge zu den beliebtesten Urlaubszielen in Tschechien. Insbesondere viele Pragerinnen und Prager zieht es am Wochenende und in der Urlaubszeit in die Stille dieser Region. Viele von ihnen haben sich hier dauerhaft niedergelassen. Ein weitläufiges Rad- und Wandernetz und im Winter zahlreiche gespurte Loipen laden zum Naturerlebnis ein. Besonders beliebt sind Kanutouren auf der Moldau oder Otava. 

 

Vor hundert Jahren begann es

Ein Jahrhundert schon reichen die Bemühungen um einen Schutz dieser einzigartigen Naturlandschaft zurück. Mit der Realisierung des Intersilva-Projekts ist es nun gelungen, über 1000 Quadratkilometer wertvollster Natur über drei Länder hinweg als europäisches Naturerbe zu sichern. Der Nationalpark Šumava trägt wesentlich dazu bei.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges ging es auf tschechischer Seite schnell mit der Unterschutzstellung des zum Teils in der ehemaligen Todeszone gelegenen Landschaftsteile. Heute verbindet die Natur die Menschen im Dreiländer-Eck Tschechien, Deutschland und Österreich. 

 

Offizielle Seite des Nationalparks Šumava

 

 

Fotos: NP Šumava, Jiri Bodal, NP Bayrischer Wald, 


Schöner Himmel

Sternderl schauen...

Anna Kodek hat sich umgesehen, wo es in Österreich besonders gut geht, den Himmel zu beobachten.

"Auffe schaun, Sternderl schaun, wast wos, wir picken uns an raus, irgend an..." So gehen die ersten Zeilen des bekannten Liedes von Ludwig Hirsch. Lichtverschmutzung macht es nicht immer einfach einen Sternenhimmel in all seiner Schönheit auch tatsächlich zu sehen.  „Durchschnittlich sind nur noch zehn Prozent der Sterne zu sehen“, erklärt Stefan Wallner vom Institut für Astrophysik der Uni Wien.  Ein interaktiver Atlas macht das Phänomen der Lichtverschmutzung auf der ganzen Welt für den Laien sichtbar. Wir können uns für jeden beliebigen Ort auf der Welt die Entwicklung der Lichtverschmutzung von 1992 bis in die Gegenwart ansehen und berechnen lassen. Beeindruckend und sehr empfehlenswert! Gibt es eine Alternative zu unvergesslichen Nächten in der Wüste oder einem Besuch im Mauna-Kea Observatorium auf Hawaii? Weltweit setzt sich die International Dark Sky Association (gegründet 1988 von amerikanischen Astronomen) gegen Lichtverschmutzung ein und fördert die Entstehung von Sternenparks.  

 

In folgenden Gegenden Österreichs sind wir den Sternen besonders nah:

 

Hohe Dirn in Oberösterreich

In kalten Herbst- und Winternächten mit dichtem Nebel im Tal ist der Himmel mit Namibia und Chile vergleichbar. Der Gipfel der Hohen Dirn befindet sich am Rande des Nationalpark Kalkalpen. Vom Verein Sternenfreunde Steyr werden Beobachtungsabende am neu erbauten Observatorium angeboten. 
 

Naturpark Attersee-Traunsee 

Die Region im Salzkammergut spielt eine Vorreiterrolle zum Schutz des Nachthimmels! Fünf Gemeinden im Naturpark Attersee-Traunsee ziehen an einem Strang, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Es wurden ein eigenes Messnetz für die Lichtverschmutzung installiert, eine eigene Leitlinie für den öffentlichen Bereich geschaffen und konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Lichtverschmutzung umgesetzt. Nähere Infos hier.

Die Region ist nominiert für die Zertifizierung als erster österreichischer Sternenpark durch die International Dark-Sky Association (IDA). Begleitet wurde die Einreichung durch die Universität Wien - Institut für Astrophysik. Die Anerkennung wird im Laufe 2021 erwartet. 

 

Gesäuse
Das Gesäuse bietet ebenfalls ideale Voraussetzungen für Sternenbeobachtungen. Beinahe völlige Dunkelheit herrscht bei Neumond. Bis jetzt bin ich immer kläglich gescheitert einen Nachthimmel auf einem Foto festzuhalten. Wie mache ich ein perfektes Foto vom Nachthimmel? Die Antwort auf meine Frage hat das Studio der Nationalpark Fotoschule in Admont für mich. Nach einem Kurs u.a. über die Einführung in die Astrofotografie wird das Fotografieren eines Nachthimmels jedem Laien gelingen. Im Sommer sind geführte Sternenbeobachtungen im Nationalpark geplant.  2020 wurde auch der Verein Sternenfreunde Gesäuse mit dem Ziel gegründet, sich über Themen wie Astronomie, Lichtverschmutzung und darüber hinaus sich austauschen zu können.  

 

 

Kaunertal
Ein Highlight im Tiroler Kaunertal sind im August und September Sternenwanderungen.  Ein MUSS für alle Sternenfans! 

Treffpunkt ist die Kaunertaler Gletscherstraße auf etwa 2.000 Meter Höhe, die schönste Sackgasse der Welt. ExpertInnen erläutern, welche Bedeutung Sterne und Sternbilder für uns Menschen und unsere Orientierung haben.

Die Sternenwanderungen sind ein Teil des Projektes Skyscape.  Ziele des Projektes sind: Den ungestörten Nachthimmel zu schützen und zu fördern, innovative touristische Produkte zu schaffen die mit der Beobachtung des Nachthimmels verbunden sind und auf den Wert eines dunklen Nachthimmels für Gesundheit und Wohlbefinden von Menschen, Tieren und Pflanzen aufmerksam zu machen.

 

Sternwarte Venet 
Unweit des Kaunertals befindet sich der Venet mit über 2.000 Metern Seehöhe. An der Bergstation der Venet Bergbahn befindet sich die angeblich einzige Sternwarte Tirols. An ausgewählten Terminen im März und April genießen Sie das faszinierende Naturschauspiel des nächtlichen Sternenhimmels mit traumhaftem Rundumblick. 

 

Weitere Tipps und Inspirationen zum Thema Sternengucken im Newsletter von Anna Kodek

 

 


Krakau Ebene

Auf Besuch im Winterwonderland

Eine funkelnde Schneedecke glitzert im Sonnenschein auf der tiefverschneiten Landschaft der steirischen Krakau Ebene. Im Norden geschützt durch eine majestätisch anmutende Bergkulisse mit ihren 2.000er, im Süden offen und mit Weitblick liegt die Krakau Ebene auf einer Höhe von 1.100 bis 1.500 Meter. Eingebettet zwischen Preber und dem Sölkpass gehört dieses wunderschöne Fleckchen Erde zur Tourismusregion Murau und ist Mitglied der Bergsteigerdörfer. Von Anna Kodek

 

Eine funkelnde Schneedecke glitzert im Sonnenschein auf der tiefverschneiten Landschaft der steirischen Krakau Ebene. Im Norden geschützt durch eine majestätisch anmutende Bergkulisse mit ihren 2.000er, im Süden offen und mit Weitblick liegt die Krakau Ebene auf einer Höhe von 1.100 bis 1.500 Meter. Eingebettet zwischen Preber und dem Sölkpass gehört dieses wunderschöne Fleckchen Erde zur Tourismusregion Murau und ist Mitglied der Bergsteigerdörfer.  Die Gegend zeichnet sich besonders durch ihre Nebelarmut aus. Während viele Täler im Herbst im Nebel liegen, haben Sie auf der Krakau Ebene strahlenden Sonnenschein und blicken von den Gipfeln auf die nebeldurchfluteten Täler hinab.  


Während im Herbst viele Täler Österreichs unter einer Nebeldecke liegen, ist unsere Gemeinde mit Sonnenschein gesegnet und von den Berggipfeln bietet sich eine faszinierende Sicht auf die nebeldurchfluteten Täler.
 
Ob bei Schitouren auf den Preber oder der Trockneralm, Langlaufen im verschneiten Wald, Schneeschuhwandern auf 30 km langen Winterwanderwegen, Rodeln, Eislaufen am Schattensee oder Eisstockschießen. Hier können Sie mit all Ihren Sinnen abseits der Pisten in die Natur eintauchen, oder besuchen Sie die Murauer Brauerei, eine Welt des Bieres, die seit 1495 eine prägende Rolle in der Region spielt.
 
Kulinarisch bringt Joseph Schnedlitz vom Schallerwirt nur das Beste der Region Murau-Kreischberg und dem Lungau auf Ihren Teller. Das Hotel Stigenwirth ist Partner von Slow Food Styria und wurde von Falstaff ausgezeichnet. Die Philosophie des Landgasthofes Jagawirt ist, dass Ihr Essen schmackhaft, nachhaltig, verantwortungsbewusst und regional sein muss...

 

 

Unterkunftstipp:

 

 

Bianca Blasl findet Landwirtschaft einfach leiwand, will wissen wo´s herkommt und liebt gutes Essen. Damit will sie begeistern und uns und unser Essen wieder näher zusammenbringen. Darum hat das "Stadtkind" diesen Sommer das Leben in Wien gegen ein Leben auf österreichischen Bauernhöfen getauscht. Auf die Reise zur #leiwandelandwirtschaft, gutem Essen und noch viel mehr nimmt sie uns als melange.in.gummistiefel in den sozialen Medien mit. Das Gründungsmitglied von Bauertothepeople hat mir diesen Bauernhof besonders ans Herz gelegt.
 
Familie Bachler vom Bergerhof findet, dass ein Bauernhof ein Ort der Begegnung sein soll und nicht wie heute zunehmend üblich das Zuhause von Einzelkämpfern. Die Tradition der offenen Tür und gelebte Gastfreundschaft hat für die besonderen Menschen, die am Bergerhof arbeiten, oberste Priorität. Egal ob Mithilfe im Stall, in der Landwirtschaft oder einfach nur Urlaub machen und die Seele am höchstgelegenen bewirtschafteten Bauernhof der Steiermark (1.450 Meter) baumeln zu lassen. Die Tür zum Hof steht auch für Sie offen!  
 

 

 

Der Bergerhof, gelegen in absoluter Einzellage, ist ein zu Hause vieler besonderer Tieren wie Schweine, Rinder, Yaks und von dem lieben Federvieh. Besondere Tiere produzieren auch besondere Spezialitäten findet Familie Bachler und tischt Raritäten wie Lardo, Bündnerfleisch, Salami oder Schinken für Sie auf.

Nähere Infos

 

Anreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln

Von Wien / Linz bis Murau oder Tamsweg mit dem Zug mit mind. 1x umsteigen und Weiterfahrt mit einem Bus oder einem Taxiunternehmen (Hubert Siebenhofer 0664 2377956 oder Claudia Siebenhofer 0664 5364934).

 

Hier der Link zum Busfahrplan


Manche Quartiere bieten auf Anfrage auch eine Abholung vom Bahnhof an. In den Sommermonaten fährt von Montag bis Freitag ein Tälerbus, der Fahrgäste zu den Seen  (Etrachsee, Prebersee, Rantensee) und in die Täler (Rantental und Prebertal) bringt.

 

Die Autorin:

 

Anna Kodek lebt in Eichgraben im niederösterreichischen Wienerwald. Sie beschäftigt sich mit nachhaltiger und fairer Tourismusentwicklung. Auf ihrer Homepage veröffentlicht sie laufend Tipps für einen anderen Tourismusweg zusammen und verschickt einmal im Monat ihre elektronischen Reiseinspirationen, die wir auf planetreisen.at auszugsweise übernehmen. Darüberhinaus schult sie Reiseveranstalter für das österreichische Umweltzeichen (Bereich Reisen) und hält Vorträge um mehr Bewusstsein und Sensibilität für ein nachhaltigeres Reisen zu schaffen. Sie Mitglied in der Conscious Tourism Group.

