Uholka - Transkarpatien

Faszination urwald

Transkarpatien, einst Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie, ist näher bei Wien als bei der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Und so kommt es auch, dass unweit unseren Zielortes Rakhiv ein Denkmal steht, das als Mittelpunkt Europas verkauft wird. Einer von vielen möglichen Mittelpunkten. Es kommt eben darauf an, wie man Europa begrenzt.

 

Die Fahrt von der ungarischen Grenze bis nach Rakhiv, eine kleine Stadt in den Waldkarpaten, führt durch kleine Bauerndörfer und dauert: die Straßen sind von Schlaglöchern übersät. Doch es zahlt sich aus, sich diesen Winkel Europas näher anzusehen. Noch dazu wenn man eine Woche erwischt, in der ein dunkelblauer Himmel, höchstens mit ein paar kleinen Wolkengebilden verziert, die ganze Pracht des herbstlichen Farbenspiels der Laubmischwälder in ein unvergessliches Licht rückt. Da wird dann eine Wanderung auf den höchsten Berg der Ukraine, den 2.060 m hohen Howerla, zum Genuss. Auch wenn sich am Gipfel mit Radios ausgestattete patriotische Jugendliche und Familienwandergruppen ein Stelldichein geben, und dabei leider etliches an Müll zurücklassen. Naja, man muss auch noch dazusagen, dass uns Vasyl, unser Begleiter vom Biosphärenreservat der Karpaten, mit einem alten russischen Transportfahrzeug ein Stück des Weges nach oben gebracht hat. 

 

 

Bär, Luchs und Wolf sind hier noch häufig. Und die Frage, ob die Menschen hier Angst vor Wölfen haben, stößt auf Unverständnis. Eine frische Fährte eines Wolfes finden wir denn auch bereits am zweiten Tag. Am Weg in eines der Urwaldgebiete. Ja der Wald, der ist beeindruckend. Der größte Buchenurwald Europas erstreckt sich über gut 9.000 ha, er beeindruckt wenn man ihn von oben betrachtet, und er beeindruckt wenn man ihn durchwandert. Urwüchsige Baumgestalten, viel totes Holz voll Leben, und eine unglaubliche Vielfalt an Pilzen. Und dann noch eine endemische Nacktschnecke namens Blauer Schnegl mit einem Blau, das der Farbe des Himmels Konkurrenz macht.

 

 

Damit wir das alles in guter Verfassung erleben können, bemüht sich Vasyl auch, uns die ukrainische Küche näher zu bringen: sie ist abgestimmt auf die Holzarbeit in den Bergwäldern, also kalorienreich. Mit Speck und Würsten, Brimsen - dem lokalen Schafkäse, und natürlich auch einer Variante des Borschtsch, einer kräftigen Suppe mit Roten Rüben. Dazu mundet das lokale Bier, während man beim Schnaps vorsichtig sein sollte: er hat selten weniger als 50%.

Die einstimmige Meinung der Gruppe beim Abschied: wir kommen wieder!