Unterwegs Zwischen Hölle und Wüste
Im November offenbart sich die Weite und die Wildheit der pannonischen Tiefebene. Wir haben eine der außergewöhnlichsten Naturlandschaften ganz im Osten Österreichs erkundet.

Im Spätherbst wirkt der Seewinkel rau und ursprünglich. Jeder Schritt durch die "Wüste", zu den Lacken und bis zu den Randbereichen der "Hölle" offenbart das wilde Herz der pannonischen Steppe. Kälte, Wind und Licht prägen den Eindruck von dieser Landschaft. Schon beim Verlassen von Podersdorf, wo der Wind durch die Baum- und Heckenstreifen pfeift, spüren wir bereits die Härte dieses Landstrichs. Das flache Relief gibt dem Horizont unendliche Weite; der Wind bläst die letzten Blätter von den Weinstöcken. Schön langsam näheren wir uns der Wildnis aus einem Teppich aus salzgetränkten Wiesen und Schilf, in dem Weinreben und Pferdeweiden wie Inseln liegen.
Durch die Hölle und die „Wüste“
Die Landschaftszone „Hölle“, einige Kilometer von Podersdorf entfernt, ist ein weitläufiges Mosaik: Sandige Seedämme wechseln mit weiten, periodisch überschwemmten Feuchtwiesen, dazwischen kleine Baumgruppen und Alleen. Hier treffen geschützte Naturlandschaften auf intensiv genutzten Weinbau und extensiven Weidebetrieb. Der kalte Wind lässt das Schilf rauschen, ab und zu taucht eine wettergegerbte Schafherde oder eine kleine Gruppe Pferde auf. Die „Wüste“ – so nennen die Einheimischen jene kargen, baumlosen Flächen im Seewinkel, in denen Solitärsträucher zwischen salzhaltigem Sand stehen. Das Licht ist blass, die Stille durch Vogelrufe und das Pfeifen des Windes unterbrochen, das Land in Novemberfarben getaucht: Grau, Ocker und das Weiß des Sodasalzes.
Salzlacken bei Apetlon und Vogelbeobachtung
Die Lacken bei Apetlon, mit der Lange Lacke als größtem Salzgewässer, sind Paradiese für Vögel und Naturbeobachter:innen. Entlang gekennzeichneter Wege taucht die Vogelwelt auf: Graugänse im Formationsflug, Säbelschnäbler und Graureiher entlang des Schilfgürtels. Der Spätherbst bietet die besten Chancen für seltene Greifvögel, Seeadler und Wanderfalken. Während Zehntausende Gänse zu ihren Schlafplätzen ziehen („Ganselstrich“), herrscht eine atmosphärisch dichte, beinahe archaische Stimmung, die vom Wind und von den Rufen der Tiere geprägt ist.
Übergänge: Landwirtschaft und Wildnis
Das Land lebt von Kontrasten: Zwischen sandigen Trockenrasen und sumpfigen Lacken liegen Rebflächen, Weiden mit Graurindern, Schafherden und Pferdekoppeln. Die traditionellen Buschenschänken und Weingüter fügen sich behutsam ins Landschaftsbild; Mensch und Natur existieren hier in symbiotischem Nebeneinander. Unser Besuch im Seewinkel wird uns lange in Erinnerung bleiben: ein eisiger, fast schon stürmischer Nordwind, trotz alledem spannende Naturbeobachtungen und ein erstes Gefühl für die Magie des eurasischen Steppengürtels.

Welche Vögel sind im November zu beobachten:
Die Salzlacken – etwa die Lange Lacke, Hölllacken und die Zicklacke bei Apetlon – bieten auch im Spätherbst ideale Beobachtungsmöglichkeiten. Viele der Vogelarten sind in Zugbewegungen oder sammeln sich für die Winterrast und bieten gerade jetzt sensible Naturmomente:
Graugans, Blässgans und Saatgans versammeln sich in großen Schwärmen auf den Lacken und Feldern – der „Ganselstrich“ ist ein besonderes Naturschauspiel.
Enten: Schnatterente, Pfeifente, Spießente und Stockente sind häufig auf den offenen Wasserflächen.
Eher selten kreisen Seeadler majestätisch am Himmel, aber umso öfters "steppen" Wanderfalke und Kornweihe über die Felder und zum Rand der Lacken. Wer Glück hat, kann auch Bussard und Turmfalke gut beobachten...