 

Ihr Motto: "Verantwortungsvoll zu reisen ist authentisch, eine Lebensbereicherung, die sich einfach gut anfühlt und obendrein Spaß macht."

 



Rijeka

Kultur als statement gegen den nationalismus

Noch bis zum April 2021 ist Rijeka Europäische Kulturhauptstadt. Mit Kulturprojekten und -poltik erfindet sich die darniederliegende Hafenstadt neu.

Rijeka ist schon eine seltsame Stadt, meint die Schriftstellerin Tea Tulic in einem Filmbeitrag auf 3stat. Schließlich würde sich ihre Geburtsstadt dem Besucher und die Besucherin nicht in Richtung Meer öffnen, sondern sich viel eher hinter einer Art "Rust Belt" zur Küste hin verstecken. Dennoch: heuer und bis April 2021 ist Rijeka eine der europäischen Kulturhauptstädte. Viele Veranstaltungen mussten abgesagt werden, einige werden verspätet fertig gestellt und das Kulturhauptstadt-Budget wurde um die Hälfte gekürzt. 

 

Die Eröffnung im Februar wurde zugleich auch die Schlussveranstaltung, wie Musiker Goran Tomic mit Galgenhumor bemerkt. Denn viel war seither nicht mehr möglich. Statt der erhofften einen Million BesucherInnen kamen 2020 ganze 16.000. Ein Besuch lohnt sich dennoch in der Stadt, die auch als jene in die Geschichte einging, in der Gabriele D'Annunzio als Vorreiter des italienischen Faschismus auftrat.  

 

Rijeka versteht sich aber heute als Stadt des Antifaschismus. Auch bei den letzten Wahlen am 12. Juli dieses Jahres dominierten hier wieder die Sozialdemokraten. Der Eröffnung der Kulturhauptstadt im Februar blieben die konservativen, nationalistisch ausgerichteten Staatsoberhäupter Kroatiens fern. Schade, meint Bürgermeister Vojko Obersnel - es sei ein fulminantes Fest gewesen.

Eröffnungskonzerte und -projekte im Februar 2020
Eröffnungskonzerte und -projekte im Februar 2020

 

 

In Rijeka ist der Kulturbegriff nicht gleichbedeutend mit römischen Ruinen oder historischen Bauten wie in Dubrovnik. Hier will man sich mit seiner postindustriellen Vergangenheit auseinandersetzten. Die Pandemie ist für ihn kein Grund zur Verzweiflung – schließlich sei man in Rijeka schwierige Zeiten gewohnt. Und das Kulturhauptstadt-Jahr böte eine Chance, sich den Traumata der Vergangenheit zu stellen, so Ex-Punker Ivan Šarar.

 

Allein im letzte Jahrhundert hat die Stadt sieben unterschiedlichen Staaten angehört – von der österreichisch-ungarischen Monarchie über das kommunistische Jugoslawien bis hin zur heutigen  Republik Kroatien: in der Stadt begegnet man auf Schritt und Tritt zahlreichen Zeugnissen der Geschichte.

 

Manche davon liegen auch vor Anker: Die Galeb, Titos Staatsjacht,  wird zum Museum umfunktioniert, zahlreiche Industriebrachen werden jetzt in Kulturinstitutionen umgewandelt. 

Titos schwimmender Amtssitz - die GALEB - wird in den Hafen zur Renovierung gezogen / alle Fotos: www.rijeka2000.eu
Titos schwimmender Amtssitz - die GALEB - wird in den Hafen zur Renovierung gezogen / alle Fotos: www.rijeka2000.eu

 

 Wenn uns Corona wieder keinen Streich bei der Reiseplanung macht, fahren wir zu Ostern 2021 nach Rijeka. Eins ist gewiss: die Stadt bleibt lässig, egal als amtierende aktuelle Kulturhauptstadt oder auch ohne Titel...


Schützt den Luchs

Durchs reich der luchse

Auf Streifzug durch die Wälder des Reichraminger Hintergebirges im Nationalpark Kalkalpen. Wieso es notwendig ist, den Luchs gerade in Oberösterreich zu schützen. Antworten dazu bekamen wir auf unseren NaturGEHsprächen mit Hermann Jansesberger durch das wilde Hintergebirge.

Hermann Jansesberger erzählt spannende Geschichten über das Leben der Luchse
Hermann Jansesberger erzählt spannende Geschichten über das Leben der Luchse

Hermann Jansesberger ist Ranger im Nationalpark Kalkalpen und begleitete uns im Juli auf unserer kleinen Reise durch den entstehenden Urwald. Seit einigen Jahren leben dort wieder Luchse. Zu sehen haben wir keine dieser Großkatzen bekommen, aber viel erfahren über ihr Leben und ihre Eigenarten.

Der Luchs ist die einzige Großkatze der Alpen. Ausgedehnte, ruhige Wälder mit hohem Wildbestand sind seine Ansprüche an einen geeigneten Lebensraum. Der Waldnationalpark gehört zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten in Oberösterreich und ist für den Luchs ein idealer Lebensraum. 

 

Wie alle Raubkatzen ist der Luchs stets auf Deckung bedacht. Er meidet offene Landschaften und menschliche Siedlungen. Nur fallweise und in der Paarungszeit ist er auch tagaktiv. Mit der Dämmerung startet er seine ausgedehnten Streifzüge. Nicht selten bewältigt er in der Nacht Distanzen von über 20 Kilometer. Dabei prüft er die Luft, spitzt seine gepinselten Ohren und bei erfolgversprechender Jagd legt er sich in Katzenart spontan auf die Lauer. Seine Stärken sind Lautlosigkeit, scharfe Augen und ein bemerkenswertes Gehör: Luchsaugen reagieren sechsmal so empfindlich auf Licht wie Menschenaugen und das Rascheln einer Maus hört er auf 70 Meter Entfernung, Rehe sogar bis 500 Meter. Seine Haarbüschel an den Ohren helfen ihm, eine Lautquelle optimal zu orten und seine bevorzugte Beute sind Rehe und Gämsen. Doch sein Speisezettel ist lang und selbst kleine Vögel, Mäuse oder Füchse sind durchaus mit auf der Liste. 

 

Luchse leben zwar einzelgängerisch, stehen aber stets in sozialem Kontakt miteinander. Die Reviere der Weibchen grenzen aneinander, die der Luchsmännchen überlagern meist zwei der Weibchenreviere. Luchse kommunizieren ähnlich wie auch Hauskatzen mit Duftmarken an Markierstellen und tauschen so Informationen aus. Auffällig ist die Ausscheidung großer Mengen von Schwefel im Luchsurin. Luchse entnehmen den Duftmarken ihrer Artgenossen Informationen über das Individuum, dessen Geschlecht, Vitalität und Dominanz.

Schwierige Rückkehr

Nachdem der Luchs in Mitteleuropa schon fast ausgerottet wurde, keimt doch die leise Hoffnung, dass er wieder ein sicherer Teil unserer Tierwelt wird. Die international geschützten Bestände bauen sich äußerst langsam und nur mit menschlicher Mithilfe wieder auf. In Österreich ist es sehr unsicher, ob daraus eine Erfolgsgeschichte werden kann. Der Luchs ist ein schlechter Kolonisator, denn seine Ansprüche an ein Revier sind hoch. Darüber hinaus sind die Bestände in Österreich für einen nachhaltigen Aufbau und die Sicherung der Luchspopulation in Österreich derzeit noch viel zu isoliert. Die Populationen des Nordens, im Grenzraum von Bayern, Tschechien und Österreich, haben zu der kleinen Population im Nationalpark Kalkalpen und zu den manchmal einwandernden Tieren aus Slowenien im Süden quasi keinen Kontakt. Die Naturschutzorganisationen WWF Österreich und der Naturschutzbund Österreich warnen daher vor einer Zukunft ohne Europas größter Katzenart in Österreich.

 

Der momentane Umstand führt zu großen Inzucht-Problemen. Für eine dauerhafte Rückkehr bedarf es eines ernsthaften und nachhaltigen Bestandsschutzes und eines Nord-Süd-Korridors, damit sich Luchse barrierefrei ausbreiten können. Die Luchse in den Nördlichen Kalkalpen bilden einen „Brückenkopf“ zur Luchspopulation im Böhmerwald und zum Alpen-Karpaten Korridor und ihr Überleben ist daher von europaweiter Bedeutung. Zur Bestandsstützung der Luchse wurden 2011 und 2013 die Luchsweibchen Freia und Kora sowie das Luchsmännchen Juro aus der Schweiz in den Nationalpark Kalkalpen umgesiedelt.

Die Luchsin Kora auf einen ihrer Streifzüge durch den Nationalpark Kalkalpen. BesucherInnen bekommen die scheue und nachtaktive Katze nur in äußerst seltenen Situationen zu Gesicht / Foto: Kronsteiner, NP Kalkalpen
Die Luchsin Kora auf einen ihrer Streifzüge durch den Nationalpark Kalkalpen. BesucherInnen bekommen die scheue und nachtaktive Katze nur in äußerst seltenen Situationen zu Gesicht / Foto: Kronsteiner, NP Kalkalpen

Anhand der Daten ihrer Halsbandsender konnten interessante Rückschlüsse auf den Aufenthalt und das Verhalten der Luchse gewonnen werden. 2012 und 2013 gab es Luchsnachwuchs und mit ihm keimte die Hoffnung auf die erste Luchspopulation in den österreichischen Alpen seit ihrer Ausrottung vor 150 Jahren. Doch seit dem Jahr 2013 verschwanden plötzlich die Luchsmännchen Klaus, Pankraz, Juro und Jago sowie die Luchskatze Freia auf mysteriöse Weise. Da Luchsmännchen zur Paarungszeit die Weibchenreviere niemals freiwillig aufgeben würden, keimte schnell der Verdacht, dass das Verschwinden der Luchse durch illegale Abschüsse herbeigeführt wurde. Der wiederholten Androhung von Abschüssen folgten schließlich gerichtlich erwiesene Ausführungen von Straftaten durch ein Linzer Jäger-Ehepaar, das sich Jagdabschüsse in den Wäldern des Baufonds der Katholischen Kirche in Weyer, knapp außerhalb des Schutzgebietes, gekauft hatte. Als Ersatz für die beiden illegal getöteten Luchse wurden im März 2017 wieder zwei Luchse freigelassen. Trotz dieser Wiederansiedelung stagniert die Zahl der Luchse in den Nördlichen Kalkalpen. In den Jahren 2015, 2016, 2017 gab es keinen Nachweis von Reproduktionen. 2018 konnte einmal ein einziges Jungtier nachgewiesen werden. Über dessen Verbleib weiß man jedoch nichts. 2019 konnten wiederum keine Jungtiere bestätigt werden. Derzeit haben sechs Luchse ihre Reviere im Nationalpark Kalkalpen. Aus fachlicher Sicht viel zu wenige Tiere, um eine stabile Population zu etablieren. 


aktuelle Infos aus:  Vielfalt Natur, Magazin des Nationalparks Kalkalpen, August 2020


Besuchsziel Wasserfälle

Tosende Wasser

Wir werden von Wasser magisch angezogen, sei es in Form von Wasserfällen, Seen, Flüssen, Klammen, einem Bach, Tümpel, Teich oder dem nie zu enden wollenden Meer.   Eine kleine Auswahl an Reisezielen zu österreichischen Wasserfällen, zusammengestellt von Anna Kodek

Die Krimmler Wasserfälle im westlichen Teil Salzburgs gehören zu den imposantesten Naturdenkmälern in Österreich
Die Krimmler Wasserfälle im westlichen Teil Salzburgs gehören zu den imposantesten Naturdenkmälern in Österreich

Niederösterreich

Das südliche Niederösterreich lockt mit vielen Wasserfällen. Seien es die Myrafälle bei Muggendorf, der Ludwigsfall bei Lunz am See, oder die Wasserfälle in den Ötschergräben (dem Grand Canyon Niederösterreichs) bei Wienerbruck. Näher eingehen möchte auf die Vorderen Tormäuer mit dem höchsten Wasserfall Niederösterreichs, dem Trefflingfall in der Nähe von Puchenstuben. Hier stürzt der Trefflingbach in einer vielfältigen Kaskadenserie rund 120 Meter tief zum Ausgang der Toreck Klamm, wo er sich mit dem Wasser der Erlauf vereinigt. Ich erinnere mich an eine wunderschöne Sandbank zurück wo wir die Sonne genossen haben und die Füße in der Erlauf abgekühlt haben.  

