Sloweniens Küste II:

Am Balkon zwischen Himmel und Meer

Eine Herbstwanderung am wildesten und grünsten Küstenabschnitt Sloweniens durch den Naturpark Strunjan nach Izola.

Die Mondbucht ist eine der schönste Plätze an der slowenischen Küste. / Fotos: Marco Vanek
Die Mondbucht ist eine der schönste Plätze an der slowenischen Küste. / Fotos: Marco Vanek

Zwischen Piran und Izola, in einer Landschaft, die sich den touristischen Überformungen der Adria weitgehend entzogen hat, liegt der Naturpark Strunjan. Ein Stück slowenische Küste, kaum vier Kilometer lang, aber von einer stillen Kraft, die sich erst zu Fuß wirklich erschließt. Wer hier aufbricht, folgt keinem beschilderten Hochleistungsweg, sondern einem schmalen Pfad zwischen Himmel, Meer und der Erinnerung an frühere Zeiten, als Landwirtschaft und Salzgewinnung die Küste prägten.

 

Ein seltener, milder Spätsommertag im November. Über der Adria liegt ein glitzernder Dunst, das Licht ist weich. Wer an diesem Tag den Naturpark Strunjan betritt, spürt sofort, wie hier ein Stück Mittelmeer geblieben ist, das einige Kilometer weiter bereits verschwunden ist:  unverbaut, still, fast unberührt. Nur das ferne Rauschen der Brandung, das Knistern der Kiesel, das Rufen eines Beutegreifers unterbricht die ruhige Szenerie hoch über dem Meer.

Der Pfad führt zunächst durch Olivenhaine und mediterrane Buschlandschaft, im Sommer muss es hier würzig duften nach Rosmarin und Pinien. Dann öffnet sich der Blick nach Westen, über die Kalkklippen, die sich hoch über die Bucht von Strunjan erheben. Von hier reicht das Auge über die Lagune bis zu den Salinen, wo die Spiegel der Verdunstungsbecken das Sonnenlicht brechen. Auf einer kleinen Lichtung schauen wir ein letztes Mal zurück auf die Umrisse der Altstadt von Piran.

Der Weg schlängelt sich weiter entlang der Küste, über einen schmalen Pfad. Südlich des Strunjan-Kaps fällt die Felsküste abrupt ins Meer. Wir sehen die verschiedenen Schichten, die ihre Spuren im Lehmfelsen hinterlassen haben. Es ist ein Abschnitt, der wie aus der Zeit gefallen scheint: keine Hotels, keine Promenade, nur Pfade, die sich zwischen Steilufer und Olivenbäumen verlieren. Die wenigen Spaziergänger:innen grüßen meist mit dem verkürzten "dan" für "Tag" – meist Einheimische, die dieselbe Stille und Weitsicht suchen. Weil es an diesem Tag sehr klar war, haben wir auf der anderen Adriaseite die Umrisse von Grado sehen können. Weiter nördlich ist Triest klarer erkennbar.

 

Hinter der Bucht von Bele Skale beginnt der Abstieg nach Izola. Der Pfad führt entlang verlassener Terrassen, wo Feigenbäume wild wuchern und alte Trockenmauern von vergangenem Ackerbau erzählen. In der Nachmittagssonne liegen die Dächer von Izola wie aus Terrakotta gegossen da, das Meer funkelt metallisch. 

Bevor wir die Altstadt erreichen, kommen wir an einer Industrieruine vorbei. Nur mehr verfallene Fabrikshallen und der markante Schornstein zeugen von einer längst vergangenen Zeit. Die Fischfabrik Delamaris ist schon länger geschlossen, die Produktion von Fischkonserven wurde in die Nähe von Ljubljana verlegt. Das verkommene Industriareal hat noch keine Nachnutzung gefunden.
Im kleinen Hafen ist an diesem Samstagnachmittag noch viel Leben: Die Lokale im kleinen Hafen sind alle an diesem Samstagnachmittag geöffnet, es riecht nach einer Mischung aus Kaffee und Gegrilltem. Wortfetzen auf Slowenisch, aber auch viel Deutsch mit steirischem und kärtnerischen Einschlag sind zu hören. Izola ist vor allem sehr beliebt bei Kärtner:innen, die innerhalb von zwei Stunden  dem Nebel im Klagenfurter Becken entfliehen können.

Ein Novembertag, wie er an der Adria nur selten gelingt: mild, klar, friedlich. Während andernorts Nebel und Kälte regieren, scheint hier der Sommer nachzuhallen – leiser, bescheidener vielleicht, aber eindringlicher. Der Naturpark Strunjan zeigt in solchen Momenten, dass seine größte Schönheit im Unveränderten liegt, hoffentlich noch lange.