Auf Stillen Wegen durch ein unbekanntes Oberösterreich
Unspektakulär und doch reizvoll: Frühlingswege zwischen Teucht, dem Tal der sieben Mühlen und Niederspaching

Wir steigen in Teucht aus dem Regionalbus aus, einem kleinen, locker bebauten Dorf am äußersten Rande des Sauwalds, mit verstreuten Bauernhöfen, Wohnhäusern inmitten von Wiesen und Feldern. Schon bei den ersten Schritten spüren wir die Ruhe: kein Trubel, nur paar Häuser und Höfe, wenige kleine Gewerbebetriebe, am Rand ein Wüstelstand, weiter vorne ein Stück Güterweg, dahinter Grünland und der weiche Hügelrhythmus der Landschaft. Wir sind im Hausrucker Hügelland unterwegs, dort wo gleich das Innviertel beginnt und der Sauwald fast übergangslos in Grün- und Ackerland übergeht. Es ist eine Landschaft, die sich nicht aufdrängt, wo es nichts Spektakuläres gibt, die in keinem Reiseführer aufscheint.
Tal der sieben Mühlen
Dazwischen der Leithenbach, auch kein spektakulärer Landschaftsabschnitt, aber doch von ökologischer Bedeutung. Während rundherum die Gegend eine agrarisch geprägte Kulturlandschaft ist, bleibt
der Bach über einige Kilometer naturnah. Wir sind dort bereits im Tal der sieben Mühlen, wo früher Mühlräder klapperten, Wasser umgeleitet, gestaut und wieder freigegeben wurde. Der Bach hat
nicht nur die Landschaft geschliffen, sondern auch Arbeit und Leben in die Höfe gebracht. Heute sehen wir entlang des Baches nur mehr eine große Holzsäge, ein paar verfallene Gebäude und ein
kleines Wasserkraftwerk, das den Fluter für die Stromerzeugung nützt.
Naturschutzprojekt Koaserin
Weiter hinten im Leithenbachtal beginnt die Koaserin, ein Sumpf- und Feuchtwiesengebiet, das als geschützter Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen erhalten wird und das wir nur von den Wegen am
Rand aus respektvoll betrachten. An diesem Tag haben wir noch nicht viel vom Aufleben der Natur im Frühling sehen können. Doch es lässt sich erahnen, das hier bald die ersten Wildbienen und
Hummeln Schlehen und die frühen Wiesenblumen anfliegen werden. Aus dem Dickicht hören wir schon leise das erste Frühlingsgezwitscher der Vögel. 2007 hat hier die Stiftung des Naturschutzbundes 30
Hektar Land aufgekauft und vor der intensiven Kultivierung gerettet. Heute gibt es dort die so selten gewordenen Feuchtwiesen, die auch wichtig für den Hochwasserschutz sind, weil sie viel
Wasser aufsaugen. Die bewusst stehen gelassene Uferbrache dient als Lebensraum für Vögel und andere Tiere. Die Aktivist:innen vom Naturschutzbund sorgen dafür, dass diese Landschaft so
erhalten bleibt.
Schönheit liegt auch im Alltäglichen
Der Weg führt uns weiter vorbei an kleineren und größeren Höfen, über Feldraine und durch kleine Waldabschnitte. Ab und zu öffnet sich ein Ausblick hinüber ins Innviertel, nach
Heiligenberg oder zum Hausruck- und Kobernaußerwald bis ins Tote Gebirge. Alles wirkt nah, überschaubar, vertraut. Gerade diese Nähe macht für uns den Reiz aus. Wir fühlen uns eingebettet,
angekommen, bis wir schließlich im nächsten Tal beim kleinen Bahnknotenpunkt Niederspaching ankommen.
Zwischen den kleinen Weilern Teucht und Niederspaching, oben auf den Hügeln, wo der landschaftliche Horizont schon recht weit ist, entsteht beim Gehen fast etwas Meditatives. Wir sind in einer Landschaft ohne großes Ziel, aber voller kleiner Entdeckungen: eine alte Scheune mit verwittertem Tor, Alpakas, die uns neugierig nachschauen, der Duft von frisch geschnittenem Holz am Lagerplatz der Säge, das ferne Läuten einer Kirchenglocke, ein Rotkelchen, das im Gestrüpp singt.
Solche Gegenden sind keine touristischen Magneten – und das ist ihr Glück. Auf unseren Wegen hier werden wir daran erinnert, dass Schönheit oft dort liegt, wo wir sie nicht automatisch vermuten: im Alltäglichen, im Stillen, im Wiederkehrenden…