 

Mein besonderer Unterkunftstipp:
Schon einmal vom Urlaub am Bahnhof gehört? In Wienerbruck ist dies möglich.  Dieser Bahnhof, gebaut im Jahre 1905, gelegen am Haupteingang zum Naturpark Ötscher-Tormäuer, wurde liebevoll zu einem Ferienhaus umgebaut. Die beiden Appartements haben klingende Namen wie Himmelstreppe oder Ötscherbär und sind nur wenige Schritte vom Stausee entfernt. Selten ist eine Anreise ohne eigenes Auto so einfach umzusetzen wie beim Bahnhofshäuschen von Fam. Nutz.    Weitere Infos 

 

 

Weitere Infos:
Myrafälle 
Lunz am See   
Eine Übernachtung auf der Ybbstaler Hütte ist zu empfehlen. 

 

Steiermark

Viele Wasserfälle prägen das grüne Herz der Steiermark.  Der Günsterfall, gelegen im östlichsten Winkel der Schladminger Tauern hat mir sehr imponiert! In seinen insgesamt 65 Meter Fallhöhe rauschen je nach Wasserstand rund 250 Liter pro Sekunde über die drei Kaskaden hinunter. Oben angelangt, werden Sie auch mit einer wunderschönen Aussicht belohnt und beim Aufstieg begleitet Sie eine imposante Felswand. 
Mehr Infos   

 

Tirol

Umbalfälle
Die Isel (nur wenige große Flüsse in den Alpen können heutzutage noch frei fließen) stürzt hier auf spektakuläre Weise ins Tal. Bilden Sie sich bei den sieben Stationen des Wasserschaupfad entlang des Wasserfalles weiter und lassen Sie auf den verschiedenen Aussichtsplattformen die Kraft des Wassers auf diese imposanten Stufenfällen auf sich wirken. Mir blieb im wahrsten Sinne die Spucke weg…. Oben angekommen, können Sie zur Clara Hütte (), einer der ältesten Hütten in Osttirol weiterwandern.

 

Der Iseltrail, ein 74 km langer Weitwanderweg führt von Lienz in 5 Etappen zum Isel Ursprung an die Gletscherzunge des Umbalkees. 
 

Der Frauenbachfall stürzt sich die höchste Felswand Österreichs (stolze 1300 Meter) hinunter, wo dieser von einem breiten Geröllstrom aufgenommen wird und in die Drau mündet, wo der 510 km lange Drauradweg von Toblach in Südtirol nach Varaždin an der Slowenisch/Kroatischen Grenze vorbeiführt.   

 

Es gibt nur wenige Orte wo ihre Kinder vor so einer einzigartigen Kulisse Staudämme konstruieren, Inseln bauen, oder einen Teil des Flusses umleiten können. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, denn Steine gibt es hier wie Sand am Meer. Achtung! Das Wasser ist eiskalt! Badeschlapfen sind zu empfehlen. 
Mehr Informationen  

 

Salzburg

Was wäre das Land Salzburg ohne seine Krimmler Wasserfälle? Ich habe in meinem Stiegenhaus ein vergrößertes Foto dieser Fälle aufgehängt, so angetan bin ich von diesen Fällen. Mit einer Fallhöhe von 380 Meter zählen Sie zu den eindrucksvollsten Naturschauspielen der Welt. Wandern Sie weiter durch das  Krimmler Achental ist das längste und höchstgelegene Tal der Venedigergruppe. Stärken oder übernachten Sie im 600 Jahre alten Krimmler Tauernhaus auf 1.622 Sehöhe.

 

Kärnten

Die Tscheppaschlucht mit dem 26 Meter hohen Tschaukofall (benannt nach dem Entdecker Peter Tschauko), dem Felsentor und weitere Wasserfälle nahe dem Loiblpass auf der slowenischen Grenze ist ebenfalls ein Muss für Liebhaber des Wassers. Für alle Kletterbegeisterten gibt es am Beginn der Schlucht einen Hochseilgarten.  Mehr Infos 

 

Mein historischer Unterkunftstipp: Der rund 500 Jahre alte Deutschen Peter, beherberget und bewirtet müde Durchreiser wie einst Kaiser Karl VI, sondern heißt auch Wanderer, Einheimische sowie Gruppen- und Busreisende herzlich willkommen wie auch im Jahre 1841 Majestät König Friedrich August II von Sachsen. Wir durften seinerzeit nach einer Wanderung auf der Terrasse neben des Loiblbaches ein ausgezeichnetes Essen genießen.    

  

Oberösterreich

In Spital am Pyhrn rauscht der Klammbach durch Oberösterreichs längste begehbare Klamm hinunter,  - die nach dem Initiator und Gemeindearzt Dr. Vogelsang benannt wurde. Auf Holzsteigen und über 500 Stufen können BesucherInnen das Wasserspektakel aus nächster Nähe beobachten. Nähere Infos

 

 

 

Zur Person
Anna Kodek aus Eichgraben im Wienerwald betreibt die  Informationsplattform Verantwortungsvoll Reisen und hält Vorträge. Monatlich gibt sie Reise-Inspirationen heraus, wo sie allerlei Reisetipps und Allgemeines zum Thema ökologische Reisen zusammenstellt.


Montafon

maisäss: Wo die Vergangenheit spürbar ist

Die Maisäßlandschaft ist eine besondere Form der Almwirtschaft im Alpenraum. Die damit verbundene Lebenskultur prägen die Menschen und das gesamte Landschaftsbild des Montafons bis heute.

Maisäß Makwitsch im Montafon um 1905, Foto: Wikipedia
Maisäß Makwitsch im Montafon um 1905, Foto: Wikipedia

Die Maisäß oder im ostschweizerischen auch Maiensässe genannt, stellen eine kulturlandschaftliche Besonderheit dar. Ihre Entstehung geht auf die jahrhundertealte Geschichte der Dreistufenwirtschaft in der Landwirtschaft zurück, einer Form der Transhumanz. Die Eigenständigkeit besteht darin, dass meist die gesamte Hofwirtschaft auf den Maiensäss zog, während in anderen Alpenregionen nur die Alm-/Sennbelegschaft die Saison in den Hochlagen verbrachte. Die Dreistufenwirtschaft fasste bis ins 20. Jahrhundert eine umfassende Nutzung der gesamten Vegetation des Lebensraumes im hochalpinen Gebiet ins Auge.

 

Im Frühjahr (meist im Mai) zieht die Familie mit dem Vieh vom Heimathof im Tal für etwa vier Wochen auf die Mittelstufe, das Maisäß. Geht auf dem Maisäß das Futter zu Ende, begibt sich das Vieh unter Obhut der Hirten über den Sommer auf die Alpe. Mit Anbrechen des Herbstes erfolgt diese halbnomadische Wanderung in umgekehrter Reihenfolge wieder zurück auf das Maisäß und schließlich talwärts zum Heimathof, wo der Winter verbracht wird. „Dadurch, dass wir dem Futter in die Höhe nachziehen, können wir im Tal früher und öfter heuen. Das entlastet den Betrieb im Winter sehr“, beschreibt Oswald Ganahl aus dem Montafon einen der wenigen Vorteile der Dreistufenlandwirtschaft in der heutigen Zeit.

 

 Im Montafon liegen die Maisäß meist auf einer Seehöhe zwischen 1.200 und 1.600 m. Sie waren durch ihre bewaldete Hanglage für den Ackerbau unbrauchbar und wurden gerodet. Diese "Rodungsinseln" konnten dann für die Viehwirtschaft als Mittelstufe zwischen dem Heimhof im Tal und der Alpe oberhalb der Baumgrenze genutzt werden. Die dabei entstandene Dreistufenlandwirtschaft prägte über Jahrhunderte die Kulturlandschaft und das Leben der bäuerlichen Bevölkerung. Und bis heute das Leben von Oswald Ganahl aus St. Bartholomäberg. Er betreibt in Bartholomäberg im Montafon mit seiner Familie eine Dreistufenlandwirtschaft nach altem Vorbild. „Wir wollen die Tradition weiterführen. Obwohl es sehr viel mehr Aufwand ist, war uns das wichtig“, erzählt er mit Stolz.  „Dadurch, dass wir dem Futter in die Höhe nachziehen, können wir im Tal früher und öfter heuen. Das entlastet den Betrieb im Winter sehr“.

 

Das Leben auf dem Maisäß war früher sehr beschwerlich. Es wurde gemäht, gemolken, gesennt, gemistet, gedüngt und gefüttert ohne maschinelle Unterstützung. Die kleinen Gebäude boten kaum genug Platz für alle Bewohner. Komfort gab es keinen. Und doch waren die Wochen am Maisäß vor allem bei den jungen Menschen sehr beliebt. Zeitzeugen berichten von einer Auszeit vom alltäglichen Leben. Die Arbeit war weniger hart wie am Hof daheim, es blieb mehr Zeit für andere Beschäftigungen. Gesellige Abende mit Nachbarn, Hirten und Jägern sorgten für heitere Ablenkung von der Abgeschiedenheit…

 

Noch heute empfinden viele Montafonerinnen und Montafoner eine starke starke emotionale Bindung zu ihren Maisäßen. Wer das große Glück hat, ein eigenes Maisäß zu besitzen, der hegt und pflegt es wie einen wahren Schatz. „Jedes Mal, wenn ich wieder oben auf dem Maisäß bin, erinnere ich mich an die alten Zeiten und vergesse den Stress unten im Tal“, beschreibt Oswald Ganahl die Wirkung des Maisäß auf ihn.

 

Die Bedeutung der Maisäßlandschaften hat sich mit dem Strukturwandel nach dem Zweiten Weltkrieg verändert. Die landwirtschaftliche Nutzung ging bedingt durch Produktionsdruck und Rationalisierungen stark zurück und machte das Maisäß als Mittelstufe in der Bewirtschaftung überflüssig. Heute steht die freizeitwirtschaftliche und touristische Nutzung im Vordergrund. Gute Erschließung durch Güterwege und Seilbahnen ermöglicht komfortable Standards, die damals dem Talboden vorbehalten waren. Heute werden die alte Hütten vor allem von Einheimischen und Gästen zu Erholungszwecken gemietet...

 

Mehr dazu:

Interessanter Artikel auf Wikipedia
Näheres zur Maisäß im Montafon

 

 

 

 

Maisäß in St. Bartholomäberg im Montafon / Foto: Andreas Haller, Montafon Tourismus GmbH

Einfach reisen

es geht wieder los!

