Vom alten Hohlweg zum markierten Wanderweg
Zwischen Spital am Pyhrn und Windischgarsten stoßen alte Handelsrouten auf lokale Wege, die seit Jahrhunderten Höfe und Weiler miteinander verbinden. Unterwegs auf dem Kammweg, der einst eine wichtige Verbindung im bäuerlichen Alltag war.

Zwischen Spital am Pyhrn und Windischgarsten verläuft ein unscheinbarer Höhenrücken, der mehr erzählt, als es seine sanften Wiesen und Waldwege vermuten lassen. Wer heute den Kammweg als gemütliche Halbtagestour begeht, wandert auf den Spuren alter Verbindungswege, die einst Höfe, Markt und Passstraße miteinander verknüpften. Hoch über dem Talboden öffnet sich der Blick in Richtung Sengsengebirge, den Haller Mauern und ins Tote Gebirge.
Heute übernehmen die Pyhrnautobahn, die Pyhrneisenbahn und die Pyhrnpassbundesstraße den Transitverkehr, doch oben am Kammweg ist davon nur ein leises Rauschen zu hören. An diesem sonnigen Tag kurz vor Weihnachten bewegen wir uns in einer relativ stillen Zwischenwelt über dem Talboden. Bereits kurz nach dem Bahnhof führt der markierte Weg Nr. 13 hinaus aus dem Ort. Wenn dann genug Schnee liegt, wird auf diesem Weg auch die Langlaufloipe durch den Talboden gespurt sein. Kurz danach verlassen wir den alten Güterweg und wandern hinauf in den Wald zu den letzten Höfen, die am Ende der Straße liegen.
Der Talgrund als Hauptverkehrsraum
Seit der Bronze- und Eisenzeit verlief der wichtigste Nord‑Süd‑Verkehr über den Pyhrnpass im Talraum von der Mündung der Teichl durch das Windischgarstner Becken hinauf zur Passhöhe. Römer und später die landesfürstliche Straße nutzten und verstärkten diese Route; die Trasse der antiken „Via Norica“ und der späteren Pyhrnstraße lag im Wesentlichen dort, wo heute Bundesstraße und Autobahn das Tal durchschneiden.
Windischgarsten war als natürliche Mittelstation dieser Beckenlandschaft schon früh ein Sammelpunkt für Verkehr und Handel, während Spital am Pyhrn mit Spital und Herberge näher an der eigentlichen Passrampe lag. Dazwischen lagen Höfe, Wälder und Wiesen – und ein Netz kleinerer Wege, die nicht für den Fernverkehr, sondern für den Alltag der lokalen Bevölkerung wichtig waren.
Typisch für solche alten Hofwege sind die Übergänge: Feld- und Wiesenwege gehen in Waldpfade über, queren Forststraßen und führen vorbei an Kapellen oder Marterln, die an die frühere Frömmigkeit entlang der Wege erinnern. In der Zeit, als Fahrwege im Tal oft schlammig, hochwassergefährdet oder vom Winterverkehr blockiert waren, boten diese höher gelegenen Trassen verlässlichere Verbindungen zwischen den Höfen und hinunter in die Märkte.
Zwischen Markt und Spital: Alltagsrouten der Bevölkerung
Für Bäuerinnen und Bauern, Holzknechte, Viehtreiber und Tagelöhner war der direkte Kammweg besonders attraktiv: Er sparte Schleifen im Tal, band verstreute Althöfe
an Markt und Kirche an und ermöglichte, Vieh und Holz auf relativ gleichmäßiger Höhe zu führen. Aus siedlungsgeschichtlichen Studien ist bekannt, dass an alpinen Passstraßen gerne „Althöfe“ auf
leicht erhöhten Terrassen entstanden, von denen Wege sowohl zum Pass als auch zu den Talorten führten – das Muster findet sich auch nördlich des Pyhrnpasses zwischen Windischgarsten und
Spital.
So bildeten sich über Jahrhunderte parallel verlaufende Routen: unten die Handelsstraße durch das Becken, oben die eher lokalen Verbindungswege, die heute im Kammweg aufgehen. Wer hier
wandert, bewegt sich also auf einer Art „Alltagsautobahn“ der Vergangenheit, auf der nicht Warenströme, sondern Milch, Holz, Nachrichten und Menschen zwischen Höfen, Märkten und Spital unterwegs
waren.
Vom bäuerlichen Steig zum Wanderweg
Mit dem Bau der staatlichen Pyhrnstraße im 18. Jahrhundert und der Eröffnung der Pyhrnbahn 1906 verlagerte sich der Verkehr immer stärker in den Talgrund; der Höhenrücken verlor seine Bedeutung als Durchzugsroute, blieb aber als landwirtschaftlicher und forstlicher Arbeitsraum wichtig. Viele alte Hohlwege, die seit der Bronzezeit an der Nordseite des Pyhrnpasses entstanden sind, wurden entweder in neue Straßen integriert oder wuchsen zu unscheinbaren Geländespuren im Wald zu.
Im 20. Jahrhundert wurden die verbliebenen Steige und Hofwege schrittweise markiert, gebündelt und als „Kammweg“ touristisch erschlossen. Aus den einstigen Alltagswegen der bäuerlichen Bevölkerung sind heute Freizeitwege für Einheimische und Besucher:innen geworden...