Schritt für Schritt in die neue Normalität. Am besten einfach losgehen

Auch wenn das Meer zur Zeit noch nicht erreichbar ist, können wir wieder durch heimische Landschaften gehen...
Auch wenn das Meer zur Zeit noch nicht erreichbar ist, können wir wieder durch heimische Landschaften gehen...

Glückliche HeimkehrerInnen vom Berg oder von einer längeren GEHtour wissen es längst: Im Grunde ist es hoffnungslos, den Zauber eines Fußmarsches in längere Worte zu fassen: Man endet sehr schnell in allgemeinen Floskeln, in alpinem Fachgesimpel wie "schöne Aussicht, netter Weg, urige Hütte, kalter Wind..." oder Ähnliches. Damit kommen wir nicht wirklich in die Nähe dessen, was wir erlebt haben. Nein, denen wir das erzählen, sollen besser das nächste Mal mitgehen, dann wissen sie, von was wir sprechen.

 

 

Vor nicht allzu langer Zeit sind die Menschen noch mit einfachen Leinenrucksäcken gewandert, mit einem Apfel, einem Speckbrot und einer Tafel Schokolade am Rücken, vielleicht noch im Flanellhemd, mit Hut und Stock. Fertig. Vielleicht haben sie noch im Heu geschlafen, sich im Bach gewaschen und sind lange in der Wiese gelegen. Kurz gesagt: sie waren frei gewesen. Darum geht es auch heute. Vielleicht mit mehr Komfort. Aber übertreiben sollen wir es nicht. Gerade, wenn wir längere Etappen unterwegs sind, ist neben allem anderen das einfache Gehen auch eine schöne Rückbesinnung auf das Wenige und Wesentliche. Nach ein paar Tagen Unterwegs sein haben wir  auch jedes Stück unser Ausrüstung liebgewonnen, aber auch einiges abgeworfen, was unnötiger Ballast war. Und am Ende wird uns der heimische Kleiderschrank genauso überdimensioniert vorkommen, wie die Speisekarte eines Restaurants und die vollen Supermarktregale. Weit gehen lässt einen bestimmt gesundschrumpfen. Weniger Ansprüche, weniger Sorgen, weniger Körpergewicht... 

 

Weit gehen ist aber auch ein Abenteuer, egal ob wir so manchen Gipfel mitnehmen oder ob der Weg schwierig war. Selbst nur gemächlich in den Voralpen oder im Flachland zu gehen, kann bald zum Gefühl von wilder Freiheit führen. Das liegt daran, dass wir unser Leben für ein paar Tage im wahrsten Sinne des Wortes outsourcen. Beim Gehen bewegen wir uns in einer ganz anderen Welt, in der andere Regeln gelten. Selbst Machertypen lernen Demut und Stille wieder neu kennen, Gestresste beruhigen sich, weil sie Zeit haben beim Gehen ihre Gedanken zu Ende zu denken. Und weil es beim Gehen nur wenige Notwendigkeiten gibt, die wirklich zählen...

 

Also, gemma los!


Reisen nach Ende der Pandemie

wann werden wir wieder reisen können?

Reisen, wie wir es bis zum heurigen Februar kannten, wird wohl für längere Zeit nicht mehr möglich sein. Solange es keinen Impfstoff gegen Covid-19 gibt, werden wir nur unter vielen Auflagen unterwegs sein können. Ein Versuch eines Ausblicks auf das Reisen unter Corona-Schutz-Bedingungen mit einer Priese Hoffnung am Ende...

Venedig - wie auch viele andere liebgewonnenen Orte außerhalb Österreichs - werden wir eine Zeit lang nicht besuchen können
Venedig - wie auch viele andere liebgewonnenen Orte außerhalb Österreichs - werden wir eine Zeit lang nicht besuchen können

Social Distancing, Mund- und Nasenschutz tragen, Einschränkungen im Öffentlichen Verkehr und bei Restaurantbesuchen, BesucherInnenlimits bei Kultureinrichtungen und -veranstaltungen und vieles andere mehr wird in nächster Zeit nicht nur unseren Alltag, sondern auch unser Unterwegssein prägen. Auch die Planungssicherheit wird darunter leiden. Besuchte Länder oder Regionen könnten kurzfristig Einreiseverbote verhängen oder eine Rückreise aus einem anderen Land kann daheim überraschend mit einer Zwangsverlängerung des Urlaubs in Form einer mehrwöchigen Quarantäne enden.

 

Ein Unsicherheitsfaktor ist auch unsere eigene Gesundheit. Wir wissen nicht wann wir selbst oder unsere Mitreisenden die Krankheit bekommen. Wer an Corona erkrankt ist, kann keine Reise antreten, auch nicht die Heimreise am Urlaubsende.

 

Mit der Ansteckungsgefahr im Nacken wird vieles auf Reisen unattraktiv. Das fängt schon beim Frühstücksbuffet in der Unterkunft an. Auch ist Aprés-Ski und in die Hotelsauna gehen mit Social Distancing nicht wirklich vereinbar. Die Menschenmassen, etwa in Venedig, Barcelona oder Hallstatt, wird es so eine zeitlang nicht mehr geben. An den beliebtesten Sehenswürdigkeiten könnte es Quoten geben, um Menschenansammlungen zu verhindern.

 

Kulturfestivals mit Menschenmassen, Musikevents oder große Sportveranstaltungen wird es in den nächsten Jahren ebenso nicht mehr geben. Wie werden die Schutzhütten auf den Bergen und Jugendherbergen in den Städten mit ihren Mehrbettzimmern, Schlaflagern und Gemeinschaftsräumen nach Corona aussehen? Werden sie unter den verschärften Bedingungen überhaupt aufsperren können?

 

Der deutsche Virologe Christian Drosten sieht aber Licht am Ende des Tunnels. Er meint in einem ZIB 2 – Interview am 24. April, dass es nächstes Jahr um diese Zeit bereits einen oder mehrere Impfstoffe am Markt geben werde. Und dann könnte relativ rasch wieder der Alltag daheim, so wie wir ihn bis Februar 2020 kannten, zurückkehren.

 

Reisen wird bald möglich sein, aber mit großen Einschränkungen

Wie sich der Reisesektor – so wie wir ihn bis vor wenige Wochen kannten – über die Durststrecke hinüberretten wird, steht aber in den Sternen. Sollte es einen Impfstoff bereits nächstes Jahr geben, wird es weitere Monate dauern bis alle Reisebeschränkungen aufgehoben werden.

UrlauberInnen werden wahrscheinlich nicht zur ersten Zielgruppe zählen, die eine Impfung bekommen.

 

Das deutsche Kompetenzzentrum für Tourismus des Bundes hat verschiedene Szenarien aufgestellt, wie sich der Tourismus in Deutschland entwickeln wird. Ganz gut lassen sich die Szenarien auch auf die Situation in Österreich ausweiten.

Zunächst wird im heurigen Sommer langsam der Binnentourismus anlaufen, im Herbst könnten dann die ersten Nachbarländer bereist werden bzw. die Schengen-Mitgliedsländer. Danach folgen die restlichen EU-Länder. Solange es keinen Impfstoff gibt, wird der Reisealltag unter strengen Social-Distance-Auflagen mit massiven Beschränkungen in allen öffentlichen Bereichen ablaufen.

In einem vierten Schritt (wahrscheinlich nicht vor Frühjahr 2021)  könnten touristische Reisen in europäische Länder außerhalb der EU mit Auflagen freigegeben werden.  Erst ab Ende 2021 oder Frühjahr 2022 werden Reisen in andere Kontinente möglich sein, wahrscheinlich nur dann, wenn die Reisenden geimpft sind.

 

Was bedeutet die neue Situation für planetREISEN?

Wir sind ein kleiner Reiseverein mit geringen Fixkosten und haben keine langfristigen Verpflichtungen bzw. Verbindlichkeiten. Nach Beginn des Lockdown haben wir sofort unser Reiseprogramm ausgesetzt. Alle geplanten Auslandsreisen im heurigen Jahr haben wir abgesagt bzw. verschoben. Wir haben die Hotels und lokalen Leistungen meist ohne Probleme stornieren können und dadurch entstand uns und unseren Mitreisenden kein Verlust. Sobald Reisen für unsere Mitreisenden und uns unter den neuen Bedingungen erträglich und auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis tragfähig sind, werden wir zunächst die verschobenen Reisen durchführen. Wir gehen davon aus, dass die ersten Reisen nach Deutschland und Tschechien bereits im Herbst 2020 stattfinden können, Reisen nach Italien und in weitere EU-Länder erst ab Frühjahr 2021.

 

GEHzeiten und gemütliche Bergwanderungen bald möglich

Sobald die Bewegungsfreiheit in Österreich wiederhergestellt ist, schreiben wir erste eintägige GEHzeiten, Wanderungen und in Folge mehrtägige Reisen in Österreich aus. In der ersten Zeit werden wir nur Reisen ins Programm nehmen, wo wir viel draußen in der Natur sind oder in wenig frequentierten Städten. Wir werden zunächst in Oberösterreich beginnen und ausprobieren, wie sich mit den zu erwartenden Auflagen sinnvolle Touren machen lassen und werden sie dann Schritt für Schritt auf die anderen Bundesländer ausweiten. Unsere Terminplanung werden wir auch an die zukünftige Unsicherheit anpassen. So werden wir zunächst nur Termine längstens zwei Monate im Voraus auf unserer Homepage bzw. im Reiseletter bekanntgeben. Wir werden auch mit der Unsicherheit leben müssen, dass plötzliche Einschränkungen oder Besuchssperren den Reiseablauf kurzfristig verändern können.

 

Wir werden weiterhin unterwegs sein können, aber wahrscheinlich anders

Eines ist aber fix: So wie wir die Reisefreiheit bis vor kurzem noch kannten, wird sie nun eine zeitlang nicht mehr sein. Bleiben wird uns aber weiterhin die Sehnsucht, neue Orte, Landstriche, Kleinode und Kulturen zu entdecken und aufzubrechen ins Unbekannte. Die große Frage wird aber sein, WIE das Reisen in Zukunft stattfinden wird und WOHIN wir reisen werden. Vor allem besteht nach wie vor Hoffnung, dass sich danach eine andere, ökologischere, rücksichtsvollere und vielleicht auch langsamere Art des Reisens durchsetzen wird.

 

Wir werden dranbleiben!

 

Marco Vanek


Auf Besuch im ORF-Funkhaus

DAS radiohaus mit ablaufdatum

Wir besuchten das legendäre ORF-Funkhaus, das in Kürze nicht mehr die Heimstätte für den Sender Österreich 1 sein wird.

Es war einst das modernste Radiohaus Europas, das zwischen 1935 und 1938 nach Plänen der Architekten Hermann Aichinger und Heinrich Schmid erbaut wurde. Der Star-Architekt des Ständestaats, Clemens Holzmeister, übernahm die Planung und verpasste dem funktionalistischen Straßentrakt eine für das austrofaschistische Regime repräsentative, monumentale Front. Die Inbetriebnahme erfolgte 1938 durch die NS-Reichsrundfunkgesellschaft. Heute ist das Funkhaus der Sitz der ORF-Radios Ö1, des Radiosymphonieorchesters Wien sowie des ORF-Landesstudios Wien.

Der Große Sendesaal

„Die Musik-Studios: Das östlichste Einzelprojekt enthält allein den großen Aufnahmesaal für Symphoniekonzerte, Opern, und Operettenaufführungen, sowie seine Nebenräume. Der Saal ist akustisch für rund 100 Mitwirkende dimensioniert und kann gelegentlich auch bis zu 400 Zuhörer aufnehmen. Die Schallisolierung ist bei dieser Gruppe durch gesonderte Fundierung der Räume und durch 2 Korridore erreicht. Die akustische Innenausstattung der Räume ist aufgrund der für den Rundfunk modifizierten Watson’schen Kurven für die günstigste Nachhalldauer von Konzertsälen ermittelt. Die zur Erzielung der erwünschten Nachhallzeiten notwendigen Dämpfungseinheiten werden im großen Saal nahezu ausschließlich durch das Publikum, beziehungsweise bei leerem Saal durch die gepolsterten Sitzgelegenheiten erreicht.“ (aus  "profil - Österreichische Monatsschrift für bildende Kunst“, Ausgabe "Das neue Funkhaus", August 1935)

Noch heute sind die Sitze des Sendesaales des Wiener Funkhauses ob ihrer Bequemlichkeit legendär. In keinem Konzertsaal sitzt man so gut wie in diesem Saal. Und sei es, dass ganz praktische, akustische Überlegungen zu dieser Form der Sessel und auch zum Abstand der Sesselreihen geführt haben. Vom eigenen Studio werden noch immer Livesendungen aus dem Großen Sendesaal übertragen.

„Da bei gesprochenen Aufführungen durch den Fortfall jedweder Unterstützung durch die Sicht möglichste Silbenverständlichkeit Hauptbedingung ist, ist die Akustik dieser Räume auf kurze Nachhallzeit eingestellt. Der Raum besitzt veränderliche Dämpfungsvorrichtungen. Im Übrigen wird eventuell benötigter Nachhall künstlich durch 3 verschieden große 'Echoräume' erzeugt.“

Studio 3 / Proberaum für das Radiosymphonieorchester

Dieser Raum dient als Proberaum für das hauseigene Orchester, als Veranstaltungsraum auch für externe Organisationen. Erhalten sind die Wanddekorationen aus den 30er Jahren ...

 

Hörspielstudio

Noch immer werden hier mehrmals im Monat Hörspiele produziert. Fast alle Alltagsgeräusche und Lebenssituationen können hier aufgenommen werden: verschiedene Stiegenarten, Schotterweg, Pflasterweg, Bad, Wasserklosett, altes Festnetztelefon... Es gibt auch einen kleinen Raum, wo jegliche Geräusche von außen abgeschirmt werden...

 

Sendeleitung und Studios von Österreich 1:

Letzte Station war der vierte Stock mit den Redaktionsbüros, den Aufnahmestudios und der Sendeleitung. Michaela Schierhuber war zu diesem Zeitpunkt die Sendeleiterin und verantwortlich für den Ablauf des Programms. Zu ihr und ihren sechs KollegInnen, die sich im Schichtdienst abwechseln,  kommen die vorproduzierten Files, die sie dann ins elektronisch gesteuerte Sendesystem einspielt. Während unseres Besuchs lief gerade der Ö1-Klassik-Treffpunkt, der vom Radiocafé gesendet wurde. Daneben befinden sich die Livestudios, wo etwa das Ö1-Quiz oder die Ö1-Morgensendung entsteht. In kleineren Studios  in den Nebenräumen werden von den Producern die Sendung zusammengeschnitten, die nicht live gesendet werden...

 

Radiokulturhaus

Das Funkhaus ist auch Heimstätte des 1997 eröffneten ORF-RadioKulturhauses, wo Konzerte stattfinden und auch aufgezeichnet werden. Neben dem Sendegebäude befindet sich das vom ORF an einen privaten Betreiber verpachtete RadioCafé. Trotz Widerstandes aus breiten Kulturkreisen wird der Sender Österreich 1 voraussichtlich 2021 auf den Küniglberg ziehen. Im ORF-Funkhaus werden dann noch das ORF-Landesstudio Wien, das Radiosymphonieorchester sowie das RadioCafe bleiben.

Text und Fotos: Marco Vanek

KulTOUR: Der Hände Werk

Alles mit der hand

Wir besuchten die aktuelle Ausstellung auf der Schallaburg bei Melk

Alles rund um das Werk der Hände dreht sich die aktuelle Ausstellung auf der Schallaburg. Die Kuratorin Katrin Ecker führte uns durch die gut aufbereitete Ausstellung, die einen umfassenden Blick auf die Welt des Handwerkes gibt.

„Zum einen wollen wir die Hand als etwas zeigen, was uns erst zum Menschen macht, was unser Menschsein ganz grundsätzlich ermöglicht und bestimmt. Zum anderen beschäftigt sich die Ausstellung mit der Geschichte des Handwerks; der Leitgedanke war, kostbare Objekte und altes Wissen wieder an die Oberfläche zu bringen und zugleich die Gegenwart hereinzuholen. Wir zeigen in der Ausstellung, dass Handwerk schon immer hochmodern und zukunftsbildend war. Unsere moderne Gesellschaft wäre ohne Handwerk nicht denkbar“, so die Kulturanthropologin Katrin Ecker, die die Schau gemeinsam mit Brigitte Felderer gestaltete.

 

Hände spielen in unserer Kulturgeschichte eine bedeutende Rolle!  Sie sind einfach faszinierend und sogleich Werkzeug unseres Alltags: was hat es mit einer Seidenstrickerei Marie Antoinettes auf sich? Warum ist der Blaudruck, eine jahrhundertalte Technik der Stoffveredelung, wieder modern? 

Wunderwerkzeug Hand.

Ein Tor aus Schmiedeeisen auf der Weltausstellung in Antwerpen 1898, die weltberühmten Sisi-Sterne als Meisterwerk österreichischer Juwelierkunst, ein aus dem Material Holz gefertigter Trolley bei einer Meisterprüfung oder eine 6 cm große spielbare Miniaturgeige aus Gold. Von Herbergs- und Tischzeichen, Zünften über Wanderjahre bis zu Let´s Walz. „Der Hände Werk“ beleuchtet die  gesellschaftliche Bedeutung des Zunftwesens bis zur Frage, welche Rolle unsere Hände in einem digitalen Zeitalter einnehmen. Gezeigt werden aber auch zeitgenössische Gebrauchsgüter, die aus Abfällen upgecycelt  oder eine Lampe bzw. ein Stuhl, die aus IKEA-Teilen neu gestaltet wurden. Bemerkenswert war die langwierige Handarbeit einer Wollabdeckung für Autoreifen. Wer noch nicht genug hatte, der konnte diverse Handwerksanleitungen von den jeweiligen Räumen mit nach Hause nehmen.

 

Die Ausstellung gibt einen guten Einblick in die Wunderkammer der Hände.  Die Sehnsucht analog, selbst tätig zu werden ist in unserer digitalen Welt groß. Hände sind einfach faszinierend und sogleich Werkzeug unseres Alltags. Wir haben uns vom Tun inspirieren lassen.

Die Ausstellung läuft noch bis 3. November. Näheres auf der Homepage der Schallaburg.


Wildnisgebiet Dürrenstein

der duft der wildnis

Die vielen liegenden Baumstämme sind von Moosen und Flechten bedeckt, aus diesen wiederum treiben kleine Buchen und Fichten aus und dazwischen wachsen Stauden und Farne. Wir haben auch den letzten Urwaldrest im  Alpenbogen besucht und etwas vom Duft der Wildnis gespürt.

Zu riechen gab es hier, wo alles auf allem wächst, einiges. Die vielen liegenden Baumstämme sind von Moosen und Flechten bedeckt, aus diesen wiederum treiben kleine Buchen und Fichten aus und dazwischen wachsen Stauden und Farne. Altersschwache, in sich zusammengestürzte Baumgestalten vermodern am feuchten Waldboden.

 

 Es riecht nach Pilz, nach Nadeln, holzig und harzig, nach frischem Humus, irgendwie grün. Groß, klein, dünn, dick, alt und jung, abgebrochen, vermodernd – eine unglaubliche Mischung an Holzgebilden, die sich da zeigt: Zerfranste Baumstammriesen bilden bizarre Formen, tief zerfurchte Rinden, die durch die vielen großen Baumschwämme aussehen wie verbeult, während Buchen, Fichten und Tannen meterhoch in den Himmel ragen und mit ihren Blättern und Nadeln dafür sorgen, dass es im Wald doch recht dunkel bleibt. Baumriesen werden hier bis zu 63 Meter hoch, erzählt uns Reinhard Peckny und rund sechs- bis siebenhundert Jahre alt. Totholz liegt und steht herum, es speichert Wasser und ist für die unterschiedlichsten Organismen lebenswichtig. So beherbergt ein toter Baum wesentlich mehr Lebewesen als ein lebender, 95 Prozent aller Fichten des Urwaldes wachsen daraus. Stirbt ein Baum – das Absterben dauert oft mehrere Jahre – gibt er Kohlenstoff an die jungen Bäume, die auf ihm wachsen, weiter. Kadaververjüngung nennt Peckny diesen Vorgang. Nachdem er abgestorben ist, steht der Baum meist bis zu hundert Jahre weiter da. Und an die tausend Jahre dauert es, bis er ganz verschwunden ist....

Ein Streit zwischen drei Klöster war ausschlaggebend, wieso ein Teil des Waldgebiets am Fuße des Dürrensteins nie abgeholzt wurde. Nach dem der späterer Besitzer Albert Rothschild dieses Waldstück ebenfalls im Urzustand beließ, bleib der Rothwald die letzte größere Waldfläche in Österreich, die als Urwald bezeichnet werden kann. Immerhin vier Quadratkilometer groß ist sie und heute Kernstück des Wildnisgebietes, das zur Zeit noch 35 Quadratkilometer umfasst. Im Oktober 2019 haben wir wieder Gelegenheit bekommen ein Stück hinein in den Urwald zu gehen.

 

Nur etwa 500 Menschen im Jahr ist es erlaubt, niederösterreichische Urwaldluft zu schnuppern. Denn dieses Gebiet steht unter der höchsten Schutzstufe und darf nur von einer limitierten Anzahl von Menschen betreten werden. Alle paar Jahre bekommen wir die Genehmigung dafür in Begleitung eines Rangers des Gebiet zu betreten.

 

Bereits 1875 stellte Albert Rothschild den, nach ihm benannten, Wald im Wildnisgebiet Dürrenstein unter Schutz vor jeglichem menschlichen Eingriff. Schon damals erkannte Rothschild, wie wichtig es ist, die Natur von Eingriff und Zerstörung zu schützen. Bäume, Sträucher und Pflanzen wachsen hier seit nahezu 12.000 Jahren in ihrer natürlichen ursprünglichen Form und das komplette Ökosystem regelt sich ohne Eingriff des Menschen von selbst. Es wird kein bestimmter Zustand konserviert, sondern die natürlichen Prozesse dürfen und sollen weitestgehend ohne Einfluss des Menschen ablaufen. Seit 2017 gehören 50 Prozent des gesamten Wildnisgebietes Dürrenstein zum UNESCO Weltnaturerbe.

Zunächst streiften wir durch ein benachbarten Waldstück, das seit der Eiszeit nur ein Mal – das war vor etwa 300 Jahren – bewirtschaftet wurde. Unser Begleiter Reinhard Peckny sprach von der „ersten Generation nach dem Urwald“. Schon in diesem „Fast-Urwald“ bekamen wir eine erste Vorstellung, was Urwald eigentlich ist und welche Dynamiken sich abspielen. 

 

Info zum Wildnisgebiet Dürrenstein

Blick auf einen Teil des Wildnisgebietes Dürrenstein
Blick auf einen Teil des Wildnisgebietes Dürrenstein

Fläche und Lebensräume:

Derzeit insgesamt 35 km2, davon 4 km2 Urwald, 25 km2 naturnahe Wälder, 6 km2 Almen, alpine Rasen, Gewässer, Fels. 2/3 der Fläche wurden von den Österreichischen Bundesforsten und 1/3 von der Forstverwaltung Langau eingebracht. Das Schutzgebiet erstreckt sich zwischen 600 und 1878 m Seehöhe. Der Dürrenstein in den Ybbstaler Alpen ist die höchste Erhebung.

 

Prozessschutz und Nicht-Eingriff:

88% der Fläche sind Naturzone ohne menschlichen Eingriff. Hier wird die natürliche Prozessdynamik zugelassen, der Mensch ist nur Beobachter und Gast. Unser Motto: „Wildnis bewahren und sekundäre Wildnis wieder entstehen lassen“.

 

Urwald Rothwald:

Das 4 Quadratmeter große Herz des Wildnisgebietes Dürrenstein ist eine Primärwildnis und der letzte große Urwaldrest des Alpenbogens (montaner Bergmischwald mit ca. ⅓ Rotbuche, ⅓ Tanne und ⅓ Fichte). Durch Pollenanalysen aus Bodenproben wurde der Urwaldcharakter wissenschaftlich bestätigt. Der Zutritt ist reglementiert und auch die Forschung unterliegt strengen Auflagen. Highlights: • Große Mengen an Totholz. Im Rothwald ca. 300 Vorratsfestmeter Totholz – dem stehen 1100 bis 1200 Vorratsfestmeter Lebendholz gegenüber, d.h. das Verhältnis ist etwa 1:4. • Im Urwald erreichen die Bäume ihr natürliches Maximalalter: Fichten & Tannen bis 600 Jahre, Buchen bis 450 Jahre. Es gibt einzelne „Greise“ unter den langlebigen Eiben und Tannen, die um die 1000 Jahre alt sind.

Hohe Artenvielfalt vor allem bei Organismengruppen, die mit Totholz verknüpft sind (Pilze, Moose, Flechten, xylobionte Käfer…), z.B. ca. 800 Pilzarten, 280 Moosarten. •Außerdem 70 Vogelarten (davon fünf Specht- und vier Raufußhuhnarten), 45 Säugetierarten, durchziehende Luchse, brütende Steinadler, wiederangesiedelte Habichtskäuze. Früher gab es Braunbären im Gebiet, zuletzt 2010. (Quelle: Eckdaten des Wildnisgebietes, Stand 2017.)

 

Fotos und Text: Marco Vanek


Lesachtal

Auf Besuch in der Slow-Region

War es die große Abgeschiedenheit oder die Mentalität der Menschen, die hier ein weites Stück Landschaft relativ naturbelassen ließ. Hier geht es spürbar langsamer zu als weiter draußen in der Stadt.

Ende Oktober 2018 wütete ein Sturm im Lesachtal. Die Aufarbeitung der Schäden am Wald dauert während unseres Besuchs noch an.
Ende Oktober 2018 wütete ein Sturm im Lesachtal. Die Aufarbeitung der Schäden am Wald dauert während unseres Besuchs noch an.

Wir besuchten die letzten Tage das obere Lesachtal, ein paar Kilometer von Osttirol, aber auch von der italienischen Grenze entfernt. Wir trafen dabei interessante Menschen, die uns Einblicke gaben in ihren Alltag und ihre Visionen.

 

 

Der Wanderhotelbetrieber und Chef des örtlichen Tourismusverbandes Nikolaus Lanner, erzählte uns wie der Slow-Food-Gedanke Einzug in die örtliche Wirtschaft fand. So initiierte der Wanderniki, wie er sich nennt, den Brot- und Morenenweg, auf den verschiedene lokale Produkte erwandert werden können. Mehr.

 

Näheres zum Brot- und Morendenweg.

 

 

 

 

 

 

Vorbildhaft auch das Leben der Familie Stabentheiner, die hoch oben am Hang einen Biobauernhof mit ein paar Gastzimmern betriebt und zeigt wie die drei am Hof lebenden Generationen gemeinsam Land-, Forst und Gastwirtschaft unter einem Hut gebracht werden kann. Mehr

 

 

 

 

Wir trafen auch Othmar Oberluggauer, dem Obmann des örtlichen Bienenzuchtvereins, der einen Bienenlehrpfad aufgebaut hat und uns in die besonderen Geheimnisse der Imkerei im Lesachtal einführte.

Nähere Infos zum Bienenlehrpfad

Foto: Hepilodge
Foto: Hepilodge

 

 

 

Aufgefallen ist uns, dass verhältnismäßig viele junge Menschen im Tal geblieben sind, weil sie hier Erwerbseinkommen gefunden haben. Etwa Helene Windbichler und Josef Klingesberger von der Hepilodge. Sie vermieten nicht nur in ihrem Haus liebevoll renovierte und eingerichtete Appartements, sondern tüfteln auch an Projekten, die den sanften Tourismus im Tal voranbringen sollen.

Mehr Infos über das Basecamp für alle OutdoorfreundInnen: 

Allen Menschen, die wir getroffen haben, eint die Gelassenheit, mit der sie die Jahreszeiten in das Tal ziehen lassen und das Vertrauen darauf, dass Engagement und Innovationsgeist auch neue Wege eröffnen. Allen ist auch bewusst, wie fragil hier oben das Gleichgewicht der Natur ist.

Regionen, wie das Lesachtal sind heute in Zeiten des Massentourismus rar geworden. Umso mehr steigt der Wert dieser Naturbelassenheit, umso mehr die Wichtigkeit, solche Orte zu bewahren und mit Hilfe eines sanften Tourismus zu stärken. Die Slow Food Bewegung, aber auch der Alpenverein versuchen mit ihren Projekten des sanften Tourismus die Natürlichkeit und Einzigartigkeit dieses Lebensraums zu bewahren.

 

Die Region Lesachtal:

Eingebettet zwischen den Karnischen Alpen und den Lienzer Dolomiten weist dieses abgelegene Hochtal im Süden Kärntens eine landschaftliche Vielfalt auf, die ihresgleichen sucht, jedes Seitental hat seinen eigenen Charakter, jede Ortschaft schmiegt sich auf eigene Art und Weise an die Hänge und auch die Bergwelt des Lesachtals reicht von sanften Almen bis zu wuchtigen Gebirgsstöcken.

Seit alters her musste sich dieses Tal auf die eigenen Ressourcen besinnen – zu abgeschieden und schwer erreichbar war es bis in die jüngere Zeit. Auch heute noch bedarf es aus dem Inneren Österreichs einer kleine Weltreise, bis man die vier Hauptorte Birnbaum, Liesing, St. Lorenzen und Maria Luggau erreicht.

Die windungsreiche Straße hoch über dem schäumenden Gailfluss gibt eine Ahnung von der komplizierten Topographie des Geländes – unzählige Gräben müssen durchfahren oder mit eindrucksvollen Brückenbauwerken überwunden werden. Ist man aber einmal da, findet man in kürzester Distanz nicht nur kulinarische und kulturhistorische Leckerbissen, sondern auch eine Fülle bergsteigerischer Höhepunkte.

Ortschaften: Liesing, (Seehöhe 1.044m), Birnbaum, St. Lorenzen, Maria Luggau, 

Höchster Punkt: 2.780 m (Hohe Warte)

Wohnbevölkerung: 1.333 Menschen (Stand 2018)

(Quelle: www.bergsteigerdoerfer.org.)


Schottische Highlands

Die Magie einer Landschaft

Schottland hat viel unberührte Natur, geradezu magisch wirkende Landschaften. Wir haben im Sommer 2019 die südlichen und mittleren Highlands besucht.

In den Weiten der Highlands trifft man kaum auf eine Menschenseele. Stattdessen beherrschen eine romantische Bergwelt, lauschige Täler, canyonartige Schluchten, Wälder und verwunschen wirkende Seen die Szenerie. Nur einmal diese Region für ein bis zwei Wochen zu besuchen, scheint aber zu wenig zu sein. So vielfältig sind die verschiedenen Teil dieser weitläufigen Landschaft.

 Auf unserer großen Sommerreise haben wir uns Inverness und die südlichen Ausläufer des großen schottischen Gebirges in der Region Perthshire näher unter die Lupe genommen.

Italiens Kleinstädte

Warum Italiens Kleinstädte ihre Identität verlieren

Das Herz Italiens ist in Gefahr, schrieb kürzlich der italienische Politikwissenschafter Marco Damiani, als er den Strukturwandel in den kleineren Städten unter die Lupe nahm.

In der kleinen Altstadt von Vigoleno in der Emilia-Romagna wohnen gerade noch sieben Menschen
In der kleinen Altstadt von Vigoleno in der Emilia-Romagna wohnen gerade noch sieben Menschen

So wie viele andere Kleinstädte in Mittelitalien ist Spello eine wunderschöne Stadt. So liegt die Altstadt auf einem Hügel, rundherum gepflegte Kulturlandschaft. Doch auch diese Stadt ist, ähnlich wie Rom, Florenz oder Venedig, in ihrer jahrhundertealten Identität gefährdet.

 

Ihre Zerbrechlichkeit macht sie schön, schreibt Damiani, aber ihre Schönheit muss ständig gepflegt und gehegt werden. Doch seit ein paar Jahrzehnten ziehen immer mehr Menschen aus diesen Städten weg. Sie versuchen ihr Glück im Ausland und kommen nur mehr zu den Hochfesten wie Weihnachten, Ostern zurück. Einen zweiten Grund für die Abwanderung sieht Damiani in der zunehmenden Bequemlichkeit seiner BewohnerInnen. Schon in den 60er Jahren haben die ersten ihre alten Häuser im Stadtzentrum verlassen, um am Stadtrand neue Behausungen zu bauen. Die alten Häuser liegen meist am Hügel, sind mit dem Auto meist nicht zu erreichen, es gibt keine Garagen, keine Gärten bei den Häusern, oft auch kein fließendes Wasser. Die alten Steinhäuser liegen weit weg von Einkaufszentren, die in den letzten Jahrzehnten wegen der vielen Vorstadtsiedlungen dorthin gebaut wurden.

 

In den letzten Jahren kam noch ein weiterer Trend dazu, der die Abwanderung beschleunigte. Die Tourismusindustrie sucht laufend neue Verwertungsmöglichkeiten und zerstört dabei jene Schätze, von der sie eigentlich profitieren möchte. Sobald die einheimischen BewohnerInnen aus den alten Steinhäusern ausgezogen sind, kommen die Makler und vermitteln sie an kaufkräftige Kundschaft aus Nordamerika oder Westeuropa. Die Preise schießen in die Höhe, was dazu führt, dass Einheimische nun tatsächlich gute Gründe haben, die Stadtzentren zu verlassen. Der Teufelskreis setzt sich weiter fort: die Geschäfte für den täglichen Bedarf sperren zu, Souvenir- und Kunsthandwerksläden übernehmen die alten Geschäftslokale. Schön langsam fühlen sich die Einheimischen in ihrer eigenen Stadt als Gäste, wenn sie außer Wasserflaschen und etwa den sündteuren Wurstspezialitäten nichts mehr finden, was sie für den Alltag brauchen.

In vielen dieser Städte gab es schließlich Debatten in den Gemeinderäten, ob nicht auch Schulen, Kindergärten, die Gemeindeverwaltungen und andere öffentliche Einrichtungen aus der Altstadt abgesiedelt werden sollen, weil nun die Wohnquartiere der meisten BewohnerInnen außerhalb des alten Stadtzentrums liegen. 

In der Altstadt von Spello gibt es längst mehr Souvenir- als Lebensmittelläden
In der Altstadt von Spello gibt es längst mehr Souvenir- als Lebensmittelläden

Alle diese Entwicklungen bedeuten für Damiani, dass ein alter, lebendiger, genutzter und abgenutzter Organismus, ein komplexes, künstlerisches Gebilde auf eine rein kommerzielle und akademische Dimension reduziert wird. Davon profitieren aber nicht viele. Die, die dort noch Stellung halten, haben von diesen Entwicklungen am wenigsten davon. Sie bieten höchstens kostenlose Staffage fürs Business.

Diese Entwicklung wird sich solange fortsetzen, bis der Marktlogik ein politischer Veränderungswille gegenübergestellt wird, ist Damiani überzeugt. Wenn es so weitergeht, wird der Reichtum der kleinen Städte nur mehr wenigen zur Verfügung stehen, die sich diesen kulturellen Schatz gönnen. Dann finden in diesen Städten keine realen Begegnungen mehr statt. Statt Lebensorten wird es Geisterstädte geben.

Reiche aus dem Norden renovieren zwar die historische Substanz in den Zentren der italienischen Kleinstädte. Doch diese entwickeln sich aber schön langsam in Geisterstädte ohne Leben

 

Kann ein nachhaltiger, ein sanfter Tourismus diese Zerstörung der jahrhundertealten Kultur stoppen? Für Damiani liegt es an den Stadtverwaltungen, sich aktiv in die Entwicklungen einzuschalten und die Transformation selbst zu gestalten. Die BesucherInnen müssen zur Ressource für die Mehrheit der Autochthonen werden und dürfen nicht zu ihrer Verdrängung führen. Skeptisch ist Damiani, ob die zurzeit herrschende politische Klasse es schafft, diesen zerstörerischen Entwicklungen einen Riegel vorzuschieben.

 

Zu Marco Damiani: geboren 1973, lehrt Politikwissenschaften an der universität Perugia. Er forscht zu Parteien, zum Populismusbegriff und vor allem zu den linken Gruppierungen in Europa. Der Beitrag in voller Länger, erschienen am 23.7.19 in der taz.

 

Zu Spello: die Kleinstadt in Umbrien liegt etwa 30km von Perugia entfernt,  hatte 2017  im ganzen Stadtgebiet etwa 8500 EinwohnerInnen, in den historischen Teilen wohnten gerade noch 500 Menschen. Die Stadt ist Mitglied der Vereinigung I borghi più belli d’Italia (Die schönsten Orte Italiens).

 

Text: Marco Vanek


Florenz

Wer war Sofonisba Anguissola ?

Selbstportrait, 1556, Lancut Museum, Polen
Selbstportrait, 1556, Lancut Museum, Polen

Unsere Reise in das Florenz der italienischen Meister der Renaissance liegt nun hinter uns. Wir sahen Leonardo, Michelangelo, Rafael und Tizian in den Uffizien und im Dommuseum, bewunderten die Dombaukunst des Filippo Brunelleschi, der die größte Kuppel des Abendlandes geschaffen hatte. Dabei hatte er sich das Pantheon in Rom, der einzige noch fast vollständig aus der Antike erhaltene Bau, zum Vorbild genommen. Bei der Recherche zur Reise bin ich eher zufällig auf Sofonisba Anguissola gestoßen. Von Barbara Vanek.

Die erste Malerin von internationalem Rang beeindruckt durch ihre außergewöhnliche Biografie. Einzigartig zu ihrer Zeit erhielt die 1531 oder 1532 in Cremona geborene Malerin genauso wie ihre fünf Schwestern eine sonst nur Männern zur damaligen Zeit vorbehaltene humanistische Ausbildung. Ihr Vater, ein materiell nicht begüterter, aber kunstsinniger Mensch, investierte in die Bildung seiner Töchter anstatt, wie zu der Zeit üblich, mit einer satten Mitgift ausgestattet, standesgemäß zu verheiraten.

 

Sofonisba, die erstgeborene Tochter, hatte schon sehr früh ihr künstlerisches Talent gezeigt. Schon im Alter von 11 Jahren wurde sie Schülerin von Bernardino Campi. Ihr wichtigster Förderer und Manager war aber ihr Vater, der alle Hebel in Bewegung setzte, um der hochbegabten Tochter Aufträge zu verschaffen. Michelangelo, damals schon berühmt, schickte dem begabten Mädchen seine Skizzen. Diese kopierte sie in Öl und schickte sie zurück. Es wird vermutet, dass Michelangelo die junge Künstlerin auch persönlich traf. Drei der Schwestern Sofonisbas wurden ebenfalls Malerinnen, eine Schwester Schriftstellerin, die jüngste Dominikanerin. Keine genoss aber über die Landesgrenzen Italiens hinaus eine solche Beachtung wie Sofonisba. Die Managementfähigkeiten des Vaters waren ebenso erfolgreich wie die künstlerische Begabung der Tochter. So wurde die junge Künstlerin als Hofdame ans spanische Königshaus berufen, um der Infantin Malunterricht zu erteilen. Sofonisba war im Anfertigen von Porträts so erfolgreich, dass sie bald in halb Europa angefragt wurde. Sofonisba Anguissolas erstes Porträt der kindlichen Infantin Isabel war so gut, dass Peter Paul Rubens es kopierte.

 

1565 malte Anguissola König Philipp II.von Spanien, dem auch das Herzogtum Mailand und damit Cremona, unterstand, die Geburtsstadt Sofonisbas. Wie zuvor vertraglich zugesichert, wurde die Malerin nach dem Tod der Infantin standesgemäß nach Sizilien verheiratet. Nach dem Tod ihres ersten Mannes wollte Sofonisba zurück nach Cremona, verliebte sich aber auf dem Weg in den Kapitän ihres Schiffes und heiratete diesen im Alter von über 50 Jahren ohne Zustimmung des spanischen Königs. Für die damalige Zeit unglaublich lange, blieb das Paar bis zum Ableben Sofonisbas verheiratet. Die Zeit ihres Lebens kinderlos gebliebene Malerin inspirierte nicht nur ihre Schwestern. Es sind in der Kunstgeschichte über 40 Namen von Frauen überliefert, denen sie ein Vorbild wurde. Durch eine Augenkrankheit (starke Kurzsichtigkeit, vielleicht Katarakt) und Rheumatismus behindert, konnte Anguissola in ihren späten Jahren nicht mehr malen. In ihren letzten Lebensjahren hielt sie sich in Palermo auf, wo Anthonisvan Dyck sie 1623 in sein „Italienisches Skizzenbuch“ zeichnete. Etwas kokett merkte sie an, dass er doch das Licht nicht von oben einfallen lassen möge, um ihre Runzeln nicht allzu in Erscheinung treten zu lassen. Sofonisba Anguissola verstarb im Alter von 97 Jahren am 16. November 1625 in Palermo. Sie wurde in San Giorgio dei Genovesi in der Via Squarcialupo in Palermo bestattet.

Weitere Werke von Sofonisba Anguissola: links: Schachspiel mit den Schwestern, rechts: Selbstporträt im Alter von 80 Jahren; Quelle: Wikipedia


Kerkyra/Corfu-City

Der letzte seifenmacher

Auf unserer Wandelreise durch Korfu machten wir auch Halt bei Apostolos Patounis, der im Zentrum der Inselhauptstadt Olivenölseife nach altem Rezept herstellt. Von Marco Vanek

 

Nahe des zentralen San Rocco Platzes in der Ioannou Theotoki Straße 9, mitten im belebten Zentrum Korfus ist ein unscheinbarer Eingang zu einem der letzten Seifenmanufakturen Griechenlands: die Savonnerie Patounis. Wir kam rechtzeitig zur kurzen Einführung des Firmenchefs, der uns den Produktionsprozess und die unterschiedlichen Seifenarten vorstellte. Bis zu sechs verschiedene Seifen hat Patounis im Programm, von der milden grünen Olivenölseife für die sanfte Hauptpflege bis zur graugelben klassischen Kernseife, die für Kleiderreinigung oder gröbere Putzarbeiten verwendet werden kann.

 

Seit 1850 gibt es nun diese Seifensiederei an diesem Standort. Apostolos ist nun bereits in der fünften Generation. Die altengusseisernen Siedeöfen stehen noch hinten in der kleinen Produktionshalle. Heute verwendet er ausschließlich einen modernen Kessel aus Chrom. Das Olivenöl bezieht er ausschließlich von lokalen Produzenten, kein Parfum oder andere Zusatzstoffe gibt er dem Seidensud dazu. Es ist ein reines Naturprodukt, betont er immer wieder. Kernseife aus Palmöl stellt er zwar für seine älteren Stammkundinnen noch her, doch dieses sollten wir nicht kaufen, wegen der Umweltschäden, die die Produktion des Palmöls in Asien verursacht. Damit er sich voll dem Familienbetrieb widmen kann, hat Apostolos Patounis sein Ingenieur Diplom zu den Akten gelegt. Trotz der Konkurrenz der großen Seifenhersteller schmiss der  56-jährige nicht das Handtuch, sondern setzt auf Tradition. Heute produziert er zusammen mit seiner Frau und drei Angestellten jährlich um die 30 bis 40 Tonnen Seife. In den besten Zeiten hat sein Großvater bis zu 200 Tonnen pro Jahr produziert.

 

Die Herstellung von Seife ist kein aufwändiger Prozess. Die jeweilige Mischung wird eine Woche lang in dem großen Kesseln gesiedet, danach wird die fertige Masse in hölzerne Formen gegossen. Hat sich diese Masse  etwas verfestigt, wird sie per Hand mit dem Stempel der Manufaktur versehen und in die Seifenstücke in die Verkaufsgrößen geschnitten. Diese werden zum Reifen (endgültiges Trocknen) dann noch etwa 4 Wochen auf Holztabletts gelagert und anschließend verpackt. Was Patounis aber von den anderen Seifenherstellern unterschiedet ist, dass die meisten Produktionsschritte händisch erfolgen. Die Befüllung des Kessels und der Holzkassetten, wo die Seife langsam fest wird, das anschließende Bestempeln und schließlich das Schneiden in die Seifenquader...

 

Fotos und Text: Marco Vanek


Skopje

nationalistischer kitsch

Eine monumentale Reiterstatue dominiert die Stadtmitte von Skopje. Die Fassaden der aus den 60er Jahren stammenden Innenstadthäuser wurden mit klassizistischen Elementen überklebt oder in diesem Stil neu errichtet.
Eine monumentale Reiterstatue dominiert die Stadtmitte von Skopje. Die Fassaden der aus den 60er Jahren stammenden Innenstadthäuser wurden mit klassizistischen Elementen überklebt oder in diesem Stil neu errichtet.

Eine starke orthodox-nationalistische Identität wollte die Vorgängerregierung Mazdoniens ihrer Bevölkerung verschreiben. Unter dem Deckmantel der Konjunkturbelebung beauftragte die Regierung freundschaftlich verbundene Unternehmen mit dem Umbau des Stadtzentrums. Ein Rundgang durch Skopjes Bizarristan.

Figuren aus der Antike und früheren mazedonischen Geschichte zeigen am anderen Ufer der Innenstadt den nationalen Großmut. Auch die Fassade dieses Gebäudes aus den sozialistischen 70er Jahren wurde mit billigen Baumaterialien "verziert".
Figuren aus der Antike und früheren mazedonischen Geschichte zeigen am anderen Ufer der Innenstadt den nationalen Großmut. Auch die Fassade dieses Gebäudes aus den sozialistischen 70er Jahren wurde mit billigen Baumaterialien "verziert".

Solch überdimensionierte pietätlose Architektur, die man bisher nur aus ostasiatischen Autokratien oder futuristischen Wüstenoasen kennt, findet man nun auch mitten auf dem Balkan, in drittklassiger Bauqualität. Denn die Gipskartonfassaden aus leicht entzündlichen Materialien bedürfen nachweislich der brandschutztechnischen Überarbeitung. Neue Brücken mit imperialistisch anmutenden Laternen verbinden die beiden Ufer des Vardar-Flusses, der das postsozialistische und orthodoxe Zentrum von der mittelalterlichen, osmanisch geprägten Altstadt trennt.

Der Neubau dieses Gebäude wurde aus Geldmangel gestoppt und steht nun schon seit Jahren unter Gerüst.
Der Neubau dieses Gebäude wurde aus Geldmangel gestoppt und steht nun schon seit Jahren unter Gerüst.

Nur knapp 65% der Bevölkerung Mazedoniens sind slawo-mazedonischer Herkunft, knapp ein Drittel ist ethnisch betrachtet albanisch. Aber Skopje besteht auf seine christliche Kultur, die mit dem überdimensionierten „Mileniumski Krst“, dem Kreuz der Jahrtausendwende, auf seinem Hausberg Vodno verdeutlicht werden soll, ein weiteres Symbol einer orthodoxenmuslimischen Segregation. Für eine ethnisch-albanische Kultur hingegen ist sehr wenig Platz. 

Die Sicht von der Steinbrücke zum osmanischen Teil der Stadt wurde bewusst durch Heldenfiguren unterbrochen.
Die Sicht von der Steinbrücke zum osmanischen Teil der Stadt wurde bewusst durch Heldenfiguren unterbrochen.

Und als wäre das pseudo-monumentale refurbishment nicht genug, fielen auch 12 Parks und 35% der Bäume Skopjes – viele davon bis zu 70 Jahre alt – der Renovierung zum Opfer und bescherten der Stadt zugleich eine erhöhte Luftverschmutzung. All das führte dazu, dass sich ein Teil der Bevölkerung nicht beeindrucken ließ und dem Bauwahn ihr eigenes Denkmal setzte: in einer Revolte beschmissen aufgebrachte Bewohnerinnen und StudentInnen die frisch gestrichenen Bauwerke. „Skopje 2014“ fiel den Farbbomben zum Opfer. Schließlich endete der stadtplanerische Spuk mit der Abwahl der Rechtsregierung. Das seit 2017 amtierende Linksbündnis muss nun mit diesem Erbe leben und versuchen das Beste daraus zu machen. Geld für einen Rückbau und gar Abriss ist aber nicht vorhanden. Ganz im Gegenteil: das Land wird noch für Jahrzehnte die Schulden zurückzahlen müssen.

 

Mehr Informationen über die Hintergründe zum Projekt Skopje 2014 von einer zivilgesellschaftlichen Initiative “Плоштад Слобода” (Pložtad Sloboda, dt. Platz der Freiheit) Mehr unter diesem Link.

Text und Fotos: Marco Vanek

Der Text basierte auch auf Informationen der Webseite: www.humboldt-balkan-kosmos.net


Algarve

Gewandert ans ende der welt

Das Kap St. Vicente wurde einst von den Mauren und den anderen Bewohnern der iberischen Halbinsel als das Ende der ihnen bekannten Welt bezeichnet. Wir wanderten durch alte Kulturlandschaften und durch so manches Kleinod der Natur.

 

Mehr als eine Woche verbrachten wir im äußersten südwestlichsten Zipfel Kontinentaleuropas und blickten von den Klippen über den Ozean gegen Nordamerika und Afrika. Zu sehen gabs zwar nur die unendliche Weite des Meeres, dafür spielte es sich an der Küste bzw. im Hinterland ab: Orangen- und Zitronendüfte in der Luft, ein Meer von Blütenfarben entlang unserer Wanderroute, verbrannte Eukalyptuswälder, tosender Ozean, steilabfallende und mystische Felsformationen, Traumstrände, freundliche Menschen, kulinarische Höhepunkte und vieles mehr. Eine tolle Woche mit unzähligen Eindrücken. Die Algarve spielt uns ihre Schönheit in vielfältigster Weise vor.

Orangen- und Zitronenduft lag  im Hinterland von Silves stundenlang in der Luft. Noch sind die Überreste des großen Waldbrandes vom Sommer 2018 zu sehen, wo dutzende Quadratkilometer Eukalyptuswald niederbrannte und zahlreiche Häuser und sogar auch einzelne Dörfer zerstörte. Doch die Natur erholt sich sichtbar...

… überall blüht es, Bienen und Hummeln sammeln Nektar. Das Alltagsleben der kleinen Bauern und Bäurinnen  geht seinen gewohnten, aber nicht hektischen Gang, Orangen, Zitronen, Oliven, aber auch Kork werden geerntet...

Der Weg zur Küste führt uns durch teils aufgelassenes Bauernland, durch die typisch mediterrane Maccia, einem teilweise undurchdringlichen Heideland mit Wacholdersträuchern und anderem stacheligem Bewuchs. Teilweise werden die Hochflächen noch mit Schafen und Ziegen bewirtschaftet.

Plötzlich wechselt die Landschaft: wir kommen zum Meer, es wird windig, wir hören das Tosen des Atlantiks, sehen unterhalb des Weges traumhafte Strände, die (noch) menschenleer sind. Im Süden sind die Klippen ockerfarbig...

… im Westen fast schon schwarz. Überall traumhafte Strände, die großteils schwer zu erreichen sind. Viele dieser Buchten können wir nur von oben betrachten...

Das Ende der Welt stellt man sich eigentlich spektakulärer vor, als es tatsächlich ist. Ein historischer Leuchtturm, ein riesiger Parkplatz, ein kleines Museum und Café und viele Imbiss- und Andenkenstände lassen diesen Ort zu einer Allerweltssehenswürdigkeit degradieren. Als Höhepunkt gibt es deutsche Bock- und Currywurst...

Was blieb uns von der Algarve: zunächst einmal der Eindruck, dass hier der Gang der Welt ein unaufgeregterer ist. Vielleicht spielt das kontinuierlich freundliche, weil zu 320 Tagen sonnige Wetter eine Rolle oder auch die bekömmliche Fisch- und Gemüsekost. Vielleicht mag auch das Erbe der Mauren eine Rolle spielen, die hier vor hunderten Jahren, das Land nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der Kultur und Wissenschaft zur Hochblüte brachten. In einer Zeit, als bei uns in Mitteleuropa die Menschen noch unter kargen Bedingungen und hinter kalten kirchlichen Gemäuern leben mussten und erst viel später vom Erbe der Mauren profitierten. Dieser Landstrich am westlichsten Zipfel Europas hat eine große kulturelle Vergangenheit und heute viele kleine bewahrenswerte Naturoasen.

 

Text und Fotos: Marco Vanek


Langsam reisen

Mit gutem gewissen nach Griechenland

Ein bisschen Hektik und viel Gelassenheit - so entschleunigt kann Reisen sein. Ein Ausblick auf unsere Reise mit Zug & Schiff nach Korfu.

Reisen mit dem Linienschiff bringt die Seele zur Ruhe und hinterlässt einen kleinen ökologischen Fußabdruck.
Reisen mit dem Linienschiff bringt die Seele zur Ruhe und hinterlässt einen kleinen ökologischen Fußabdruck.

Am 30. April spätabends machen wir uns auf den -  nur scheinbar - beschwerlichen Landweg von Österreich nach Griechenland.  Die eintönige Dröhnen der Schiffsturbinen wird sich bald in ein Wohlgefühl der Ruhe auflösen.

 

Die nördlichste Insel Griechenlands ist von Österreich aus gut auch ohne Flugzeug erreichbar. Von Linz geht es zunächst um kurz vor 23 Uhr mit dem Zug nach Venedig, wo wir um 8.24 Uhr ankommen werden. Da unser Linienschiff erst um 12 Uhr abfahren wird, haben wir genug Zeit um in den neu errichteten Hafen für Linien-Fährschiffe nach Fusina zu kommen. Leider wurden die Vergnügungs-Kreuzfahrtschiffe noch nicht aus der Innenstadt verbannt, jedoch die Transport- und Fährschiffe.

 

Vom Bahnhof Mestre sind es etwa 8 Kilometer bis zum Fährterminal, untertags fahren stündlich Vaporetti von der Innenstadt Venedigs nach Fusina oder Linienbusse über Mestre. Ein neu errichtete Haltestelle stoppt fast vor dem Abfertigungsgebäude der Fährschiffe. 

Während das Schiff noch beladen wird, können wir es uns bequem machen in den - im Gegensatz zu den Zugabteilen - doch geräumigeren Kabinen. Schön wird es sein am Deck zu stehen und knapp eine Stunde lang zuzuschauen, wie sich das Schiff durch die Lagune hinaus ins offene Meer bewegt. 

 

Wenn das Wetter entsprechend klar ist, können wir am Abend die weitentfernten Lichter der vorbeiziehenden kroatischen Städte erkennen.

Bei etwas Glück wachen wir schon bei Sonnenaufgang auf, sehen dann Split und Dubrovnik an uns vorbeiziehen und dann die langgezogene Bergkette des albanischen Gebirges. Gegen Mittag sind bereits am Horizont die Umrisse Korfus und des griechischen Festlandes erkennbar. Wir durchqueren die nur fünf Kilometer breite Meerenge zwischen dem südlichen Zipfel Albaniens und der Insel Korfu. Unser letzter Höhepunkt der kleinen Seereise ist die Fahrt entlang der Insel Korfu. Wir sehen einen Teil jener Städte, Berge und Buchten, die wir teilweise in den nächsten Tagen aufsuchen werden.

 

Deutlich reduziert nun das  riesige Schiff seine Geschwindigkeit, wenn es in die Bucht von Igoumenitsa einfährt. Zielsicher steuert der Kapitän den  Kai im Hafen an und lässt sich die letzten Meter von immer hektischer gestikulierenden Matrosen am vorderen Ende des Schiffes zentimetergenau an die richtige Stelle anweisen.  

Kai steht Gate - am Schiffshafen geht es gelassener zu als am Flughafen...

 

Nach Stunden relativer Ruhe und Gelassenheit ist es nun wieder etwas lebhafter und auch lauter  geworden am Schiff. Dutzende LKW und Busse verlassen nun den riesigen Schiffsbauch, ganz am Rand schlängeln sich die wenigen FußgeherInnen vorbei. Grenzkontrolle gibt es normalerweise keine, innerhalb weniger Minuten sind wir draußen vor den Toren des Hafens.

 

Nun wechseln wir die Hafenseite und gehen zum lokalen Kai, von wo aus die kleineren Schiffe zu den Inseln, vor allem nach Korfu fahren.

Auf dieser lokalen Fähre ist erstmals griechisches Flair zu spüren. Das bei BierkennerInnen beliebte Red Corfu Beer wird auf der Fähre ausgeschenkt. Nach 90 Minuten erreichen wir nun die Hauptstadt der Insel Kerkyla oder Corfu City.  

 

Korfu ist eine Wanderinsel

Durch die grünste Insel Griechenlands führt eine der schönsten Wanderwege Europas, der Corfu Trail. Auf unserer Reise nehmen wir uns aber

Teilabschnitte heraus. In sieben Tagen werden wir die schönsten Teile der Insel bewandern, gehen entlang der Küste, kommen vorbei an einsamen Bergdörfern, flanieren durch jahrhundertealte Olivenhaine und genießen dazwischen immer wieder die Weitblicke aufs Meer. Schöner und mit gutem ökologischen Gewissen kann  Urlaub nicht sein.